Bundeswehr nimmt erstes IRIS-T-Flugabwehrsystem in Betrieb

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Berlin (Reuters) - Im Beisein von Bundeskanzler Olaf Scholz hat die Bundeswehr am Mittwoch ihr erstes IRIS-T-Flugabwehrsystem in Betrieb genommen.

Damit nehme "ein neues Kapitel der europäischen Luftverteidigung Gestalt an", sagte der Kanzler am Bundeswehrstandort Todendorf in Schleswig-Holstein. Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und die aktuelle Bedrohungslage betonte Scholz: "Hier geht es – ohne jede Übertreibung – um die Wahrung von Sicherheit und Frieden in Europa." Europa müsse auf Russlands aggressive Politik reagieren.

Erforderlich dazu sei eine starke Luftverteidigung, die mit der European Sky Shield Initiative aufgebaut werde, an der mittlerweile insgesamt 22 Länder beteiligt seien, sagte Scholz. "Wie lebenswichtig eine starke Flug- und Raketenabwehr sein kann, lässt sich auf dramatische Weise an der Front und in den Städten der Ukraine beobachten." In der Ukraine sei IRIS-T bereits zu einem Schutzwall gegen russische Raketen geworden. Jetzt sei ein System auch in Deutschland im Einsatz, bis 2027 würden weitere fünf folgen. "Das ist ein bedeutender Schritt für die Sicherheit unseres Landes, nachdem die Luftverteidigung lange vernachlässigt wurde", sagte der Kanzler.

Zugleich sei dies aber auch ein bedeutender Schritt für die europäische Sicherheit und eine Stärkung der europäischen Säule der Nato. Neben der Flugabwehr seien aber auch Präzisionswaffen mit größerer Reichweite erforderlich, "damit wir auf diesem strategisch wichtigen Feld keine gefährliche Lücke gegenüber Russland haben". Scholz kritisierte in diesem Zusammenhang Gegner der geplanten Stationierung von US-Raketen in Deutschland scharf - wie etwa das neue Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und die AfD, ohne dass der Kanzler beide beim Namen nannte.

"RISIKO FÜR DEN ANGREIFER"

"Es geht uns darum, den Frieden hier bei uns zu sichern und Krieg zu verhindern – und um nichts anderes", sagte Scholz. "Allen, die Zweifel haben an dieser Entscheidung, möchte ich sagen: Es geht uns dabei einzig und allein darum, mögliche Angreifer abzuschrecken", betonte der Kanzler. "Jeder Angriff auf uns muss ein Risiko für den Angreifer bedeuten." Russland rüste seit vielen Jahren massiv auf, gerade auch mit Raketen und Marschflugkörpern. Präsident Wladimir Putin habe zudem Abrüstungsverträge wie den INF-Vertrag gebrochen und Raketen nach Kaliningrad verlegt, was Luftlinie nur 530 Kilometer von Berlin entfernt liege. "Darauf nicht angemessen zu reagieren, wäre fahrlässig", sagte Scholz und fügte hinzu: "Ja, durch Nichthandeln geriete der Frieden auch bei uns in Gefahr. Das lasse ich nicht zu."

Angesichts der Sicherheitslage haben sich die USA und die Bundesregierung darauf verständigt, ab 2026 wieder US-Raketen auf deutschem Boden zu stationieren, bis Europa über eigene solcher Systeme verfügt. BSW und AfD lehnen einen solchen Schritt kategorisch ab, weil sie darin nach eigenen Angaben einen reinen Rüstungswettlauf sehen, der die Sicherheit Deutschlands gefährde.

(Bericht von Alexander Ratz; Redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich an berlin.newsroom@tr.com)

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