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Warum Bitcoin nicht so gut ist, wie viele glauben

Bernd Schmid
Warum Bitcoin nicht so gut ist, wie viele glauben

Über Gold als Anlageklasse lässt sich gut streiten. Besonders Aktienfans wie ich mögen Gold eher weniger, da es nichts Produktives ist, das Werte schafft. Ich habe dennoch einen Teil meines liquiden Vermögens in Gold, da ich den Fiatwährungen - inklusive dem US-Dollar und dem Euro - immer weniger die Funktion als Wertaufbewahrungsmittel zutraue. Gold erfüllt für mich diese Funktion.

Da liegt es nahe, sich auch mit Bitcoin zu beschäftigen. Laut den Evangelisten ist Bitcoin das bessere Gold. Was die Tauschfunktion des Geldes betrifft, würde ich da sogar zustimmen. Immerhin kann man einen Bitcoin fast beliebig um die Welt schicken, relativ schnell und zu geringen Kosten.

Ansonsten ist Bitcoin ein schlechter Goldersatz. Aber nicht nur aufgrund des Offensichtlichen: der hohen Volatilität. Bitcoin hat noch weitere Nachteile, denen sich die allermeisten Bitcoin-Fans und auch viele Bitcoin-Evangelisten gar nicht bewusst sind. Zu diesem Schluss kommt zumindest Goldmoney-Gründer Roy Sebag. Er ist ein großer und sehr früher Fan der Bewegung hinter Bitcoin und hat sich mit dem Thema wohl mehr beschäftigt als die meisten anderen.

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Sebag ist zwar von der Ambition hinter Bitcoin begeistert, dem Fiat-Währungssystem ein Ende zu bereiten. Trotzdem hat er sehr gute Argumente dafür, dass Bitcoin weit davon entfernt ist, so gut zu sein, wie die meisten Leute, darunter auch Bitcoin-Kenner, glauben.

Hier sind drei der Gründe, die auch mich überzeugt haben.

1. Bitcoin hat eine eingebaute Zerfallsrate, die heute höher ist, als es die meisten vor Jahren erwartet hätten

Jeder weiß mittlerweile, dass Bitcoin Unmengen an Rechenleistung und damit Energie nur für den Betrieb des Netzwerks verbraucht. Nach Sebags Berechnungen kostet es aktuell alleine rund 7,5 Milliarden US-Dollar jährlich, um den Betrieb von Bitcoin aufrecht zu erhalten. Das entspricht 3,4 % der aktuellen Marktkapitalisierung von Bitcoin (beim Kurs von 12.400 US-Dollar).

Dazu kommt die Ausrüstung, um die Minen zu betreiben, die Mining Rigs. Konservativ gerechnet, laut Sebag, kostet ein Mining Rig 500-600 US-Dollar. Man braucht 4 Millionen davon, um die Rechenleistung aufzubringen, die Bitcoin aktuell benötigt. Im Durchschnitt wird eine solche Mining Rig 4-6 Jahre betrieben. Das führt zu weiteren jährlichen Kosten im Bereich von 2 bis 3 Milliarden US-Dollar.

Damit summieren sich die konservativ gerechneten Kosten auf gute 4-5 % der Marktkapitalisierung von Bitcoin - jedes Jahr, nur um den Betrieb des Systems aufrecht zu erhalten. Das ist sozusagen die „Gebühr“, die sich die Bitcoin-Miner von den Bitcoin-Besitzern bezahlen lassen müssen, damit sich ihre Arbeit überhaupt lohnt. Das ist eine ziemlich hohe Gebühr. Für Sebag ist das schlechter als jede Anleihe mit einem negativen Zinssatz.

Sollte der Bitcoin-Kurs weiter stark steigen, und zwar deutlich stärker als die für den Betrieb notwendige Rechenleistung, dann relativiert sich all das. Das Problem dabei: die Historie. Als Bitcoin noch am Anfang stand, glaubte laut Sebag niemand, dass der Preis von Bitcoin nur bei 13.000 US-Dollar stehen bleiben würde, wenn die für den Betrieb benötigte Rechenleistung auf den heutigen Wert gestiegen sein würde.

Sein Schluss aus dieser Tatsache: „Etwas stimmt nicht mit dem Design.“

2. Bitcoin ist gar nicht so dezentralisiert, was große Risiken birgt

Mein Bild vom Bitcoin-Netzwerk war bisher, dass es Tausende, vielleicht Abertausende voneinander unabhängige Rechner geben muss, auf denen das Netzwerk sozusagen läuft.

Die Wahrheit sieht anders aus. Sebag hat sich dies angeschaut und festgestellt, dass es gerade einmal rund ein Dutzend Miner gibt, die mehr als die Hälfte der Hash Rate (sozusagen die Rechenleistung für den Betrieb von Bitcoin) aufbringen. Diese Tatsache führt gleich zu mehreren Risiken, die die meisten Bitcoin-Käufer wahrscheinlich nicht auf dem Schirm haben.

Selbst wenn diese, sagen wir, zwölf Miner sich selbst als dezentral operierend ansehen, arbeiten sie auf einer gewissen Art und Weise zusammen und sind daher laut Sebag integraler Bestandteil des Prozesses. Und das kann zum Problem werden. Denn sollten diese Miner sich (zum Beispiel aus Kostengründen) dazu entscheiden, ihren Betrieb nicht weiter fortzuführen, dann verringert sich dadurch die Rechenleistung im Bitcoin-Netzwerk signifikant.

Das würde sich laut Sebag zwangsläufig als Drossel auf den Preis von Bitcoin oder Transaktionsgeschwindigkeiten auswirken, was dazu führen würde, dass „alles auseinanderfällt“. Das könnte sogar so weit führen, dass - wie im Falle von Etherum Classic Anfang Januar - die Bitcoin-Blockchain angegriffen und manipuliert wird.

3. Zehn- bis zwanzigtausend Leute besitzen 80 bis 90 % aller Bitcoins

Gold befindet sich im Besitz von Milliarden von Menschen. Die meisten von uns haben irgendwo etwas aus Gold, und sei es nur der Ehering, eine Kette oder eine andere Art von Schmuck, den wir einmal geschenkt bekommen haben. Dadurch befinden sich jede Menge Menschen auf der ganzen Welt im Besitz eines gewissen Bestandes an Gold.

Bei Bitcoin ist das nicht der Fall. Hier sind es nur wenige Leute, die den Großteil des Bestandes an Bitcoin besitzen. Es fällt mir sehr schwer, mir vorzustellen, wie Bitcoin von diesem Zustand aus zu einer richtigen Alternative für Gold werden kann - auf eine Art und Weise, dass jeder von uns davon profitieren kann.

Was all das für Anleger bedeutet

Bitcoin ist definitiv ein interessantes Instrument für Spekulanten. Viele Bitcoin-Evangelisten sehen die Kryptowährung darüber hinaus als ein sehr gutes Wertaufbewahrungsmittel und damit als teilweise bessere Alternative zu Gold. Die Empfehlung lautet: Bitcoin HODLn (Hold On to Dear Life) - die digitale Münze einfach zu horten, in der Erwartung, dass der Preis langfristig immer weiter steigen wird.

Diese Haltung halte ich für gefährlich. Als Spekulant ist Bitcoin zwar interessant. Und aus philosophischer Sicht wünsche ich mir den Erfolg von Bitcoin oder einer vergleichbaren „Währung“. Aber zum aktuellen Zeitpunkt erscheinen mir die langfristigen Risiken doch höher zu sein, als sie generell wahrgenommen werden.

Offenlegung: Bernd Schmid besitzt Aktien von Goldmoney. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Titelfoto: ImageFlow / Shutterstock.com

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Expertenprofil
Bernd Schmid Bernd Schmid

Herr Schmid ist der Leitende Investor von The Motley Fool Deutschland und verantwortlich für die Performance aller Newsletter von The Motley Fool in Deutschland. Er leitet selbst den Newsletter Stock Advisor Deutschland, mit dem Ziel langfristig orientierten Anlegern zu helfen, mit den besten Unernehmen am Aktienmarkt überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften und mehr über das Investieren zu lernen.

Im Jahr 2016 hat Herr Schmid das letzte der drei Chartered Financial Analyst (CFA) Examen bestanden und kann damit ab dem Jahr 2019 den in der Investment-Industrie hoch angesehenen CFA Charter zugesprochen bekommen.

Bevor er im Jahr 2014 beim Deutschlandstart Teil des Teams von The Motley Fool wurde, begann er damit, als selbständiger Berater mittelständische Unternehmen rund um das Thema Finanzen, mit dem Fokus auf die Bilanzanalyse und Bilanzplanung, zu beraten. Vorher war Herr Schmid anderthalb Jahre als Manager für den innovativen Zahlungsdienstleister SumUp und für zweieinhalb Jahre bei der Detecon als Technologie- und Strategieberater für Telekommunikationsunternehmen weltweit tätig.

Herr Schmid besitzt einen Master of Business Administration und einen Master of Science im Bereich Elektrotechnik von der Technischen Universität Hamburg-Harburg und ein Diplom (FH) von der Hochschule Ravensburg Weingarten. Während seiner akademischen Zeit forschte Herr Schmid in den Bereichen Robotik und Nanophotonik.

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