Dax strebt wieder aufwärts - Nvidia-Zahlen zerstreuen Ängste um KI-Blase etwas

Nach zwei schmerzhaften Handelstagen zu Wochenbeginn hat der Dax am Donnerstag wieder Boden gutgemacht. Dabei halfen vor allem hervorragende Quartalszahlen des KI-Champions Nvidia. Allerdings bröckelten die Gewinne im späten Handel etwas, sodass der Dax nur noch 0,5 Prozent stärker bei 23.278 Punkten schloss. Zwischenzeitlich hatte der Leitindex um mehr als ein Prozent zugelegt.
In der zweiten Reihe kam es sogar zu Verlusten. Der MDax der mittelgroßen Werte rutschte um 0,74 Prozent auf 28.443 Punkte ab. Der Euroraum-Leitindex Euro Stoxx 50 schaffte indes ebenfalls ein Plus von 0,5 Prozent.
Die zuletzt bei Anlegern aufgekeimte Angst vor Übertreibungen und dem Platzen einer "KI-Blase" wurde von Nvidia wieder gemildert. Der KI-Boom hatte dem Chipriesen ein erneut explosives Quartalswachstum beschert, was bei den Nvidia-Aktien eine Erholung um rund zwei Prozent auslöste. Den Anlegern sei mit Blick auf deren jüngst aufgekommenen Sorgen die passende Antwort gegeben worden, kommentierte Analyst Blayne Curtis vom Analysehaus Jefferies.
Dies stützte auch hierzulande bei Werten mit KI-Fantasie die Kurse. Das Plus bei den Titeln des Chipkonzerns Infineon betrug rund 0,8 Prozent. Deutlicher zogen indirekt beteiligte Aktien mit Fantasie für den Energiebedarf oder den Bau von KI-Rechenzentren an. Aktien des Baukonzerns Hochtief stiegen als bester MDax-Wert um 3,9 Prozent. Im Dax verbesserten sich Siemens Energy um 2,9 Prozent: Zusätzlich angetrieben durch ein angekündigtes Aktienrückkaufprogramm erreichten sie zwischenzeitlich ein Rekordhoch bei 118 Euro.
Neben dem KI-Thema hatten den Dax in den vergangenen Handelstagen auch Sorgen um künftige US-Zinssenkungen auf das tiefste Niveau seit Juni zurückgeworfen. Kritisch wurde deshalb der für die Notenbank Fed wichtige US-Jobbericht untersucht, der laut Ralf Umlauf von der Landesbank Helaba eine solide Beschäftigungslage aufwies. Er glaubt, dass die Zinssenkungserwartungen damit nochmals einen Dämpfer erhalten. Den Jobbericht für Oktober wird es erst nach der Fed-Entscheidung, die am 10. Dezember ansteht, geben.
Rheinmetall nach Vortagesrutsch wieder im Plus
Unter den Rüstungsaktien erholten sich am Donnerstag Rheinmetall von ihrem Rückschlag, den am Vortag Berichte über einen neuen Friedensplan der USA für die Ukraine ausgelöst hatten. "Das war aus unserer Sicht eine massive Überreaktion, die eine gute Einstiegschance bietet", kommentierte Analyst David Perry von JPMorgan. Die Rheinmetall-Titel zogen daraufhin um 2,7 Prozent an.
Renk konnte Rheinmetall aber nicht folgen, denn der Kurs sackte um rund vier Prozent ab. Anlässlich eines Kapitalmarkttags veröffentlichte Geschäftsziele trübten hier die Laune. Der Umsatzausblick bis 2030 sei solide, doch eine nur leichte Prognoseerhöhung für 2027 beim operativen Ergebnis falle aber eher mau aus, kommentierte am Morgen die Jefferies-Expertin Chloe Lemarie.
Aus dem SDax stiegen die Mutares-Aktien um 3,1 Prozent. Die Beteiligungsgesellschaft veräußerte im Rahmen einer Privatplatzierung ihre verbliebenen Anteile an Steyr Motors und traf dabei nach eigenen Angaben auf eine hohe Nachfrage.
Eine Kaufempfehlung der Berenberg Bank trieb im SDax noch die Aktien des Leasingspezialisten Grenke um 6,3 Prozent nach oben. Sie setzten damit zu einer Erholung an von ihrem niedrigsten Stand seit Mai. Die Erholung des Leasinganbieters gewinne an Fahrt und so sei es an der Zeit für eine Neubewertung, argumentierte Analyst Marius Fuhrberg in seiner Studie.
Euro nach soliden US-Konjunkturdaten etwas schwächer
Der Euro stabilisierte sich nach den Verlusten zur Wochenmitte. Am Donnerstagnachmittag wurde die Gemeinschaftswährung zu 1,1524 US-Dollar gehandelt und damit in etwa auf dem Niveau vom Vorabend. Die mit Spannung erwarteten Arbeitsmarktdaten aus den USA stützten den Eurokurs etwas. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1514 (Mittwoch: 1,1583) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8685 (0,8633) Euro.
Gold wiederum verzeichnete Verluste. Der Preis einer Feinunze (31,1 Gramm) sank um 0,83 Prozent auf 4.068 US-Dollar. In Euro gerechnet verbilligte sich das Edelmetall in ähnlicher Höhe. Damit verbleibt der Kurs in seiner jüngsten Handelsspanne in der Nähe der 4.000-Dollar-Marke.
Nach einem Rekordhoch bei fast 4.400 Dollar fehlte es bei Gold zuletzt an klaren Impulsen. Die Nervosität der Anleger rund um KI reichte nicht, um den Preis nachhaltig zu treiben. Auf Sicht eines Monats hat sich der Goldpreis deswegen nur marginal bewegt.
(mit Material von dpa-AFX)




