Bahn-Projekt Stuttgart 21 verschiebt sich bis Ende 2026

Berlin (Reuters) - Der umfangreiche Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs verschiebt sich um ein weiteres Jahr bis Ende 2026.
Alle wesentlichen Teile des umstrittenen Bahngroßprojekts Stuttgart 21 sollen bis Dezember 2026 in Betrieb gehen, wie die Deutsche Bahn am Dienstag mitteilte. Der "Spiegel" und die Nachrichtenagentur Reuters hatten bereits am Montag darüber berichtet. Der Staatskonzern sorgte nun bei einem Treffen mit Vertretern von Stadt, Land und Region für Klarheit. Die Bahn (DB) hatte noch im März erklärt, der Bahnhof solle im Dezember 2025 den Betrieb aufnehmen. Der Bahnhof sollte ursprünglich 2019 eröffnet werden und das Mammutprojekt sollte nur drei Milliarden Euro plus Risikopuffer von 1,45 Milliarden Euro kosten. Inzwischen taxiert die Bahn - wegen Verzögerungen und deutlich höherer Baukosten - die Summe auf rund 11,5 Milliarden Euro.
"Stuttgart 21 ist die komplexeste Inbetriebnahme eines neuen Eisenbahnknotens der vergangenen Jahrzehnte in Europa", sagte DB-Infrastrukturvorstand Berthold Huber. Stuttgart 21 sieht im Kern eine Verlegung des Stuttgarter Kopfbahnhofs unter die Erde und eine Anbindung an Hochgeschwindigkeits-Strecken durch Tunnel vor. Auch der Stuttgarter Flughafen bekommt so eine Verbindung. Am Standort der bisherigen Station sollen die Flächen im Stuttgarter Talkessel unter anderem für Wohnungen genutzt werden. Das Vorhaben war schon in der Planungsphase heftig umstritten. Die Kosten lägen in keinem Verhältnis zum Nutzen für den Verkehr, monierten Kritiker. Nach Baubeginn stießen Demonstranten und Polizei wiederholt zusammen, es gab viele Verletzte.
Geplant ist nun ein stufenweiser Testbetrieb der einzelnen Teile des Großprojektes Stuttgart 21. Die zwischenzeitlich für Ende 2025 geplante Teilinbetriebnahme des künftigen Hauptbahnhofs sei vom Tisch, sagte Huber.
Die gestiegenen Kosten sorgen für Zündstoff bei den Projektpartnern. Denn die milliardenschweren Mehrkosten muss einem Gerichtsurteil zufolge die Bahn tragen. Das Stuttgarter Verwaltungsgericht wies Anfang Mai Klagen der Bahn ab, wonach etwa das Land Baden-Württemberg oder die Stadt Stuttgart als Projektpartner Kosten übernehmen müssten. Es geht um die insgesamt rund sieben Milliarden Euro, die sich das Vorhaben gegenüber der Vereinbarung vor 15 Jahren inzwischen verteuert hat. Die Bahn argumentierte jüngst, sie gehe weiter davon aus, dass es eine gemeinsame Finanzierungsverpflichtung gebe.
(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Ralf Banser; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)