Unsichere Zoll-Aussichten halten Europas Börsen in Schach

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Frankfurt (Reuters) - An den europäischen Aktienmärkten treibt Anleger weiter die Furcht vor einem umfassenden Handelskrieg mit weitreichenden Folgen für die Weltwirtschaft um.

Nach dem Rücksetzer zu Wochenbeginn gab der Dax am Dienstag erneut um gut ein halbes Prozent auf bis zu 21.299 Punkte nach. Der EuroStoxx50 fiel ähnlich stark auf bis zu 5192 Zähler. Kurz nach Inkrafttreten der von US-Präsident Donald Trump initiierten Zölle auf Importe aus China hat die Volksrepublik im Gegenzug ein Paket von Zöllen auf eine Reihe von Produkten aus den USA angekündigt.

"Unklar bleibt, ob nach Mexiko und Kanada auch von China ein entsprechendes Entgegenkommen zu erwarten ist", sagte Jochen Stanzl, Analyst beim Broker CMC Markets. "Die Entwicklungen der vergangenen 24 Stunden zeigen, dass US-Präsident Trump verhandlungsbereit ist, sofern man seine Bedingungen erfüllt." Im Gegenzug für Zugeständnisse bei der Grenzsicherung hatte Trump die Einführung von Zöllen gegenüber Mexiko und Kanada am Montag in letzter Minute aufgeschoben. Börsianer hatten sich erleichtert gezeigt und die Kursverluste eingeschränkt.

Dagegen traten am Dienstagmorgen zusätzliche US-Zölle von zehn Prozent auf alle chinesischen Einfuhren in die Vereinigten Staaten in Kraft. Wenige Minuten später reagierte China mit einem Paket von Zöllen auf eine Reihe von Produkten aus den USA, etwa Kohle, Flüssiggas oder Öl, die ab dem 10. Februar gelten sollen. "Der Handelskrieg hat begonnen", kommentierte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke.

Trump will nach Angaben des US-Präsidialamts in den nächsten Tagen mit Chinas Staatschef Xi Jinping sprechen. "Wenn der Kotau aus China nicht kommt, könnte es für den in den vergangenen Wochen hoch gestiegenen Dax schnell brenzlig werden", sagte Stanzl. Von Chinas Reaktion hänge ab, ob die Weltwirtschaft in einen Handelskrieg 2.0 schlittere oder das Schlimmste noch einmal verhindert werden könne, zeigte sich RoboMarkets-Stratege Jürgen Molnar überzeugt.

EUROPA IM BLICK

Börsianer fürchteten, dass Trump nun zeitnah auch die EU ins Visier nehmen könnte. "Das nächste 'Opfer' der 'America First-Politik' ist ausgemacht, die Europäische Union", sagte IG-Experte Christian Henke. Nach Kanada, Mexiko und China würden auch Sonderzölle gegen die EU folgen, hatte Trump am Wochenende gesagt. Der Euro gab in der Spitze um 0,7 Prozent auf 1,0273 Dollar nach. Gefragt waren erneut sichere Anlagen wie Gold. Der Preis des Edelmetalls zog um bis zu 0,4 Prozent auf 2824 Dollar je Feinunze an und notierte damit nicht weit entfernt von dem am Montag erreichten Allzeithoch von 2.830 Dollar je Feinunze.

Bemerkenswert sei, dass Anleger nicht massenhaft Aktien verkaufen, sondern gezielt nur die direkt betroffenen Titel abgeben, konstatierte Stanzl. Der Index der europäischen Energiekonzerne gab knapp ein Prozent nach, da die Rohölpreise nach Inkrafttreten der US-Zölle gegen China fielen. Ein Kurssturz bei Vodafone von rund sechs Prozent belastete zudem den Telekommunikationsektor.

Der Finanzdienstleistungsindex gab um mehr als ein Prozent nach. Die Branche wurde durch einen Kursrückgang um fünf Prozent der UBS belastet, obwohl die Schweizer Bank ihre Gewinnprognose für das vierte Quartal übertraf. UBS-Chef Sergio Ermotti sagte, höhere Kapitalanforderungen in der Schweiz würden die Renditen für die Aktionäre beeinträchtigen.

Bei den Einzelwerten kamen dagegen die Zahlen von Infineon gut an. Die Aktien des Chip-Herstellers schossen um bis zu 12,5 Prozent nach oben. Der Konzern avanciere inzwischen zu einem ernstzunehmenden Profiteur des Hypes rund um das Thema Künstliche Intelligenz, sagte Molnar. Dagegen zeigten sich Anleger vom Ausblick bei Siltronic enttäuscht. Die Aktien des Münchner Chip-Zulieferers brachen um bis zu 16 Prozent ein, nachdem der Konzern seine Kurz- und Mittelfrist-Ziele verschoben sowie die Dividende gekürzt hat.

(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

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