DHL-Chef räumt Konzern-Struktur auf - und will Umsatzwachstum

- von Matthias Inverardi
Düsseldorf (Reuters) - DHL-Chef Tobias Meyer ordnet die komplexe rechtliche Struktur des Bonner Logistik-Riesen neu.
Dazu soll eine eigenständige Gesellschaft für das Post- und Paketgeschäft in Deutschland geschaffen werden, kündigte der Bonner Konzern am Montag an. Während die Managementstruktur mit fünf Sparten einfach und klar sei, sei die zugrundeliegende rechtliche Struktur des Konzerns viel komplexer und teilweise überlappend, begründete der Bonner Konzern den Schritt. "Die Anpassung soll diese Komplexität reduzieren und eine flexiblere und agilere Struktur schaffen", hieß es weiter. Zugleich will Meyer den Logistik-Riesen auf Umsatzwachstum trimmen. Seine neue Strategie 2030 gibt ein Umsatzwachstum von 50 Prozent im Vergleich zu 2023 als Ziel vor. Dabei will sich DHL auf schnell wachsende Regionen und Branchen sowie den Megatrend E-Commerce konzentrieren.
Die Pläne für das deutsche Brief- und Paketgeschäft seien kein Schritt in Richtung einer Trennung vom Briefgeschäft, das unter schrumpfenden Sendungsmengen leidet, betonte Meyer. "Dies ist kein Schritt zur Abspaltung des deutschen Briefgeschäfts", sagte Meyer der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir glauben strategisch an dieses Geschäft", unterstrich er. "Das Brief- und Paketgeschäft in Deutschland ist untrennbar miteinander verbunden". Auch der Name Deutsche Post bleibe erhalten. Der Bonner Konzern sei aber in seiner juristischen Struktur einfach zu komplex, über 800 Gesellschaften seien unter seinem Dach aufgehängt. Dieses Wollknäuel will Meyer nun entwirren.
Die Brief- und Paketsparte beschäftigt in Deutschland knapp 190.000 Menschen. Sie befördert Sendungen über 82 Brief- und 38 Paketzentren. Im ersten Halbjahr erwirtschaftete sie einen Umsatz von 8,4 Milliarden Euro und steuerte damit rund zwanzig Prozent des Konzernumsatzes von knapp 41 Milliarden Euro bei. Der operative Gewinn lag in den ersten sechs Monaten bei 324 Millionen Euro. DHL verzeichnete dabei einmal mehr Rückgänge im Briefgeschäft, das unter der Konkurrenz durch das Internet leidet. Das Paketgeschäft legte dagegen zu - es wird durch den Online-Handel getrieben.
Im internationalen Geschäft rund um Express-Sendungen, Pakete und Fracht macht Meyer aktuell der lahmende Welthandel zu schaffen. Der Manager, der seit Mai 2023 Vorstandschef von DHL ist, muss nun einen Endspurt hinlegen, um sein Gewinnziel für 2024 zu erreichen. DHL hat für 2024 einen operativen Gewinn (Ebit) in einer Spanne von sechs bis 6,6 Milliarden Euro prognostiziert. Nach den Feiertagen wird sich zeigen, ob DHL nur das untere Ende der Spanne erreichen kann oder ob mehr drin ist. Im Halbjahr summierte sich der operative Gewinn auf 2,6 Milliarden Euro. Konkurrenten macht die Flaute des Welthandels zu schaffen - der US-Paketriese FedEx musste in der vergangenen Woche seine Prognosen zusammenstreichen.
Bis 2030 setzt Meyer aber auf Umsatzwachstum. Dabei könnte DHL auch durch Übernahmen zulegen. "Der größte Anteil dieses Umsatzwachstums soll organisch erreicht werden", sagte Meyer. "Wir werden sicherlich auch Zukäufe tätigen", fügte er hinzu.
(Bericht von Matthias Inverardi, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bittean unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)