Ökonomenstimmen zum erneuten Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas

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FRANKFURT (dpa-AFX) - Niedrigere Zinsen und die geplanten Milliardeninvestitionen der Bundesregierung haben die Stimmung in der deutschen Wirtschaft weiter verbessert. Wie das Ifo-Forschungsinstitut am Freitag mitteilte, ist das Ifo-Geschäftsklima im Juli leicht um 0,2 Punkte auf 88,6 Punkte gestiegen und damit nicht so deutlich wie von Experten erwartet. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die Bewertung der künftigen Geschäfte haben die befragten Unternehmen dabei etwas besser eingeschätzt.

Einschätzungen von Ökonomen zum Ifo-Geschäftsklima im Überblick:

Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank

"Das Tempo der Erholung ist schwach, der Ifo-Index schleppt sich nach oben. Das gilt auch für den Einkaufsmanagerindex sowie für die Auftragseingänge. Die Aufwärtsbewegung wird gedämpft durch die sich abzeichnenden höheren US-Zölle und durch die weiter schlechte Standortqualität, für die sich aufgrund des fehlenden Neustarts in der Wirtschaftspolitik aus Sicht der meisten Unternehmen keine durchgreifende Besserung abzeichnet."

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank

"Der Aufschwung kommt ganz leise. Schrittchen für Schrittchen verbessert sich die Konjunkturstimmung in Deutschland. Dieses Schneckentempo beim Aufschwung ist verständlich angesichts eines konstanten Gegenwindes aus Zolldrohungen, starker chinesischer Konkurrenz und immer noch unzureichender Standortbedingungen in Deutschland. Wenn sich das Zollthema in den kommenden Wochen zumindest vorübergehend beruhigt und mit einer Sozialstaatsreform im Herbst positive Zeichen gesetzt werden, kann die wirtschaftliche Aufwärtsbewegung im weiteren Jahresverlauf an Fahrt aufnehmen."

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank

"Die deutsche Wirtschaft scheint sich im zweiten Halbjahr leicht zu erholen. Von konjunktureller Dynamik kann derweil keine Rede sein. Eine leichte konjunkturelle Erholung bedeutet im gegenwärtigen Umfeld lediglich, dass sich die Wachstumsraten über der Nullmarke stabilisieren. Erst im kommenden Jahr dürfte sich dann mit in den in der Wirtschaft ankommenden höheren Infrastrukturausgaben die konjunkturelle Situation deutlicher verbessern."

Klaus Bauknecht, Analyst bei der IKB Deutsche Industriebank

"Um der Deindustrialisierung und dem anhaltenden Beschäftigungsabbau im Verarbeitenden Gewerbe entscheidend entgegenzuwirken, bedarf es von der Politik einiges mehr an Rückenwind. Die IKB erwartet für das laufende Jahr nur ein moderates BIP-Wachstum von 0,3 Prozent, das sich 2026 auf 1,4 Prozent beschleunigen dürfte."

Greg Fuzesi, Analyst bei der US-Bank JPMorgan

"Erfreulicherweise sind die Erwartungen im Baugewerbe in den letzten zwei Monaten sprunghaft gestiegen. Dies deutet darauf hin, dass die Unternehmen aufgrund der Haushaltswende und der vergangenen Zinssenkungen der EZB eine deutliche Verbesserung erwarten."

Valentin Jansen, Analyst bei der NordLB

"Sorgen vor einer Eskalation in den Handelsstreitigkeiten mit Washington dürften hier eine wichtige Rolle gespielt haben, was ein zentrales Risiko für die fragile deutsche Konjunktur bleibt. Vielmehr legen harte Konjunkturdaten bereits nahe, dass es mit Blick auf die zweite Jahreshälfte für ein Ummünzen der in den letzten Monaten aufgetürmten Erwartungen auf binnenkonjunkturelle Nachfrageimpulse ankommen wird."

Marc Schattenberg, Analyst bei der Deutschen Bank

"Bemerkenswerterweise hellten sich im Verarbeitenden Gewerbe trotz handelspolitischer Unsicherheiten sowohl die Lage als auch die Erwartungen auf. Ein Wermutstropfen ist die Eintrübung des Ifo-Geschäftsklimas bei den Dienstleistern. Dies ist allerdings konträr zum positiven Signal, das der entsprechende Einkaufsmanagerindex gestern gesandt hatte."

Christoph Swonke, Analyst bei der DZ Bank

"Das von der Politik verabschiedete Sondervermögen für die Infrastruktur und die höheren Verteidigungsausgaben dürften zwar für einen Konjunkturimpuls sorgen, dieser kommt aber wohl erst im nächsten Jahr richtig zur Geltung. Die Unklarheit, wie die Zollverhandlungen zwischen der EU und den USA ausgehen, ist weiterhin das beherrschende Thema. Hier gilt die alte Weisheit: Wirtschaft ist Psychologie und ein stabiler Rahmen für das Geschäft essenziell."

/jkr/jsl/zb

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