Bitcoin im Klammergriff des US-Dollars – Welcher Indikator wichtig ist und wie es weitergehen könnte

onvista · Uhr
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Die Finanzmärkte bleiben im Klammergriff der Geldpolitik der Notenbanken. Die Federal Reserve als Gestalter der Dollar-Politik ist dabei der wichtigste Spieler in dieser Gleichung, denn ihre Entscheidungen haben nicht nur Einfluss auf die nationale Entwicklung. Der Dollar ist immer noch die indirekte Weltleitwährung, da die Öl-Preise und viele andere Rohstoff-Preise weltweit größtenteils in Dollar gehandelt werden und die meisten globalen Schulden in Dollar denominiert sind.

Die Rally des US-Dollars, die sich seit der Trendumkehr der Fed ausspielt, setzt daher die internationalen Finanzmärkte stetig unter Druck. Währungen anderer Länder, vor allem der westlich geprägten Industriestaaten, die eng mit dem Dollar-System gekoppelt sind, werten immer weiter gegen den Dollar ab.

Dollar is King

Durch den Stopp der künstlichen Liquidität und den Abbau ihrer Bilanzen, sowie die Erhöhung der Zinsen, um die Nachfrage nach Krediten zu drücken, reduziert die Fed das Angebot des US-Dollars. Gleichzeitig steigt jedoch die Nachfrage nach dem Greenback. Aufgrund seiner Stellung als Hauptzahlungsmittel für Öl und der wirtschaftlichen wie militärischen Macht der USA hat der US-Dollar den Status eines sicheren Hafens. In unsicheren Zeiten strömen Anleger an den internationalen Märkten verstärkt in Dollar, um ihr Kapital zu sichern.

Hinzu kommt das aggressive Tempo der Fed bei den Zinserhöhungen. Zentralbanken anderer Länder hinken mit ihren Zinserhöhungen hinterher. Das erzeugt ein weiteres Ungleichgewicht an den Märkten, denn Anleger bekommen für Dollars, bzw. in Dollar denominierte Anleihen mehr Zinsen als in anderen Währungsregionen. Ein weiterer Anreiz, der die Nachfrage nach Dollar und die Rally des Dollars anheizt.

All diese Faktoren lassen den DXY – den US-Dollar-Kursindex – steigen. Dieser Index symbolisiert das Verhältnis zwischen dem US-Dollar und den Währungen sechs großer Industrieländer, die ein enges Handelsverhältnis mit den USA haben. Der DXY ist der geometrisch gewichtete Durchschnitt des Wertes des US-Dollars gegenüber dem Währungskorb aus Euro, japanischem Yen, britischem Pfund, kanadischem Dollar, schwedischer Krone und dem Schweizer Franken.

Quelle: Alexander Mayer

Nach dem Schock des Corona-Crashs und den heftigen Interventionen der Federal Reserve ist der DXY zunächst deutlich in den Keller gerutscht – der Dollar ist gegenüber den anderen Währungen abgewertet, da die Zentralbank die Märkte mit Dollars geflutet hat. Nach der ersten Panik haben die Anleger realisiert, dass die Welt sich trotz der Pandemie weiterdreht, und haben das viele Geld genutzt, um es in Vermögenswerte wie Aktien aber auch Dinge wie Kryptowährungen zu stecken.

Der Wind hat sich jedoch um die Jahreswende 2021/22 gedreht, denn die Fed hat zu diesem Zeitpunkt langsam realisiert, dass die Aktionen in der Pandemie etwas zu viel des guten waren und sie die Inflationsbüxe der Pandora dringend wieder schließen müssen, um keinen fundamentalen Schaden an der Preisstabilität anzurichten.

Seit diesem Turningpoint, also der geldpolitischen Straffung der Fed, hat der DXY zu einer Rally angesetzt, die ihn mittlerweile über alte 20-Jahreshochs getrieben hat. Der Anstieg über die wichtige charttechnische Hürde bei 110 Punkten markiert dabei einen nachhaltigen Ausbruch über diese Marken und es sieht nun danach aus, dass die Reise mindestens bis zur Marke von 120 Punkten weitergehen könnte. Das wäre ein Niveau wie zu Zeiten der Dotcom-Blase in den 2000ern.

Was die geldpolitische Straffung an den Märkten angerichtet hat, haben wir gesehen: wir befinden uns mitten in einem hässlichen Bärenmarkt, der die Preise von Aktien – ja im Grunde sämtlichen Vermögenswerten und Devisen außer dem Dollar – in den Keller getrieben hat. Und am Markt schreit es derzeit nach einer weiteren Korrektur, denn die konjunkturelle Schwäche schlägt sich jetzt erst so richtig in den Zahlen durch. Hinzu kommt, dass die Inflation weiterhin hoch ist und die Fed klar gemacht hat, dass sie ihren Zinserhöhungszyklus noch mindestens bis in das Jahr 2023 fortsetzen wird. Das lässt also Spielraum für eine anhaltende Rally des DXY – mit den entsprechenden Konsequenzen für die Finanzmärkte.

Bitcoin im Klammergriff des Dollars

Für Bitcoin-Anleger heißt das: Derzeit sitzen wir wohl oder übel im selben Boot wie alle anderen Finanzmarktteilnehmer. Die Entwicklung des Dollars, bzw. die Entwicklung der Geldpolitik der Notenbanken – vor allem der US-Notenbank Federal Reserve – gibt weiterhin für alle Vermögenswerte die Richtung vor.

Quelle: Alexander Mayer

Wie stark der Einfluss des DXY ist, sieht man, wenn man den DXY-Chart im prozentualen Vergleich direkt über den Bitcoin-Chart legt. Die inverse Korrelation ist beeindruckend genau. Das heißt, dass der DXY ein wichtiger Indikator für die Kursentwicklung von Bitcoin bleibt und man als Anleger ein Auge auf diese inverse Korrelation haben sollte.

Wie ist der Ausblick?

Wie bereits angesprochen hat die Fed einen ungefähren Fahrplan gezeichnet und will mit ihrer geldpolitischen Straffung bis in das nächste Jahr hinein weitermachen. Von dieser Seite wird also keine Entspannung kommen, die für ein Ende der DXY-Rally sorgen könnte.

Klar ist: eine anhaltende Rally des Dollas wird die globale Wirtschaft und die Finanzmärkte weiter erheblich unter Druck setzen. Ein steigender Dollar bei gleichzeitig steigenden Zinsen setzt Schuldner unter Druck, die Kredite in Dollar laufen haben. Vor allem für Wirtschaftsteilnehmer aus Schwellenländern dürfte die Situation dann immer prekärer werden, da ihre eigenen Währungen ohnehin nicht die stabilsten sind. Doch auch für die westlichen Industrieländer wird es irgendwann ungemütlich, wenn ihre Währungen zu stark gegenüber dem Dollar abwerten.

An einem gewissen Punkt wären die globalen Finanzmärkte wirklich in Gefahr – und das weiß auch die Fed, deswegen wird sie ihren geldpolitischen Straffungsplan auch nicht auf Teufel komm raus durchziehen können, sollte die Lage zu ungemütlich werden. Vor allem, da die USA mit am meisten zu verlieren haben. Die Stellung des US-Dollars gibt den USA unfassbare wirtschaftliche und geopolitische Macht. Sie besitzen die Weltleitwährung, die sie im Grunde immer weiter drucken können. Der unglaublich defizitäre Staatshaushalt der USA funktioniert nur aufgrund dieser Tatsache. Sollte die Lage an den internationalen Finanzmärkten zu prekär werden und andere Länder sich vom Dollar abwenden, dann könnte es tatsächlich ziemlich ungemütlich für die USA werden.

Und ein Ende der geldpolitischen Straffung der Fed ist vielleicht sogar näher als man denkt. Im äußersten Fall könnte sogar der Fahrplan bis 2023 zu weit gegriffen sein. Denn: wenn die Währungen der anderen Länder zu sehr abwerten, dann müssen die Zentralbanken dieser Länder reagieren, um die eigene Währung zu stützen. Das heißt, sie würden US-Anleihen für Dollars verkaufen und würden diese Dollars dann gegen ihre eigenen Währungen tauschen, um den Kurs zu stützen. Das würde noch mehr Druck auf den US-Anleihe-Markt erzeugen – die Kurse würden fallen und die Zinsen noch mehr durch die Decke gehen. Das wäre kein tragbarer Zustand für die US-Wirtschaft. Die Fed müsste intervenieren und selbst wieder Anleihen kaufen, um die Zinsen zu drücken. Das Gelddrucken würde also wieder losgehen.

Das bedeutet – etwas fatalistisch ausgedrückt – dass die Fed alleine deshalb schon recht bald mit der geldpolitischen Straffung aufhören muss, um das Dollar-System nicht in den selbstverschuldeten Untergang zu treiben.

Der einzige Hoffnungsschimmer derzeit wäre, dass die Inflation schneller abflacht als erwartet und die wirtschaftliche Situation sich als nicht so schlimm entfaltet, wie von vielen angenommen. Hier wird die nun anstehende Quartalsberichtssaison weiteren Aufschluss liefern. Das würde der Fed zwar Argumente liefern, dass die Wirtschaft noch mehr aushält und entsprechend den Pfad der geldpolitischen Straffung noch ein wenig länger aushalten kann, jedoch würde es wieder für mehr Optimismus an den Finanzmärkten sorgen und die Anleger zurück in Risk-On-Assets wie Aktien treiben. Das könnte der Rally des Dollars etwas Wind aus den Segeln nehmen.

Die Inflation dürfte sich jedoch weiterhin in zu hohen Regionen aufhalten, als dass die Fed sofort von ihrem Kurs ablassen würde. Und auch mit Blick auf die derzeitige Lage der Wirtschaft und der geopolitischen Lage ist leider noch nicht mit einer baldigen Entspannung zu rechnen. Im Gegenteil, es wird sich wahrscheinlich erst mit extremer Verzögerung das wahre Ausmaß der Schäden bemessen lassen, die die lockere Geldpolitik während der Pandemie langfristig angerichtet hat.

Mit einem abschließenden Blick auf Bitcoin bedeutet das, dass die weitere makroökonomische Entwicklung weiterhin den Pfad für den Kurs vorgeben wird. Für Argumente, dass Bitcoin als dezentrale und autonome Geldsystem-Alternative eine baldige Entkoppelung gelingen könnte, ist es noch viel zu früh. Das Bitcoin-Netzwerk ist schlicht noch viel zu klein – und gleichzeitig bereits viel zu sehr involviert in die Strukturen der Wall Street, als dass der Kurs bis auf weiteres nicht der Entwicklung des Dollars und der Geldpolitik ausgeliefert wäre.

Hier bietet sich weiterhin nur der ganz langfristige Investmenthorizont an, damit dieses Argument irgendwann zum Tragen kommt. Nichtsdestotrotz sorgt die Grabesstimmung an den Märkten derzeit weiterhin für die richtigen Einstiegskurse, um langfristig von dieser Chance und dem Potenzial von Bitcoin zu profitieren. Es ist alles eine Frage der Perspektive.

Denken Sie langfristig

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