Agentur - Tschetscheniens Kadyrow droht russischen Abgeordneten mit Blutfehde

London (Reuters) - Der tschetschenische Machthaber und Putin-Verbündete Ramsan Kadyrow hat einem Medienbericht zufolge russischen Abgeordneten vorgeworfen, ein Mordkomplott gegen ihn zu schmieden.
Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass meldete am Donnerstag, Kadyrow habe am Vortag bei einem Treffen mit Sicherheitsvertretern drei Abgeordneten aus benachbarten Regionen vorgeworfen, ein Attentat zu planen. "Wenn sie nicht das Gegenteil beweisen, werde ich formell eine Blutfehde ausrufen", wurde Kadyrow zitiert. In Tschetschenien ist mit einer derartigen Blutrache traditionell die Tötung eines Feindes oder seiner männlichen Verwandten verbunden.
Hintergrund des Konflikts ist eine Fusion des größten russischen Online-Einzelhändlers Wildberries mit dem Werbekonzern Russ Group. Bei einem der drei genannten Abgeordneten handelt es sich um Suleiman Kerimow, einen reichen Geschäftsmann und Senator aus Dagestan. Ihm wird von einem Verbündeten Kadyrows, Wladislaw Bakaltschuk, vorgeworfen, die Kontrolle über Wildberries an sich gerissen zu haben. Auch die reichste Frau Russlands, Tatiana Kim, ist verwickelt: Sie hielt vor der Fusion 99 Prozent an Wildberries und nun etwa 65 Prozent des fusionierten Unternehmens RVB. Sie ist zudem die Ehefrau von Bakaltschuk, hat jedoch die Scheidung eingereicht. Kadyrow hat die Fusion kritisiert.
Stellungnahmen der genannten Personen zu dem Medienbericht waren zunächst nicht zu erhalten. Kadyrow ist seit 2007 in der im Süden Russlands im Kaukasus gelegenen Teilrepublik Tschetschenien an der Macht. Präsident Wladimir Putin machte sich für den Sohn des früheren tschetschenischen Präsidenten Achmat Kadyrow stark. Dieser war 2004 ermordet worden. Menschenrechtler werfen Ramsan Kadyrow vor, für schwerwiegenden Missbrauch, Willkür und Übergriffe verantwortlich zu sein. Einheiten von Kadyrow kämpfen in der Ukraine mit. Sie spielten etwa bei der Einnahme der südukrainischen Hafenstadt Mariupol eine wichtige Rolle.
(Bericht von Felix Light und Alexander Marrow. Geschrieben von Scot W. Stevenson. Redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)