FDP-Experte - Wirecard wurde vor Pleite systematisch geplündert

Reuters

Berlin (Reuters) - In den Monaten vor der Pleite des Zahlungsabwicklers Wirecard gab es nach Angaben der FDP viele verdächtige Geldabflüsse.

"Das Unternehmen ist systematisch geplündert worden", sagte der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar am Mittwoch zu Journalisten. Der Insolvenzverwalter Michael Jaffe habe Abgeordneten des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Wirecard-Bilanzskandal diese Woche sehr offen Rede und Antwort gestanden. Er habe zwar niemanden persönlich beschuldigt. Dem damaligen Vorstand des früheren Dax-Konzerns sei aber klar gewesen, dass es dem Ende entgegen gehe, so Toncar. Er könne nicht entlastet werden. "Dann wäre die Kasse nicht leer gewesen."

Wirecard habe sich vor der Insolvenz mit Kapital vollgesogen, über drei Milliarden Euro an Fremdkapital. Als der Bilanzbetrug im Juni 2020 aufflog, sei aber nichts mehr übrig gewesen. Jaffe hat dem U-Ausschuss im Bundestag Toncar zufolge eine genaue Auflistung der Abflüsse versprochen. Viele Buchungen müssten aber noch genau geprüft werden, oft seien die Leistungen für Zahlungen nicht klar. Ende März 2020 habe es eine besonders auffällige Überweisung in Höhe von 100 Millionen Euro an ein Unternehmen in Singapur gegeben, das einem Freund des flüchtigen Wirecard-Vorstands Jan Marsalek zugeordnet werde. Die wirtschaftliche Notwendigkeit dieser Überweisung müsse angezweifelt werden.

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall wegen Bilanzfälschung, Betrug, Marktmanipulation und Geldwäsche. Im Visier sind dabei vor allem ehemalige Vorstände: Ex-Chef Markus Braun sitzt in Untersuchungshaft, der früher für das operative Geschäft zuständige Marsalek soll Medienberichten zufolge in Russland untergetaucht sein. Es ist einer der größten Finanzskandale der Nachkriegszeit.

Jaffe bekräftigte laut Toncar, dass Wirecard-Gläubiger Forderungen in einer Höhe von 12,5 Milliarden Euro gegen die Kerngesellschaft des Zahlungsabwicklers gestellt haben. Zwei Drittel davon kämen von Aktionären, etwa ein Viertel von Banken und Anleihe-Gläubigern.

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