Kolumne von Alexander Mayer

Gibt Gold die Richtung für Bitcoin vor? Das spricht dafür

decentralist.de · Uhr
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Bitcoin
Quelle: Societe Generale

Während die Aktienmärkte und besonders der Gold-Kurs seit Monaten auf Rekordjagd sind, kämpft der Bitcoin-Kurs darum, strukturelle Unterstützungszonen zu halten und nicht in einen Bärenmarkt zu fallen.

Die entscheidende Frage ist derzeit, ob Bitcoin als vorlaufender oder nachlaufender Indikator gewertet werden soll. Ein Blick auf die direkte Korrelation mit den Aktienmärkten und mit Gold zeigt zwei verschiedene Szenarien auf, die angesichts vergangener Kursentwicklungen naheliegend sind.

Signalisiert Bitcoin einen drohenden Aktienmarktcrash?

Bitcoin hat eine starke Korrelation mit den Aktienmärkten, die in den letzten Jahren noch zugenommen hat. Bitcoin und Aktien steigen oft im Einklang, wobei Bitcoin bisher insgesamt eine stärkere Aufwärtsdynamik an den Tag gelegt hat. In Schwächephasen nimmt Bitcoin den Aktienmärkten eine Korrektur jedoch oft vorweg. Eines der prominentesten Beispiele war der Bärenmarkt 2022, den Bitcoin bereits einige Wochen vor den Aktienmärkten eingeleitet hat.

Daraus ergibt sich die Frage, ob die aktuelle Bitcoin-Kurschwäche diesmal auch wieder einen Aktienmarktrückgang signalisiert. Fundamental betrachtet sprechen die Daten eher dagegen. Denn anders als Ende 2021 befinden wir uns nicht am Beginn einer geldpolitischen Straffungsphase und zumindest die US-Wirtschaft zeigt sich weiterhin sehr robust. Zudem ist die Inflation deutlich niedriger als damals.

Zeigt Gold das weitere Potenzial für Bitcoin an?

Ebenfalls lohnt sich ein Blick auf die Korrelation zwischen Bitcoin und Gold. Der Gold-Kurs stieg – zumindest bis zum Crash Ende dieser Woche – enorm aufgrund geopolitischer Unsicherheiten und eines wachsenden Vertrauensverlusts in staatliche Währungen und die Stabilität der Anleihemärkte.

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Gold agiert damit klar als sicherer Hafen und Absicherungsvehikel in Antizipation auf Krisenzeiten. Bitcoin wird dieses Narrativ zwar generell auch zugesprochen. Die Kryptowährung reagiert bisher jedoch sehr viel stärker auf die Liquiditätsebene der globalen Schuldendynamik. Man kann argumentieren, dass Bitcoin noch nicht das Vertrauen und die Reputation erlangt hat, die Gold innehat, um ebenfalls als sicherer Hafen herangezogen zu werden. Zudem steckt immer noch sehr viel spekulatives Kapital in Bitcoin, was die Volatilität erhöht.

Blickt man auf die Korrelation der beiden Assets miteinander, erkennt man, dass Bitcoin eine klare, aber deutlich verzögerte Korrelation mit Gold hat. Bitcoin hatte in der Vergangenheit seine stärksten Kurszuwächse immer erst dann, wenn bei Gold „die Party bereits gelaufen war“.

Direkte Beispiele sieht man in jedem bisherigen Bitcoin-Zyklus: Während Gold eine starke Phase im Jahr 2011 hatte, hat Bitcoin seinen Höhepunkt erst 2013 gefunden. Genauso war es im 2017er-Zyklus, als Gold bereits im Jahr 2016 ein neues Hoch gefunden hatte und ebenso befand sich Gold im Jahr 2020 direkt im Zuge der Corona-Krise in einer starken Rally, während Bitcoin erst im späteren Verlauf seine parabolische Rally entwickelt hatte.

Ausgehend von dieser verzögerten Korrelation könnte man davon ausgehen, dass eine ähnliche Nachholbewegung diesmal ebenfalls erfolgen könnte, auch weil die fundamentale Gemengelage das nötige Fundament dafür liefert.

Die aktuelle Krisensituation rund um die japanischen und die US-Anleihemärkte wird mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit weitere geldpolitische Interventionen erfordern und damit neue Liquidität ins System spülen. Wir befinden uns nicht wie 2021 am Beginn eines geldpolitischen Straffungszyklus und an einem konjunkturellen Hoch, sondern im Gegenteil erst am Anfang eines geldpolitischen Lockerungszyklus und einer robusten US-Wirtschaft, die erst die Anfänge zyklischer Rotationen zeigt.

Das liefert den Spielraum für das Szenario, das wir uns bei Bitcoin aktuell in einer Mid-Cycle-Korrektur befinden und nicht am Beginn eines Bärenmarktes. Gold preist die systemischen Gefahren unmittelbar ein – Bitcoin kann nachfolgend als Antwort auf eine Ausweitung der Liquidität das interessantere Asset sein.

Blick auf die relative Geldpolitik als weiterer Indikator

Ausgehend davon, dass Bitcoin den Fokus auf die Liquiditätsentwicklung legt, während Gold aktuell eher die Rolle eines Makro-Absicherungsmechanismus einnimmt, ist ein genauerer Blick auf die relative Geldpolitik der Federal Reserve ebenfalls hilfreich, um die weitere Marktentwicklung ableiten zu können.

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Eine Perspektive liefert der Direktvergleich zwischen dem von der Fed gesetzten Leitzins und dem Zins der zweijährigen US-Staatsanleihen. Der Fed-Leitzins ist die Grundlage für Kreditzinsen, Hypotheken, Unternehmensfinanzierung und Geldmarktfonds und liegt derzeit in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Der Zins der zweijährigen Anleihen symbolisiert am besten die Erwartungen über die zukünftige Leitzinsentwicklung, die Inflationsentwicklung, die konjunkturelle Entwicklung und Rezessionsrisiken. 

Es ist sozusagen der Konsens des Marktes über die nächsten zwei Jahre. Einjährige oder kürzer sind zu kurzfristig, länger laufende Anleihen sind zu stark durch Wachstums- und Inflationserwartungen verzerrt. Für viele Marktbeobachter gilt der Zweijahres-Zins als „echter“ Leitzins. Er beträgt 3,5 Prozent aktuell; der Leitzins ist also noch bis zu 0,25 Prozentpunkte höher, die Differenz nimmt aber tendenziell ab.

Der Bitcoin-Kurs stieg oder fiel in der Vergangenheit oft bereits bei einer solchen Trendumkehr des Zinsunterschieds. Die fundamentale Marktlage liefert 2026 ein plausibles Szenario für eine solche Entwicklung. Die historisch verzögerte Korrelation mit Gold und der aktuelle starke Anstieg von Gold – trotz des jüngsten Abverkaufs – unterstreichen das. Im Jahr 2022 ist Gold im steigenden Zinsumfeld im Einklang mit den Aktienmärkten und Bitcoin gefallen. Diesmal liefert das Marktumfeld jedoch ein Szenario für einen weiteren Anstieg von Vermögenswerten.

Denken Sie langfristig!

Befinden wir uns längst in einem „Liquiditäts-Superzyklus“? Welche Argumente dafür und welche dagegen sprechen, erfahren Sie in der aktuellen Analyse auf decentralist.

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