Drei Fragen an Bernecker: Ihre Einschätzung zur Commerzbank, wird Adyen von dem Wirecard-Desaster profitieren und wie sehen Sie die Chancen für den IPO-Kandidat Palantir?

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In unserer heutigen Ausgabe fragen wir nach den Chancen zum IPO-Kandidat Palantir, nach einer Einschätzung zur derzeitigen Situation der Commerzbank und wie Adyen von dem Wirecard-Desaster profitieren könnte.

Drei Fragen an Bernecker: Ihre Einschätzung zur Commerzbank, wird Adyen von dem Wirecard-Desaster profitieren und wie sehen Sie die Chancen für den IPO-Kandidat Palantir?

onvista-Redaktion: Anders als bei der Deutschen Bank geht der Umbau bei der Commerzbank deutlich schleppender voran. Nun herrscht durch den Abgang von Martin Zielke auch noch ein Führungsvakuum, welches schnell gefüllt werden muss – mit jemandem, der harte Entscheidungen treffen muss – Wie sehen Sie die Lage? Gibt das der Aktie auch Chancen oder sollte man vorerst die Finger von ihr lassen?

Die Commerzbank ist im deutschen Bankenmarkt eine Sondernummer seit 1957, als alle drei Großbanken wieder zusammengefügt worden waren. Erster Chef der Co-Bank war Hanns Deuß. Drei Männer waren in dieser Zeit prägend, neben vielen anderen, die zu vernachlässigen sind: Herr Lichtenberg führte die Commerzbank wie seine Filiale in Solingen, in der er gelernt hatte. Klaus-Peter Müller ist kein besonders kluger Kopf, aber sehr findig. Walter Seipp kam von der Deutschen Bank und kannte den Rahmen einer Großbank als Ganzes. In der aktuellen Situation gilt das Gleiche: Der Aufsichtsrat fand gestern keine Dame oder Herrn, die bereit ist, den AR-Vorsitz zu übernehmen. Eine Dame wurde beauftragt, jemanden dafür zu finden. Das gab es für eine deutsche Großbank ebenfalls noch nie. Für den Vorstand gilt das Gleiche: Die aktuelle Nr. 2 im deutschen Banking (neben HypoVereinsbank und nach der Deutschen Bank) hat nach wie vor ein intaktes Geschäft, aber infolge der Fusion mit der Dresdner Bank vor über 10 Jahren keine Struktur, mit der ein rentables Banking erreicht werden kann. Dazu bedarf es eines strategischen Kopfes, keines Bankers, sondern eines Bankiers. Der ist offensichtlich in Deutschland zurzeit nicht zu finden. Lange Rede, kurzer Sinn: Ohne eine solche Person (Dame oder Herr) lässt sich eine Bank dieser Größenordnung weder umbauen noch zielstrebig und mit Perspektive entwickeln. Ein zweiter Walter Seipp wäre vermutlich richtig. Gibt‘s den?

onvista-Redaktion: Die umstrittene US-Datensammlungsfirma Palantir geht nun doch an die Börse, nachdem jahrelang solche Pläne immer verneint wurden. Gewinn will man zum ersten Mal in diesem Jahr erzielen. Finden Sie das Unternehmen interessant?

Palantir wird eine spannende Story. Der 2004 gegründete Spezialist für Software zur Analyse großer Datenmengen, insbesondere für Strafverfolgungsbehörden, ist ein Reizthema. Dabei spielt der Datenschutz eine sehr wichtige Rolle. Palantir erreichte in diesem Jahr 1 Mrd. $ Umsatz, schreibt aber noch rote Zahlen. An dieser Ecke zweifeln die Analysten, ob dies einen Börsengang rechtfertigt. Geplant ist eine Notierung an der Börse ohne vorhergehendes Preisfindungsverfahren, also ähnlich wie für den Musikdienst Spotify oder dem Büro-App-Anbieter Slack. Die Bewertungsansätze schwanken frei um 20 Mrd. $. Das ist ein Wort! Also: Die Idee stimmt, die Bewertungsansätze sind fragwürdig, aber eine direkte Notierung enthält schwer kalkulierbare Preisansätze. Hier hilft nur eines: Den Finger reinstecken und mit einem kleinen Betrag mitspielen.

onvista-Redaktion: Jetzt wo Wirecard geschlagen auf dem Boden liegt, gibt es für den niederländischen Konkurrenten Adyen wohl noch mehr tiefhängende Früchte für die weitere Kundengewinnung. Doch die Aktie hat bereits einen enormen Ritt nach oben hingelegt. Sehen Sie trotzdem Potenzial, da das Wirecard-Vakuum gefüllt werden muss?

Adyen dürfte neben Worldline (Frankreich) der größte Gewinner aus dem Zusammenbruch von Wirecard sein. Das wird sich kurzfristig entscheiden, wenn große Adressen wie Lidl oder Aldi ihre Entscheidung treffen. Die Nachhaltigkeit der Geschäftsidee ist unstrittig. Börsenwerte von inzwischen über 40 Mrd. € sind natürlich eine Herausforderung. Wir sind bei Adyen seit langem dabei. Im Moment profitiert Adyen von der Wirecard-Pleite und wir warten etwas geduldig ab, bis sich diese Szene etwas glättet. Wordline ist die brauchbare Alternative.

Vielen Dank für Ihre Antworten!

Foto: Bernecker

www.bernecker.info

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