Serbien soll Lithium-Hub für Europa werden

Reuters · Uhr

- von Andreas Rinke

Belgrad (Reuters) - Serbien soll zu einem Hub für die europäische Lithium- und Batterieversorgung werden.

Bundeskanzler Olaf Scholz, EU-Kommissionsvizepräsident Maros Sefcovic und der serbische Präsident Aleksandar Vucic unterzeichneten dazu am Freitag ein Rohstoffabkommen zwischen dem EU-Beitrittskandidaten Serbien und der EU, das über Lithium hinausgehen soll. Zudem will Serbien mit Unternehmen wie Mercedes und Stellantis ein Abkommen zum Aufbau einer Wertschöpfungskette vereinbaren. "Wir schaffen ein faires Wettbewerbsumfeld für eine tiefere Integration der Märkte", sagte Sefcovic. "Und wir hoffen und glauben, dass dies neue Möglichkeiten eröffnet und das Potenzial für weiteres europäisches Investment freimacht."

Serbien verfügt über Lithium-Vorräte, für die sich der australische Konzern Rio Tinto eine Abbaulizenz gesichert hat. Das Lithium soll laut Präsident Vucic 17 Prozent des europäischen Bedarfs abdecken. Es handelt sich um die größte Lithium-Mine Europas. Sie könnte Rio Tinto zu einem der führenden Lithium-Produzenten machen.

Doch die Ambitionen des Balkan-Landes gehen über die Rohstoff-Förderung hinaus. Vucic machte klar, dass 50.000 der 58.000 Tonnen Lithium, die künftig gefördert werden sollen, in Serbien selbst verarbeitet würden. Insgesamt könne die Branche auf etwa vier Prozent der Wirtschaftsleistung kommen, sagte er. Das Land verspricht sich Direktinvestitionen von sechs Milliarden Euro. Bislang kommt der größte Teil des Lithiums für Batterien, die etwa in Elektroautos eingesetzt werden, aus China. Zwar wird der Rohstoff weltweit gefördert, die Weiterverarbeitung findet aber zum größten Teil in der Volksrepublik statt. Sefcovic sagte, dass Serbien das erste Land in Europa werden könne, das über die gesamte Wertschöpfungskette von der Lithiumförderung bis zur E-Autoproduktion verfügen könnte.

UMWELTBEDENKEN

Derzeit ist etwa die Autobranche abhängig von Batterien aus China und sucht nun nach Alternativen. Mercedes-Chef Ola Källenius betonte im Reuters-TV-Interview, dass sein Unternehmen den Aufbau einer Batteriefabrik unterstütze. "Wir sind ja dabei, unsere Rohmaterial-Supplychains bis zur Mine auch auf regionaler Basis aufzustellen", sagte er. Sein Unternehmen sei ein potenzieller Kunde für das serbische Lithium.

Allerdings stößt das Lithium-Projekt im Westen Serbiens bei Umweltschützern auf scharfe Kritik. Im Vorfeld hatten Aktivisten damit gedroht, Straßen und Schienen zu blockieren, sollte das Projekt vorangetrieben werden. Scholz, Sefcovic und Vucic spielten das Risiko herunter, dass der Lithiumabbau zu große Umweltschäden verursachen könne. Scholz betonte, dass ihm der Rio-Tinto-Chef persönlich versprochen habe, dass höchste Standards eingehalten würden. Im übrigen hätten sich die Zeiten geändert. Unternehmen seien selbst daran interessiert, die gesamte Lieferkette zu kontrollieren, weil negative Berichte ihren Ruf erheblich beeinträchtigen könnten.

Vucic sagte zu, die Bedenken sehr ernst zu nehmen. Scholz fügte hinzu: "Der liebe Gott hat es möglich gemacht, dass einer der begehrtesten Rohstoffe der Welt in größter Qualität in diesem Land ist und vielleicht kann es auch als Glück für das Land genutzt werden."

(Mitarbeit von Aleksandar Vasovic, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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