Exportindustrie

Deutschland und Indien wollen Freihandelsabkommen vorantreiben

Reuters · Uhr (aktualisiert: Uhr)
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Neu-Delhi (Reuters) - Deutschland und Indien wollen ihre wirtschaftlichen Beziehungen durch ein Freihandelsabkommen vertiefen.

Bei der Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft in Neu-Delhi forderten am Freitag zahlreiche hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft einen baldigen Abschluss der Verhandlungen der EU-Kommission und Indien - nach rund 20 Jahren. Siemens-Chef Roland Busch sagte, beide Seiten müssten sich bewegen. "Wir können uns jahrzehntelange Verhandlungen nicht mehr leisten." Ähnlich äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne): Ein Abkommen wäre die richtige Antwort auf die Herausforderungen, vor denen beide Seiten stünden. So lange Verhandlungen seien ein Witz. Es müsse jetzt vorangehen. Die Partnerschaft zwischen beiden Ländern sei zu wichtig.

Ein Abschluss der EU mit Indien könnte beiden Seiten einen Schub verleihen. Als unwahrscheinlich gilt jedoch eine Einigung im Agrarbereich. Habeck hatte deswegen zuletzt ein abgespecktes Abkommen ins Spiel gebracht, um wenigstens einen Schritt voranzukommen.

Indiens Handelsminister Piyush Goyal sagte, sein Land verhandele nicht aus einer Position der Schwäche. Gegenseitige Befindlichkeiten müssten respektiert werden, was in Verhandlungen mit anderen Staaten gelungen sei. Dann könne es schnell gehen. Als Beispiel nannte er Milcherzeuger. Diesen Bereich könne er nicht öffnen. Indien könnte Partnern aber einen sehr großen Markt mit jungen und motivierten Menschen bieten.

Am Freitag stehen auch noch die siebten Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen auf dem Programm. In Neu-Delhi sind dafür neben Kanzler Olaf Scholz unter anderem noch Habeck, Arbeitsminister Hubertus Heil und Außenministerin Annalena Baerbock. Themen sind neben der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, Energie und Wasserstoff, Migration sowie geopolitische Fragen. Im Umfeld des Kanzleramts hieß es im Vorfeld der Gespräche, eine Erweiterung des Migrations- und Mobilitätsabkommens sei zu erwarten. Außerdem soll eine Absichtserklärung zur engeren Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung verabschiedet werden. Auch soll es einen Zeitplan für die weitere Energie-Zusammenarbeit geben.

Indien ist das bevölkerungsreichste Land und die größte Demokratie der Welt. Die dortige Wirtschaft wächst derzeit so stark wie kein anderes großes Land. Schätzungen zufolge wird Indien bis Ende des Jahrzehnts um zwei Ränge zur drittgrößten Volkswirtschaft nach den USA und China aufsteigen und damit auch Deutschland überholen. Für Deutschland gilt Indien als Schlüssel, um die starke Abhängigkeit der Industrie von China zu reduzieren.

(Bericht von Christian Krämer.; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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