Branchen-ETFs: Risiken, die du kennen solltest
Ratgeber

Branchen-ETFs: Risiken, die du kennen solltest

onvistaStand:

Neulich habe ich mich mit einer Kollegin unterhalten. Ich fragte sie, ob sie investiert ist. Sie bejahte. Sie hatte zwei ETFs, die sie aber wieder verkauft hat, da sie im Minus waren. Es waren zwei Nischen-ETFs. Mittlerweile hat sie in den MSCI World investiert.

Als ich ihr sagte, sie habe sich vorher vollkommen von der Entwicklung einer Branche abhängig gemacht, schaute sie mich an und sagte: „Ja, das stimmt. Daran habe ich gar nicht gedacht.“

Meine Kollegin hat denselben Denkfehler gehabt, den viele Anfänger haben: Sie hat gehört, dass ETFs sicher seien und man mit ihnen nichts falsch machen kann.

Das stimmt auch, aber unter zwei Bedingungen: Man hat einen langfristigen Anlagehorizont (mindestens 20 Jahre, besser noch länger) und legt in einen ETF an, der breit aufgestellt ist.

Das heißt: Er umfasst Aktien aus mehreren Ländern, Branchen und Währungsräumen. Der Klassiker ist hier der MSCI World, gut ist aber auch der FTSE All-World. Denn: Sollte hier einmal eine Branche schwächeln, gleichen die anderen die Negativ-Performance wieder aus.

Wenn man dagegen in einen Branchen-ETF investiert, macht man die gesamte Entwicklung von einer Branche abhängig. Und das kann sehr gefährlich werden.

Klar, auch hier kann man Gewinne erzielen. Aber das heißt: den Markt genau beobachten und den richtigen Zeitpunkt zum Ein- und Ausstieg wählen. Das kann man machen, ist aber aktives Investieren. Und das widerspricht dem Grundgedanken eines ETFs: einfach Geld anlegen, Sparplan einrichten, zurücklehnen und nach 20 Jahren auf die Rendite schauen.

Unser Tipp: Damit ihr nicht den richtigen Zeitpunkt verpasst, um euren Wunsch-ETF zu einem guten Kurs zu kaufen, nutzt unser kostenloses Musterdepot mit Kursalarm-Funktion.

ETFs: Risiko bei Branchen-Investments

Der Lyxor EURO STOXX Banks ETF bildet den Euro STOXX Banks Index nach, der 23 Banken aus der Eurozone umfasst. Das ist sogar ein doppeltes Klumpenrisiko: Erstens nur Bankaktien, zweitens alle aus der Eurozone.

Dieser ETF thesauriert, d. h. die Dividenden werden wieder angelegt. Er wurde im Dezember 2013 aufgelegt, also nach der Bankenkrise von 2008/2009, als die Bankaktien ihre Allzeithochs erreichten. Aber es hilft nicht: Die Performance ist schlecht.

Seit seiner Auflage im Dezember 2013 liegt er zwar im Plus bei 18,5 Prozent, aber auf das Jahr hinuntergerechnet liegt die Quote bei 1,85 Prozent. Da hätte man mit einem MSCI World besser abgeschnitten.

Noch schlimmer sieht die Performance des  iShares EURO STOXX Banks aus, der im April 2001 angelegt wurde. Er ist ein Ausschütter. Dieser ETF wurde von der Bankenkrise hart gebeutelt und hat sich von diesem Schlag nicht mehr erholt.

Seit seiner Auflage hat dieser ETF eine Performance von minus 66 Prozent. Rechnet man die Ausschüttungen mit ein, kommt er immer noch auf ein Minus von 28,8 Prozent.

Klar, es kommt immer drauf an, wann man investiert. Auf eine Sicht von 5 Jahren sieht die Performance gar nicht mal so schlecht aus: Knapp 30 Prozent inklusive der Ausschüttungen. Ohne die Ausschüttungen kommt er immerhin noch auf eine Rendite von 5,6 Prozent.

Wasserstoff-ETF: Auch hier lieber Finger weg

Nehmen wir als weiteres Beispiel einen Wasserstoff-ETF. Wasserstoff ist derzeit ein großer Trend – manche sprechen sogar von einem Hype oder von einer Blase. Konzerne stecken viel Geld rein und Staaten subventionieren stark. Man liest und hört viel darüber. Aber: Das Problem der Nischen-ETFs, wie oben beschrieben, gilt auch hier.

Es gibt aber noch ein weiteres Problem: Insgesamt gibt es 6 Wasserstoff-ETFs, aber der älteste ist gerade einmal 2,5 Jahre alt. Er wurde im Februar 2021 aufgelegt. Diese ETFs erzählen einfach keine Kursgeschichte. Das kann gutgehen, ist aber mit einem hohen Risiko verbunden.

Von den 6 hat nur einer ein Fondsvolumen von über 100 Mio. USD. Als defensiv-konservative Anleger empfehlen wir bei größeren Indizes ein Mindestvolumen von 500 Mio. EUR oder USD und bei kleineren eines von 100 Mio. Der Grund: Je höher das Volumen ist, desto lukrativer ist er für die Indexanbieter. Das heißt: Sie lösen den ETF nicht auf.

3 dieser Wasserstoff-ETFs haben ein Volumen von weniger als 10 Mio. USD. Davon raten wir ab: Denn es passiert (leider) immer wieder, dass ETFs mit einem geringen Volumen geschlossen werden. Dann werden die Anteile zwangsweise verkauft und an die Anleger ausgezahlt. Ist dieser Kurs unter dem Kaufwert, erzielt man Verluste.

Fazit: Ein Wasserstoff-ETF ist – genau wie die meisten Branchen-ETFs – für einen langfristigen Vermögensaufbau leider nicht geeignet. Wer hier investiert, muss sich mit der Thematik genau auskennen, die Branche immer im Auge behalten, die Berichte der im ETF enthaltenen Firmen lesen und im Zweifelsfall Anteile verkaufen, um Gewinne mitzunehmen oder Verluste zu begrenzen.

Nischen-ETF: Nicht zum langfristigen Vermögensaufbau

Wenn eine Branche gerade trendet, dann spricht nichts dagegen, einen Nischen-ETF ins Depot zu holen. Es gibt Anleger, die ein wenig Nervenkitzel brauchen oder von einer Branche überzeugt sind. Man muss sich aber immer des Risikos bewusst sein.

Aber das ist das Gegenteil des passiven Investierens. Unser Ziel: Geld anlegen, Sparplan einrichten, entspannt zurücklehnen, mit dem Markt gehen und nicht immer auf den Kapitalmarkt schauen. Aber genau das ist mit solchen Nischen-ETFs nicht möglich. Und wenn man ganz viel Pech hat, liegt man im Minus oder die Inflation frisst das Miniplus auf.

Wer langfristig investieren will, kommt an diesen ETFs nicht vorbei

Wer langfristig Geld anlegen möchte, sollte in einen breit aufgestellten Aktien-ETF investieren. Hier bietet sich ein ETF an, der den MSCI World oder den FTSE All-World nachbaut.

Der MSCI World ist der Klassiker: Er spiegelt den Wert von Aktien über 1500 Unternehmen aus 23 Ländern wider. Der FTSE All-World ist noch breiter aufgestellt: Hier finden sich Aktien über 4100 Unternehmen aus 49 Ländern. Die Gewichtung erfolgt bei beiden nach der Marktkapitalisierung.

Von der Performance unterscheiden sich beide nur geringfügig, da auch der FTSE All-World die Aktien aus Industrieländern am stärksten gewichtet.

Lege diese beiden ETFs doch gleich in unsere Watchlist und beobachte deren Kursentwicklung.