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Deutsche Bank: Mögliche Fusion mit Commerzbank erntet immer mehr Kritik

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Deutsche Bank: Mögliche Fusion mit Commerzbank erntet immer mehr Kritik

Es gibt ja immer ein persönliches Highlight, dass jeder Politiker in seiner Vita haben möchte. Bei Bundesfinanzminister Olaf Scholz scheint es das Schmieden einer deutschen Großbank zu sein. Hinter den Kulissen soll der SPD-Politiker ja fleißig an diesem Plan arbeiten. Allerdings scheint der Bundesfinanzminister einer der wenigen zu sein, der von diesem Plan auch überzeugt ist.

Deutsche Bank-Chef hat lange gezögert

Immer wenn Christian Sewing auf einen möglichen Zusammenschluss der beiden größten deutschen Finanzinstitute angesprochen wurde, wich er mit der Antwort aus: „Wir müssen erst unsere Hausaufgaben machen, dann sehen wir weiter.“ Dafür hatte sich der Vorstandsvorsitzende einen Zeitrahmen von „12 bis 18 Monaten“ erbeten. Diese Zeit hat ihm der Bundesfinanzminister anscheinend nicht eingeräumt. Olaf Scholz und sein Staatssekretär Jörg Kukies, der ehemalige Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, gelten als Befürworter einer „Banken-Ehe“, weil sie fürchten, dass die beiden letzten verbliebenen deutschen Großbanken zu schwach sind, um eine neue Finanzkrise oder eine Rezession zu überstehen. Unter dem Druck der Politik hat Sewing jetzt wohl Gesprächen zugestimmt. Allerdings gibt es viel Kritik an einer möglichen Fusion der beiden Geldhäuser.

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Gewerkschaft sagt Nein

„Wir lehnen die Fusion ab“, erklärte der Verdi-Mann Jan Duscheck, der für die Gewerkschaft im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt, in einer Reuters vorliegenden E-Mail. Ein Zusammenschluss der beiden Banken sei aus einer ganzen Reihe von Gründen nicht sinnvoll. Besonders problematisch sei aber, dass dadurch „mindestens 10.000 weitere Arbeitsplätze akut gefährdet wären - zuzüglich der darüber hinaus perspektivisch wegfallenden Arbeitsplätze, weil die Fusion die an das neue Institut gestellten Wachstumserwartungen aus heutiger Sicht nicht erfüllen wird“.

„Kein nationaler Champion“ 

Durch eine Fusion der beiden Geldhäuser ergebe sich nicht automatisch ein „nationaler Champion“, argumentierte Verdi. Weil nach einer Fusion immer noch keine selbst im europäischen Markt wirklich große Bank entstehe, würde das neue Institut stattdessen „deutlich attraktiver für eine ‚feindliche‘ Übernahme, zum Beispiel aus Frankreich“. Beide Banken erfüllten bereits heute alle Anforderungen der deutschen Wirtschaft, auch im globalen Kontext. Zudem würden sich viele Bereiche überschneiden, etwa im Privat- und Firmenkundengeschäft. Das größte Problem der Deutschen Bank, das schwächelnde Investmentbanking, werde hingegen durch einen Zusammenschluss nicht gelöst, weil die Commerzbank dort nicht aktiv sei.

DBV stellt sich auch quer

Die Bankengewerkschaft kündigte am Dienstag ihren Widerstand an: „Sollte die Fusion kommen mit dem erwartbaren großen Stellenabbau, würden wir sicher mit unseren Mitteln dagegen vorgehen“, sagte ein DBV-Sprecher der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Die Erfahrung mit früheren Bankenfusionen wie der von Commerzbank und Dresdner Bank hat gezeigt, dass sie keineswegs automatisch in eine goldene Zukunft führen.“

Genossenschaftsbanken gegen ein Eingreifen der Politik

Die Volks- und Raiffeisenbanken üben scharfe Kritik an der Rolle des Bundes bei den Fusionsgesprächen von Deutscher Bank und Commerzbank. „Es ist nicht Aufgabe des Staates, nationale oder europäische Champions zu schaffen“, sagte Marja Kolak, Präsidentin des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), am Dienstag laut Redetext. „Champions entstehen im Wettbewerb als Folge guter unternehmerischer Entscheidungen.“ Große Unternehmen seien oft nicht die besseren Unternehmen und wenn sie scheiterten, treffe es am Ende nicht selten den Steuerzahler. „Vor diesem Hintergrund ist es an der Zeit, dass der Bund sich möglichst bald aus dem Thema Großbankenbeteiligung zurückzieht und so die Möglichkeit schafft, Markterfolg ohne Staatsbeteiligung zu testen“, forderte Kolak.

Die Grünen haben auch ihre Zweifel

„Es geht nicht, dass der Finanzminister im Hinterzimmer eine deutsche Großbank zimmert und der Gesetzgeber dabei dreist übergangen wird“, sagte der haushaltspolitische Sprecher der Grünen, Sven-Christian Kindler, dem Tagesspiegel. Er forderte Scholz auf, „dem Haushaltsausschuss seine Pläne umgehend“ zu erläutern. Die Grünen sehen eine Fusion der beiden Geldhäuser nicht als gute Lösung an.  Ähnlich wie die Volks- und Raiffeisenbanken sehen sie ein hoes Risiko für den Steuerzahler. „Die Lehre aus der Finanzkrise ist, dass Megabanken, die too big to fail sind, zu einem Fass ohne Boden für den Staatshaushalt werden können.“

Aktien heute im Minus

Nachdem beide Wertpapiere zum Wochenstart deutlich im Plus lagen, scheinen die Anleger heute etwas vorsichtiger zu werden. Die Deutsche Bank ist mit einem Minus von etwas mehr als 2 Prozent schwächster Wert im Dax und die Commerzbank liegt noch ein Stück mehr im Minus. Seit Jahresbeginn haben sich beide Papiere allerdings mehr als gut geschlagen. Die Commerzbank hat um gut ein Viertel zugelegt, die Deutsche Bank kommt auf ein Plus von etwa 17 Prozent.

Chart Deutsche Bank / Commerzbank seit Jahresanfang

Von Markus Weingran

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