GlaxoSmithKline: Konzernaufspaltung soll die lang ersehnte Wende bringen – Analysten wie Anleger blicken zwiegespalten auf die Aktie

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GlaxoSmithKline: Konzernaufspaltung soll die lang ersehnte Wende bringen – Analysten wie Anleger blicken zwiegespalten auf die Aktie

Der britische Pharmahersteller GlaxoSmithKline steht am Scheideweg. Nach Jahren vergleichsweise mauen Wachstums, in denen der Konzern immer weiter hinter die Konkurrenz zurückfiel, will Firmenchefin Emma Walmsley jetzt auf die Tube drücken. Mit der Abspaltung des Geschäfts für verschreibungsfreie Medikamente im kommenden Jahr will die Konzernlenkerin die „neue GSK“ schlagkräftiger machen. Störfeuer kommt jedoch vom aktivistischen Investor Paul Singer. Zur Lage des Unternehmens, was die Analysten sagen und was die Aktie macht.

So ist die Lage des Unternehmens

Nur kurze Zeit nach ihrem Antritt in 2017 hatte Firmenchefin Walmsley GlaxoSmithKline angesichts mauer Profitabilität den seit Jahren nötigen Fitnesskurs verordnet. Ein Sparprogramm gepaart mit Verkäufen nicht zum Kerngeschäft zählender Marken wie Abtei und Cetebe folgte. Zudem stellte die Managerin schon früh die Trennung vom Geschäft mit verschreibungsfreien Medikamenten in Aussicht. Nur die Frage nach dem „Wie trennen?“ beantwortete die Konzernlenkerin erst vor wenigen Wochen auf einem bereits mit Spannung erwarteten Investorenevent genau. Dabei wurde Ende Juni auch klar, wie GSK nach der Aufspaltung künftig mehr verdienen und deutlich profitabler werden will.

Hierzu müssen die Investoren allerdings zunächst Einbußen bei der Dividende hinnehmen, bevor diese künftig wieder steigen soll – nach Jahren der Erhöhungen ist dies für die Aktionäre ein scharfer Einschnitt.

Zudem will Walmsley das Geschäft mit verschreibungsfreien Medikamenten, das bereits 2019 mit der OTC-Sparte des US-Konzerns Pfizer verschmolzen wurde, Mitte 2022 über ein einfaches Listing an die Londoner Börse bringen. Dabei will sich GSK mindestens von 80 Prozent seines Anteils an dem Joint Venture trennen. Der Fokus des verbleibenden Konzerns, der „neuen GSK“, soll dann auf Impfstoffen und Spezialtherapeutika in den Bereichen HIV, Infektionskrankheiten, Onkologie sowie Immun- und Atemwegserkrankungen liegen.

Während sich Investoren derzeit über den in einigen Jahren anstehenden Patentablauf des HIV-Mittels Dolutegravir sorgen und zudem die Verkäufe der wichtigen Gürtelrose-Impfung Shingrix wegen der Corona-Pandemie zurückgehen, setzt Walmsley auf knapp ein Dutzend neue Medikamente, deren Entwicklung bereits weit fortgeschritten ist – wie etwa die Krebstherapien Blenrep und Zeluja. Zusammengenommen sollen sie GSK künftig einen Jahreserlös von mehr als 20 Milliarden Pfund bringen.

Diese stünden damit für rund zwei Drittel der für 2031 angepeilten Konzernumsätze in Höhe von mehr als 33 Milliarden Pfund – ein Ziel, das in den Augen vieler Experten derzeit aber höchst ambitioniert erscheint. Dabei soll die bereinigte operative Marge von rund 25 Prozent im vergangenen Jahr bis 2026 auf mehr als 30 Prozent steigen.

Doch dem aktivistischen Investor Paul Singer gehen die Margenziele nicht weit genug. Der für seine meist unverhohlene Kritik gefürchtete Investor war über seinen Hedgefonds Elliott im Frühjahr bei den Briten eingestiegen und hält nach eigenen Angaben einen „substanziellen Anteil“ am Unternehmen.

In einem kurz nach Walmsleys Strategiepräsentation veröffentlichten Brief forderte Elliott höhere Ziele und unter anderem die Neubesetzung des Managements mit mehr pharmazeutischer Expertise – womit er vor allem auf die Konzernchefin zielte, die einen sprachwissenschaftlichen Universitätsabschluss innehat und vor ihrem Start bei GSK viele Jahre im Management des Kosmetikkonzerns L’Oreal tätig war. Zudem verlangt Singer, den Börsengang noch einmal zu überdenken und eventuelle Kaufangebote für die verschreibungsfreien Medikamente zumindest sorgfältig zu prüfen.

GSK konterte zwar prompt und stellte sich dabei auch hinter Walmsley – doch die Auseinandersetzung mit Singer könnte damit womöglich noch nicht ihr Ende gefunden haben.

So sehen die Analysten die Aktie

Die auf der Investorenveranstaltung präsentierten Ziele lagen über den Erwartungen des Marktes. Dennoch sind die Branchenkenner mit Blick auf die Aktie derzeit gespalten. Von den elf seit Juni bei dpa-AFX gelisteten Experten haben fünf ein neutrales Votum. Dem stehen vier Kaufvoten und zwei Verkaufsempfehlungen gegenüber. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 1520 Pence um rund 8 Prozent über dem aktuellen Kurs.

Die Optimisten unter den Experten äußerten sich zwar lobend zu den neuen Zielen und der Strategie des Managements. Doch damit sich das auch in einer steigenden Bewertung niederschlägt, ist aus Sicht der meisten Beobachter noch einiges nötig.

Berenberg-Analystin Kerry Holford sieht immerhin die Aktie nun von zwei wesentlichen Belastungsfaktoren befreit, da das Management Klarheit in puncto Dividende und dem genauen Zeitplan für die Abspaltung geschaffen habe. Die Expertin hält das Papier derzeit für unterbewertet und empfiehlt es zum Kauf. Holford lobte die „klare Vision“ der Konzernführung und sprach von unerwartet hohen Umsatzzielen bis 2031.

Das mangelnde Vertrauen der Investoren in die Fähigkeiten des Konzerns sich zu erneuern und zu erholen, bezeichnete die Analystin als zu pessimistisch. Anstehende Studiendaten im zweiten Halbjahr und in 2022 dürften nun aber an der negativen Wahrnehmung der GSK-Pipeline etwas ändern, glaubt Holford.

Ähnlich sieht das Keyur Parekh, mit 1870 Pence ruft der Experte von Goldman Sachs derzeit eines der höchsten Kursziele auf. Der Konzern brauche jedoch noch einiges an Forschungserfolgen und zudem eine starke anschließende Vermarktung, um seine längerfristigen Umsatzziele zu erreichen, befindet er. Nachhaltige Umsatz- und Gewinnverbesserungen seien auch die Bedingung für eine Aufwertung der Aktie.

Nicht überzeugt ist dagegen Emily Field von Barclays. Mit seinem künftigen Forschungsschwerpunkt intensiviere der Konzern lediglich eine Strategie, die schon in den vergangenen Jahren nicht funktioniert habe, kritisierte die Expertin. Sofern nicht der aktivistische Investor dazwischenfunke, müsse GSK nun erst einmal beweisen, dass die von Konzern genannten Hoffnungsträger wirklich das erhoffte Potenzial hätten.

Jefferies-Analyst Peter Welford geht unterdessen davon aus, dass GlaxoSmithKline zumindest bei der anstehenden Zahlenpräsentation für das zweite Quartal seine Zielspannen nach oben einengen dürfte.

So läuft die Aktie

Walmsleys ehrgeizige Pläne sollen auch der GSK-Aktie neues Leben einhauchen. Das kann das Papier wirklich gebrauchen, denn ein Investment ist für viele längerfristige Aktionäre nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. In den vergangenen Jahren folgten Perioden mit Kursaufschlägen immer wieder regelmäßig längeren Episoden mit Verlusten.

Während das Papier dabei in einem recht klar umrissenen Kanal pendelte – Anstiege machten in der Regel bei rund 1800 Pence Halt, für Rückfälle war spätestens bei etwa 1200 Pence Schluss – kam es letztendlich kaum vom Fleck. Bei etwas mehr als 1400 Pence befindet sich die Aktie derzeit auf etwa auf dem Niveau aus dem Frühjahr 2012.

Damit hinkt GlaxoSmithKline nicht nur umsatz- und ergebnisseitig hinter seinem heimischen Konkurrenten Astrazeneca zurück. Auch an der Börse steht der Rivale deutlich besser da. So kommt die GSK-Aktie im laufenden Jahr zwar auf ein Plus von rund fünf Prozent, auf Sicht von fünf Jahren hat sich jedoch ein Minus von 15 Prozent angehäuft.

Investoren in Astrazeneca dürfen sich hingegen über ein Kursplus von etwas mehr als 80 Prozent binnen fünf Jahren freuen. Damit bringt der Wettbewerber derzeit rund 131 Milliarden Pfund (153 Mrd Euro) auf die Börsenwaage, GlaxoSmithKline schafft dagegen lediglich rund 71 Milliarden.

Auch im Vergleich zu anderen europäischen Unternehmen aus dem Sektor steht GSK schlecht da. So legte der europäische Auswahlindex Stoxx Europe 600 Health Care im bisherigen Jahresverlauf um 13 Prozent zu; auf Fünf-Jahressicht um 29 Prozent – in diesem Zeitraum gehört die GlaxoSmithKline-Aktie neben den Papieren der deutschen Unternehmen Bayer , FMC und Fresenius zu den wenigen Verlierern.

Noch schlechter sind es im langfristigen Vergleich aus. In diesem Jahrtausend büßte der Kurs der GSK-Aktie rund ein Fünftel ein – damit ist das Papier der einzige Verlierer im europäischen Branchenindex.

onvista/dpa-AFX

Titelfoto: Willy Barton / Shutterstock.com

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