
Der amerikanisch-israelische Angriff auf den Iran und dessen Vergeltungsschläge haben den Dax am Montag deutlich belastet. Mit den robusteren US-Börsen konnte der deutsche Leitindex sein Minus kaum eindämmen. Dennoch sprachen Marktbeobachter von einer vergleichsweise besonnenen Reaktion der hiesigen Anleger.Zum Handelsende stand beim Dax ein Verlust von 2,5 Prozent auf 24.638 Punkte zu Buche. Damit rutschte er unter die für den kurz- bis mittelfristigen Trend wichtigen 21- und 50-Tage-Durchschnittslinien, nachdem er am Freitag zeitweise noch Kurs auf sein Rekordhoch von Mitte Januar genommen hatte.
Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es zum Wochenauftakt um 2,2 Prozent auf 30.863 Punkte bergab. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um 2,5 Prozent. In London und Zürich standen ebenfalls klare Verluste zu Buche. An den New Yorker Börsen verloren der Dow Jones Industrial und der Nasdaq 100 derweil jeweils nur etwa ein halbes Prozent.
Iran-Krieg lässt Preise in Europa steigen
Der Iran-Krieg sorgt zum Wochenstart für Verunsicherung an den Finanz- und Rohstoffmärkten. Vor allem der kräftige Anstieg der Gas- und Ölpreise infolge der Einschränkung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus birgt Risiken für die Weltwirtschaft. Der Seeweg ist ein Nadelöhr des weltweiten Rohstoffhandels. Allerdings hatten sich die Angriffe der USA und Israels auf den Iran schon abgezeichnet, Panik an den Finanzmärkten gab es am Montag nicht.
Der europäische Gaspreis schnellte im Handelsverlauf um rund 50 Prozent in die Höhe und erreichte den höchsten Stand seit gut einem Jahr. Zuletzt hatte ein Produktionsstillstand für Flüssiggas in Katar den Preis noch einmal deutlich in die Höhe schnellen lassen.
Am Ölmarkt waren in der Nacht zum Montag die Notierungen für Brent-Öl aus der Nordsee und Rohöl aus den USA in den ersten Handelsminuten ebenfalls stark gestiegen. Brent erreichte in der Spitze den höchsten Stand seit Juli 2024 und US-Öl den höchsten Stand seit Juni 2025. Die Preise kamen danach aber etwas zurück. Für Brent mussten bis zum Abend 77,6 Dollar je Barrel (159 Liter) gezahlt werden, für US-Öl 71,1 Dollar. Das waren rund acht beziehungsweise sieben Prozent mehr als vor dem Wochenende.
Jetzt kommt es vor allem darauf an, ob der Konflikt länger dauert oder zügig beendet wird. "Bleibt es bei einem kürzeren Konflikt, werden die wirtschaftlichen Folgen jedenfalls begrenzt bleiben", erklärt der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Auch Analyst Michael Hsueh von Deutsche Bank Research verweist als entscheidend auf die Dauer des Konflikts und ob und in welchem Umfang die Straße von Hormus wieder befahrbar wird. Höhere Ölpreise, ein zunehmender Druck auf US-Präsident Donald Trump in der Heimat sowie die Priorität der Golfstaaten, ihre wirtschaftliche Stabilität zu sichern, seien einige der Schlüsselelemente mit Blick auf eine mögliche Deeskalation.
Lufthansa und Tui mit starken Rücksetzern
Verluste erlitten unter anderen die Aktien der Reise- und Touristikbranche. So büßten Lufthansa 5,2 Prozent ein und Tui fast zehn Prozent ein. Der Ölpreisanstieg belastete Papiere aus dem Chemiesektor wie BASF, Evonik, Wacker Chemie und Lanxess. Von drei bis sechs Prozent reichten hier die Verluste. Höhere Kosten für Öl drohen die Gewinne zu schmälern.
Profitieren von der Nachrichtenlage konnten dagegen die Papiere aus der Rüstungsbranche. So legten die Kurse von Rheinmetall, Hensoldt und Renk gegen die allgemeine Marktschwäche um ein bis vier Prozent zu. Anteile des Marineschiffbauers TKMS drehten nach anfänglichen Gewinnen ins Minus.
Gold und Silber fallen trotz Krieg
Bis zum Montagabend fiel der Spotpreis von Gold um 2,7 Prozent auf 5.300 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Damit orientiert sich der Goldpreis in etwa zum Abendkurs vergangenen Freitag bevor der Krieg ausbrach.
Bei Silber fiel die Reaktion noch heftiger aus. Bis zum Abend verlor der Silberpreis acht Prozent auf 87 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).
(mit Material von dpa-AFX)



