Schwache US-Tech-Werte reißen Dax unter 24.000-Punkte-Marke

Der Dax hat am Donnerstag merklich nachgegeben. Nach einem verhaltenen frühen Handel rutschten die Kurse am Nachmittag tiefer ins Minus, sodass der Leitindex des deutschen Aktienmarkts bis zum Handelsschluss 1,31 Prozent auf 23.734 Punkte einbüßte. Die erst am Vortag zurückeroberte Marke von 24.000 Punkten ist damit wieder verloren.
Der MDax der mittelgroßen Werte rutschte um 1,38 Prozent auf 28.968 Zähler ab, für den Euro Stoxx 50 ging es um 1,07 Prozent abwärts.
Einmal mehr ließen sich die deutschen Anleger dabei von Ängsten in den USA entmutigen. Dort fiel insbesondere der Tech-lastige Nasdaq 100 aufgrund der Bedenken um die mittlerweile hohen Bewertungen vieler KI-Profiteure.
Noch dazu belasteten negative Signale zum Arbeitsmarkt: Dem Dienstleister Challenger zufolge kündigten US-Unternehmen die meisten Stellenstreichungen für den Monat Oktober seit zwei Jahrzehnten an.
Die anhaltende Quartalsberichtssaison der Unternehmen in Deutschland wiederum konnte dem Gesamtmarkt bislang keinen entscheidenden Impuls geben. "Der Dax bleibt im Seitwärtstrend", konstatierte Analyst Martin Utschneider vom Broker Robomarkets. Auf kurze Sicht überwögen aber die Risiken.
Zalando-Aktie beendet nach Zahlen jüngsten Abwärtstrend
Zalando beendete mit einem Kurssprung von 7,2 Prozent den jüngsten Abwärtstrend. Analysten sahen den Quartalsbericht des Online-Händlers insgesamt im Rahmen der Erwartungen. Nach der jüngsten Schwäche und angesichts der gesunkenen Umsatzerwartungen sorge der Zwischenbericht für Erleichterung, konstatierte Georgina Johanan von der US-Bank JPMorgan.
Bei der DHL Group konnten sich die Anleger dank einer unerwarteten Gewinnsteigerung über einen Kursanstieg von rund acht Prozent freuen. Andy Chu von der Deutschen Bank sieht das operative Ergebnis (Ebit) klar über der Konsensschätzung.
Für Rheinmetall ging es um 0,7 Prozent hoch. Jefferies-Analystin Chloe Lemarie zeigte sich erleichtert von dem robusten Zwischenbericht und dem bestätigten Ausblick des Rüstungskonzerns und Autozulieferers. Die Ängste einiger Anleger vor einer Prognosesenkung, welche die Kursschwäche der vergangenen Tage widerspiegele, hätten sich somit nicht bewahrheitet. Die Konsensschätzungen lägen zudem weiterhin über der Planung des Unternehmens.
Im MDax zählte Rational nach der jüngsten Kursschwäche mit plus 3,2 Prozent zu den Favoriten. Die Experten der kanadischen Bank RBC sahen die Gewinne des Großküchen-Ausrüsters über den Erwartungen. Bei den schon gut gelaufenen Hochtief -Aktien sorgte der angehobener Gewinnausblick für Kursturbulenzen. Letztlich setzte sich eine positive Interpretation durch - die Aktien des Baukonzerns zogen um 3,7 Prozent an und markierten einen Rekord.
Gewinnmitnahmen lasten auf Heidelberg Materials
Süss führte dank eines Kurssprungs von knapp 14 Prozent die Gewinnerliste im Nebenwerte-Index SDax an. Nachdem der Halbleiterzulieferer vor wenigen Tagen erst den Ausblick gesenkt hatte, rechnet er nun im vierten Quartal mit einer sehr deutlichen Belebung. Für Marktteilnehmer kam das überraschend, auch weil zuletzt von einem "wenig dynamischen Auftragseingang" im dritten Quartal die Rede gewesen war.
Derweil litten die seit Jahresbeginn gut gelaufenen Aktien von Heidelberg Materials mit minus 4,6 Prozent unter Gewinnmitnahmen. RBC-Analyst Anthony Codling attestierte dem Baustoffhersteller ein branchenkonform solides Quartal. Er merkte aber an, Konkurrent Holcim habe sich in den Schwellenländern besser geschlagen.
Deutsche Börse verbilligten sich um rund vier Prozent. Wegen des Verdachts auf einen Kartellverstoß leitete die EU-Kommission offiziell ein Verfahren gegen die Eschborner sowie die US-Technologiebörse Nasdaq ein.
Für MDax-Schlusslicht Lanxess ging es um 12,3 Prozent bergab. Der Chemiekonzern wird in einem weiterhin schwierigen Wirtschaftsumfeld vorsichtiger für die Gewinnentwicklung im laufenden Jahr. Hamborner Reit war nach der Zahlenvorlage mit einem Minus von 5,9 Prozent einer der größeren Verlierer im SDax. Die Aktien des Immobilienunternehmens rutschten zudem auf ein Mehrjahrestief ab.
Euro stärker, Gold mit minimalem Plus
Der Kurs des Euro erholte sich etwas von seinen jüngsten Verlusten erholt und stieg über 1,15 US-Dollar. Die Gemeinschaftswährung kostete zuletzt 1,1534 Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1533 (Mittwoch: 1,1492) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8670 (0,8701) Euro.
Gründe für eine Erholung des Euro gibt es kaum. So fielen deutsche Industriedaten enttäuschend aus. Die Gesamtproduktion ist im September zwar gestiegen. Der Anstieg blieb jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück. Das deutliche Minus vom Vormonat konnte so bei weitem nicht ausgeglichen werden.
Gold legte minimal zu. Nach einem kurzen Sprung über die Marke von 4.000 Dollar lag das Edelmetall noch 0,13 Prozent im Plus. Eine Feinunze (31,1 Gramm) kostete damit 3.978 Dollar. Nach einem rasanten Lauf auf fast 4.400 US-Dollar schwächelte der Goldpreis zuletzt merklich, vor allem Hoffnungen im Handelsstreit zwischen den USA und China setzten dem "sicheren Hafen" Gold zu. In Euro gerechnet verlor Gold leicht.
(mit Material von dpa-AFX)



