Bundesregierung - Konsum könnte Konjunktur in 2. Jahreshälfte anschieben
Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung glaubt trotz eingetrübter Konjunkturindikatoren an einen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland.
"Die grundsätzlichen Ausgangsbedingungen für eine binnenwirtschaftlich getragene Belebung in der zweiten Jahreshälfte sind nach wie vor gegeben", heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums. Die privaten Haushalte hätten angesichts gesunkener Inflationsraten bei gleichzeitigen Tariflohnsteigerungen auch real wieder mehr Geld zur Verfügung. Auch blickten sie nicht mehr so pessimistisch in die Zukunft. "Vom privaten Konsum könnten somit in der zweiten Jahreshälfte konjunkturelle Impulse kommen", hieß es.
Auch die eingeleitete Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte sich dem Ministerium zufolge zunehmend bemerkbar machen. Jüngste EZB-Umfragen deuteten auf eine Trendwende in der Kreditnachfrage in Deutschland hin. "Diese nahm zuletzt in allen Segmenten (Unternehmens-, Wohnungsbau- und Konsumentenkredite) spürbar zu", so das Haus von Ressortchef Robert Habeck. Bei den Unternehmen sei dabei der wachsende Kreditbedarf insbesondere auf gestiegene Investitionsabsichten zurückzuführen. Das signalisiere eine Belebung der Investitionen.
Zuletzt hatte sich die Stimmung von Unternehmen und Börsianern deutlich eingetrübt. Damit seien die Risiken für die allgemein erwartete konjunkturelle Erholung gestiegen, räumte das Ministerium ein. Hinzu kämen neue Gefahren aus geopolitischen Entwicklungen, ungünstigere internationalen Konjunkturdaten und den stark schwankenden Finanzmärkten. "Eine breitere konjunkturelle Belebung scheint damit vorerst nicht in Sicht zu sein", so das Fazit des Monatsberichts.
Die deutsche Wirtschaft steckt aktuell mit einem Bein in der Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im zweiten Quartal um 0,1 Prozent, nachdem es in den ersten drei Monaten des Jahres noch zu einem Wachstum von 0,2 Prozent gereicht hatte. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge wird von einer technischen Rezession gesprochen.
(Bericht von Rene Wagner; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)