Harris' Vize Walz nimmt Nominierung an - "Ehre meines Lebens"

Chicago (Reuters) - Auf dem Parteitag der US-Demokraten hat am Mittwoch der Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, Tim Walz, die Delegierten auf den Kampf ums Weiße Haus eingeschworen.
Der Gouverneur von Minnesota versprach, dass er und Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris alles tun werden, um bei der Wahl im November Donald Trump zu besiegen. Auch am dritten Tag der "Democratic National Convention" in Chicago warben erneut prominente Redner für Harris und Walz. Besonders im Rampenlicht standen dabei Ex-Präsident Bill Clinton und Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey. Harris selbst wird am Donnerstag zum Abschluss des Parteitags ihre mit Spannung erwartete Rede halten.
Walz fokussierte sich in seiner Ansprache auf soziale Themen und betonte zudem die Bedeutung der Freiheit. Gesundheitsvorsorge und angemessener Wohnraum seien Menschenrechte, kein Kind dürfe hungern, erklärte Walz. Mit Blick auf die restriktiveren Positionen der Republikaner zu den Themen Abtreibung und gleichgeschlechtlicher Ehe rief er den Delegierten zu, die Regierung müsse "sich zum Teufel noch mal aus euren Schlafzimmer heraushalten".
WALZ: "EHRE MEINES LEBENS"
Der 60-Jährige, der noch bis vor zwei Wochen über seinen Bundesstaat hinaus wenig bekannt war, gibt dem Wahlkampf der Demokraten mit seiner direkten und bodenständigen Art einen neuen Touch. Die Demokraten hoffen, mit ihm Wähler in den umkämpften Staaten des Mittleren Westens gewinnen zu können. Vor den Parteianhängern in Chicago räumte Walz ein, dass er noch nie eine so große Rede gehalten habe. Als ehemaliger Highschool-Football-Trainer kenne er sich aber damit aus, Teams zu motivieren. Die Menge bejubelte ihn daraufhin als "Trainer". Als Walz seine Nominierung zum Vizepräsidentschaftskandidaten offiziell annahm, sprach er von der "Ehre seines Lebens".
Der bis Donnerstag dauernde Parteitag steht ganz im Zeichen der Geschlossenheit gegen Trump. Neben prominenten Demokraten sprechen auch ehemalige Republikaner, die sich von Trump abgewandt haben. Talkshow-Star Winfrey bezeichnete sich selbst als unabhängige Wählerin und forderte alle anderen, die sich nicht dauerhaft einer Partei anschließen oder vor der Abstimmung am 5. November noch unentschlossen sind, zum Votum für die Demokraten auf. "Anstand und Respekt stehen im Jahr 2024 auf dem Wahlzettel", betonte Winfrey.
PELOSI: "WIR HABEN DIE DEMOKRATIE GERETTET"
Auch Ex-Präsident Clinton legte den Schwerpunkt auf Aufrichtigkeit: "Wenn Sie ihn (Trump) das nächste Mal hören, zählen Sie nicht die Lügen. Zählen Sie die Ichs ("Don't count the lies, count the I's")", sagte Clinton vor der begeisterten Menge in Anspielung auf die vielen bislang unbewiesenen Behauptungen des Republikaners. Trump denke nur an sich selbst, während Harris für das Land eintrete.
Die Demokraten erinnerten am Mittwoch auch an den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021. In einem Video wurde gezeigt, wie Trump seine Anhänger aufrief, stark zu sein und zu kämpfen, bevor sie das Kapitol stürmten, um Joe Bidens Sieg gegen Trump im Jahr 2020 zu verhindern. Die Delegierten verharrten in bedrücktem Schweigen, was im scharfen Kontrast zu ihrem Jubel und Applaus während des gesamten Parteitags stand.
Die Demokratin Nancy Pelosi, die am Tag des Sturms auf das Kapitol Vorsitzende des Repräsentantenhauses war, sagte mit Blick auf Trump: "Lasst uns nicht vergessen, wer die Demokratie am 6. Januar angegriffen hat: Er war es. Aber lassen Sie uns nicht vergessen, wer die Demokratie an diesem Tag gerettet hat: Wir waren es."
(Bericht von Andrea Shalal und Stephanie Kelly, geschrieben von Katharina Loesche und Elke Ahlswede, redigiert von Patricia Weiß. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)