Verdi-Chef Werneke will 2020 "mutige Tarifpolitik"

Reuters

Berlin (Reuters) - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi strebt in den Tarifrunden in diesem Jahr kräftige Reallohnerhöhungen an.

Verdi-Chef Frank Werneke will "Einkommenssteigerungen signifikant oberhalb der Preissteigerungsrate durchsetzen". Die Binnennachfrage stabilisiere die Konjunktur. Dazu wolle die nach der IG Metall zweitgrößte Gewerkschaft mit einer "mutigen Tarifpolitik" einen Beitrag leisten in allen Branchen, in denen 2020 für Verdi Tarifverhandlungen anstünden. Werneke nannte die Deutsche Telekom, die Wohnungswirtschaft, private Klinikkonzerne, Speditionen und Logistik, die Deutsche Post wie auch die Tarifrunde für Beschäftigte von Bund und Kommunen im Herbst.

In diesem Jahr führt Verdi Tarifverhandlungen für Branchen mit etwa 3,2 Millionen Beschäftigten. "Es gibt überhaupt keinen Grund, vom Kurs der offensiven Lohnpolitik abzuweichen", sagte Werneke am Donnerstagabend in seinem Ausblick auf das Jahr. Wo immer es möglich sei, wolle Verdi auch Wahlmöglichkeiten durchsetzen zwischen Lohnerhöhungen und freien Tagen. Für die Inflation erwarten Experten einen Anstieg um etwa 1,5 Prozent.

VERDI SAGT STREIT IN MINDESTLOHN-KOMMISSION VORAUS

Die größte Tarifrunde nach den im Frühjahr anstehenden Verhandlungen der IG Metall für die Metall- und Elektroindustrie betrifft den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen mit etwa 2,7 Millionen Beschäftigten. Verdi-Vizechefin Christine Behle erwartet einen "heißen Herbst". Drei Verhandlungsrunden seien zwischen Anfang September und Ende Oktober angesetzt. Dabei gehe es um höhere Vergütungen, aber auch um Arbeitszeitsouveränität.

Streit erwartet Verdi auch in der Mindestlohn-Kommission, die bis zum 30. Juni einen Vorschlag für eine Erhöhung der Lohnuntergrenze im Jahr 2021 machen muss. Verdi-Vizechefin und Kommissions-Mitglied Andrea Kocsis will darauf dringen, dass sich die Kommission eine neue Geschäftsordnung gibt, um Mehrheitsentscheidungen zu erleichtern. Sie rechnet mit Widerstand der Arbeitgeber in der Kommission: Über das Thema erwarte sie "eine größere Debatte in den kommenden Wochen". Verdi fordert zudem eine politische Entscheidung, den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 9,35 Euro in einem Schritt auf zwölf Euro zu erhöhen. Grundsätzlich solle aber die Kommission für weitere Erhöhungen darüber hinaus zuständig sein.

Die Mitgliederentwicklung verlief für Verdi laut Werneke mit knapp 126.000 Eintritten besser als in den vergangenen Jahren. Unter dem Strich büßte die Gewerkschaft aber 0,7 Prozent ein. Ende 2019 habe sie 1,955 Millionen Mitglieder gehabt. Bei Beitragseinnahmen von 478,6 Millionen Euro habe Verdi den Streikfonds um 50 Millionen Euro aufgestockt.

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