Fraport-Chef sieht "Licht am Ende des Tunnels"

Reuters

Frankfurt (Reuters) - Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraportt geht trotz der anhaltenden Corona-Pandemie in diesem Jahr von einer deutlichen Erholung aus.

Unter dem Strich werde zwar auch 2021 ein Verlust anfallen, doch solle das bereinigte Betriebsergebnis auf 300 bis 450 Millionen Euro steigen, teilte Fraport am Dienstag mit. Das wäre gut ein Drittel des Vorkrisengewinns. Der in der Pandemie weltweit eingebrochene Luftverkehr werde sich mit dem Fortschritt beim Impfen ab Sommer wieder erholen, erklärte Fraport-Chef Stefan Schulte. Denn sowohl bei Urlaubsreisen als auch bei Familienbesuchen gebe es großen Nachholbedarf. "Auch 2021 wird noch schwierig bleiben, aber wir sehen schon das Licht am Ende des Tunnels", sagte Schulte.

Fraport hat am größten deutschen Flughafen die Kosten so stark gedrückt, dass laut Finanzchef Matthias Zieschang schon 25 Prozent der Passagiere des Rekordjahres 2019 und damit 18 Millionen Gäste ausreichen, um schwarze Zahlen zu schreiben. "Vor der Krise konnte man sich nicht vorstellen, so weit herunterzukommen", sagte Zieschang. Für das Gesamtjahr erwartet Fraport maximal 20 bis 25 Millionen Fluggäste, nachdem die Zahl im vergangenen Jahr um fast 75 Prozent auf 18,8 Millionen eingebrochen war. Im Juni soll dann nach mehr als einem Jahr Pause Terminal 2 wieder in Betrieb gehen. Die Kosten sinken unter anderem durch den Abbau von insgesamt 4000 der rund 22.000 Stellen in Frankfurt. Etwa 3000 Mitarbeiter seien schon einvernehmlich ausgeschieden, erklärte der Fraport-Chef. Das Unternehmen spart außerdem Personalkosten durch Kurzarbeit von drei Vierteln der Beschäftigten. Das Arbeitsvolumen könne so noch bis Ende des Jahres reduziert bleiben.

TERMINAL 3 KOMMT SPÄTER

Der MDax-Konzern konnte sich so gut bei Banken und am Kapitalmarkt mit Liquidität eindecken, dass Staatshilfe in der Krise nie ein Thema war. Fraport kann sich in diesem Jahr sogar 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro Investitionen leisten, nicht viel weniger als im Krisenjahr 2020. Der Weiterbau des Terminal 3 in Frankfurt stehe deshalb nicht in Frage, betonte Schulte. Allerdings wird aufgrund der schwersten Branchenkrise der Geschichte die Eröffnung um drei Jahre verschoben auf 2026. Dann sei bei anhaltender Erholung des Luftverkehrs ein neuer Passagierrekord nach den rund 70 Millionen 2019 zu erwarten. Dass die zusätzliche Kapazität von 19 Millionen Fluggästen dann wohl noch nicht ausgeschöpft wird, ist Schulte zufolge ein Vorteil. Andere Flughafenbereiche könnten dann schneller saniert werden, weil Arbeiten nicht im Hochbetrieb laufen müssten.

Im vergangenen Jahr fiel bei einem Rückgang des Umsatzes um mehr als die Hälfte ein Nettoverlust von 690 Millionen Euro an. Der Fehlbetrag übertraf damit noch die Prognosen von Analysten, die im Schnitt ein Minus von knapp 590 Millionen Euro erwartet hatten. Fraport-Aktien lagen im Minus, denn die Anleger können angesichts der Nettoverluste weder in diesem noch im nächsten Jahr mit einer Dividende rechnen.

Die Citi Bank erklärte, sie sei weniger zuversichtlich als Fraport über die Erholung des wichtigen Geschäftsreiseverkehrs. Bis zu 25 Prozent des Vorkrisenvolumens seien dauerhaft verloren. Der Fraport-Chef erklärte dagegen, nach seinem Eindruck herrsche nach einem Jahr Corona Ernüchterung über virtuelle Formate für Konferenzen und Treffen. Persönliche Begegnungen seien damit nicht zu ersetzen. "Ja, es wird länger dauern, aber Geschäftsreisen werden zum großen Teil wiederkommen." Das gelte auch für Messen und Veranstaltungen. "Wir sind auf dieser Seite optimistischer, als wir es vielleicht vor einem halben Jahr waren."

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