Bundeswehr unterstützt Drohnen-Ermittlungen

Danzig/Berlin/Düsseldorf (Reuters) - In die Ermittlungen zu verdächtigen Drohnenflügen über Industrieanlagen in Schleswig-Holstein schaltet sich die Bundeswehr ein.
Ein Sprecher des Territorialen Führungskommandos sagte am Freitag, die Bundeswehr stelle auf ein Amtshilfeersuchen der Polizei hin Radardaten zur Verfügung. Der Chemiekonzern Covestro und der Schweizer Baukonzern Holcim wollen ebenfalls zur Aufklärung beitragen. Covestro erklärte, Drohnenflüge registriert zu haben. Die Unternehmen gehören zu einer Reihe von Chemie-, Energie- und Logistikfirmen, die in dem Gewerbegebiet ChemCoast Park in Brunsbüttel angesiedelt sind.
Die Staatsanwaltschaft Flensburg hatte am Donnerstag bestätigt, wegen Drohnenflügen über Industrieanlagen in Schleswig-Holstein Ermittlungen aufgenommen zu haben. Es gehe um den Verdacht der Agententätigkeit zu Sabotagezwecken. Hintergrund seien wiederholte Drohnenflüge über kritische Infrastruktur in Schleswig-Holstein. Details wollten die Ermittler auch am Freitag nicht nennen.
SORGE VOR SABOTAGEAKTEN
Der "Bild"-Zeitung hatte berichtet, dass in den vergangenen Tagen über einem Industriegebiet in Brunsbüttel mehrfach Drohnen gesichtet wurden, die mit hoher Geschwindigkeit über die Anlagen flogen. In diesem Monat sei mehrfach gegen die Flugverbotszone beim stillgelegten Atomkraftwerk Brunsbüttel verstoßen worden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen internen Report des Landeskriminalamtes. Die Ermittler vermuteten, dass es sich bei einer der Drohnen um eine russische "Orlan-10s" handelt. Diese habe eine Reichweite von 500 bis 600 Kilometern und eine Spitzengeschwindigkeit von über 100 Kilometern pro Stunde.
Der schwedische Energiekonzern Vattenfall erklärte am Freitag, er habe keine Drohnenflüge über seinem stillgelegten AKW Brunsbüttel gesichtet. Das Unternehmen stehe permanent in Kontakt mit der Aufsichtsbehörde, sagte eine Sprecherin. Vattenfall habe seine Sicherheitsvorkehrungen nicht verschärft. "Unsere Anlage ist ohnehin sehr gut gesichert. Da brauchen wir im Moment keine Verstärkung." Auch Holcim erklärte auf Anfrage, keine weiteren Maßnahmen ergriffen zu haben. "Wir beobachten die Situation aufmerksam, schrieb der Energiekonzern Wintershall Dea auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters. "Drohnenflüge über unserem Förderbetrieb in Schleswig-Holstein sind uns nicht bekannt."
Deutschland ist der größte Rüstungslieferant der Ukraine, die seit Februar 2022 gegen eine Invasion Russlands kämpft. Die Bundesregierung ist besorgt wegen der Gefahr möglicher Sabotageakte. Mitte des Monats war eine Bundeswehrkaserne in Köln abgeriegelt worden wegen des Verdachts, dass das Trinkwasser kontaminiert sein könnte. Der Verdacht bestätigte sich nicht.
(Bericht von Sabine Siebold, Friederike Heine, Paolo Laudani, Miranda Murry, Tom Käckenhoff, redigiert von Hans Busemann. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)