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Warum heute einfach alles fällt

onvista · Uhr

Wiederholte Angriffe auf die Energie-Infrastruktur im Nahen Osten schütteln die Börsen erneut durch, neue Inflationsängste belasten. Wir geben dir einen umfassenden Überblick.

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Ein Händler analysiert Marktdaten.
Quelle: Adobe.com/muji

Der Dax droht, unter die nächste runde Marke zu fallen. Im frühen Handel am Donnerstag rutschte der Leitindex des deutschen Aktienmarkts knapp unter 23.000 Punkte und hielt sich zuletzt nur knapp darüber.

Noch Anfang Januar haben sich die Marktteilnehmer eher gefragt, wann wohl die 26.000 Punkte übertroffen werden. In wenigen Wochen hat sich die Stimmung nun massiv gedreht. Der Dax notiert aktuell auf dem tiefsten Stand seit Mai 2025.

Der Grund ist vor allem, aber nicht allein, der Krieg im Iran. Wir erklären dir hier, was du zur Marksituation wissen musst.

Welche Rolle spielt die jüngste Eskalation im Iran-Krieg?

Größter Belastungsfaktor bleiben der Konflikt im Iran und die befürchteten Folgen. Seit Beginn des Kriegs Ende Februar hat der Dax rund 2.000 Punkte eingebüßt.

Immer wieder neue Kämpfe zwischen dem Iran einerseits und den USA sowie Israel auf der anderen Seite treiben die Ölpreise nach oben. Allein am Donnerstag sprang der Preis der globalen Benchmark-Sorte Brent je Barrel (159 Liter) nochmal um zehn Prozent hoch. Damit kostete ein Fass fast 120 US-Dollar.

Hinter dieser Preisspitze steht die jüngste Eskalation der Kämpfe. Laut Teheran trafen am Mittwoch Luftschläge Einrichtungen des South-Pars-Gasfelds. Damit kam erstmals in diesem Krieg Fördereinrichtungen unter Beschuss, kommentierte Makrostratege Jim Reid von der Deutschen Bank. Zuvor hatten sich Attacken nur auf die Verteil-Infrastruktur gerichtet.

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Der Iran teilte prompt mit, dass andere Förderanlagen der Golfstaaten deshalb nun legitime Ziele seien. Im späten US-Handel am Mittwoch schreckte eine ähnliche Meldung die Investoren auf. So teilte Katar mit, ein Angriff habe „umfassende Schäden“ an der weltgrößten LNG-Förderanlage in Ras Laffan hinterlassen.

In Ras Laffan wurde bis zu Beginn der Kämpfe rund ein Fünftel des globalen Angebots an LNG gefördert. Ein längerfristiger Ausfall, auch bei einem Ende der Kämpfe, würde also die globale Gasversorgung beeinträchtigen. „Eine Vergeltungsattacke auf Ras Laffan ist genau das, was die globalen Gasmärkte am meisten gefürchtet haben“, kommentierte Energieanalyst Tom Marzec-Manser bei Bloomberg.

Welche Belastungsfaktoren gibt es noch?

Neben den direkten Auswirkungen der Kämpfe – höhere Preise für Energieträger – ziehen auch mögliche längerfristige Folgen die Kurse nach unten. So könnte der Ölpreisschock die Inflation in Europa und den USA wieder anfachen.

Besonders in den Vereinigten Staaten hält sich die Inflation hartnäckig, weshalb die Notenbank Federal Reserve einen zögerlichen Zinssenkungskurs verfolgt. Ein unerwartet hoher Anstieg der Erzeugerpreise im Februar signalisierte zudem, dass sich schon vor dem Konflikt wieder Preisdruck aufbaute.

Der Markt erwartet daher keine Zinssenkungen in den USA im laufenden Jahr. Die jüngste Prognose der Fed-Mitglieder („Dot-Plot“) zeigt, dass die Mehrheit der Direktoren im Offenmarkt-Ausschuss den Leitzins 2026 im Bereich um 3,50 Prozent sieht, also in etwa auf dem aktuellen Niveau. Zins-Terminkontrakte deuten ebenfalls an, dass 2026 keine Lockerung mehr kommt.

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Schlimmstenfalls ist die Fed sogar gezwungen, die Zinsen anzuheben. Ein Szenario wie 2022, als rekordschnelle Zinsanhebungen den Markt überrumpelten, ist zwar weniger wahrscheinlich. Dennoch wären steigende Zinsen tendenziell schlecht für das Finanzierungsumfeld der Konzerne und auch für Aktien.

Und die übrigen Indizes?

Bei MDax und TecDax sah es am Donnerstag wenig besser aus. Die Kursbarometer verloren 2,7 respektive 2,2 Prozent und damit vergleichbar viel wie der Dax. Der Euro Stoxx 50 rutschte ebenfalls um gut zwei Prozent ab.

In den USA wiederum deuteten die Futures kaum Veränderung an. Allerdings fielen die Kurse an der Wall Street schon am Vortag deutlich. Der Leitindex Dow Jones sank bis auf knapp 46.000 Punkte ab und damit auf den tiefsten Stand des Jahres.

Welche Aktien verlieren besonders?

Bei den Einzelwerten stachen vor allem Immobilienaktien mit harschen Verlusten hervor. Im Dax brachen Vonovia-Aktien am Indexende um über neun Prozent ein. LEG und TAG Immobilien gehörten mit Verlusten von jeweils rund sechs Prozent zu den schwächsten Titeln im MDax.

Der gesamte europäische Immobiliensektor rutschte um drei Prozent ab, damit notierte der Sektorindex auf dem tiefsten Stand des Jahres. Seit dem Zwischenhoch Ende Februar hat der Index fast elf Prozent verloren.

Immobilienwerte gehören zu den zins-sensibelsten Aktien überhaupt. Deswegen leiden sie besonders unter der Aussicht auf steigende Inflation und etwaige Zinserhöhungen. Die Konzerne sind oft stark verschuldet, steigende Zinsen verteuern die Kosten dieser Schulden, ebenso wie kreditfinanzierte Zukäufe.

Noch dazu beeinflussen steigende Zinsen den Wert von Immobilien-Beständen von Konzernen wie Vonovia. Müssen die künftigen Kapitalflüsse aus vermieteten Wohnungen mit höheren Raten abgezinst werden, sinkt der Wert dieser Objekte. Vonovia und Co. müssen also womöglich ihren Portfoliowert nach unten korrigieren.

Fallen auch andere Anlageklassen?

Die Verluste beschränken sich nicht auf Aktien. Der Euro-Bund-Future (eine fiktive Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit) rutschte am Donnerstag ebenfalls leicht ab. Spiegelbildlich dazu kletterten die Umlaufrenditen in Erwartung einer höheren Inflation und steigenden Zinsen weiter. Zehnjährige Bundesanleihen warfen zuletzt 2,99 Prozent ab – das höchste Niveau seit rund 15 Jahren.

Die Kryptowährung Bitcoin, welche mittlerweile eng mit Tech-Indizes wie dem Nasdaq korreliert, sackte um 3,4 Prozent auf 69.900 US-Dollar ab. Bitcoin gilt mittlerweile wie Aktien auch als Risiko-Anlage, weshalb Abverkäufe an den Börsen schnell auf den Kryptomarkt überschwappen. Am Donnerstag litten jedoch auch Anlagen, die üblicherweise als krisensicher gelten, wie etwa der Goldpreis.

Das Edelmetall verlor 3,5 Prozent, eine Feinunze (31,1 Gramm) kostete damit 4.667 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit Mitte Januar. Auf Monatssicht hat Gold damit 6,7 Prozent an Wert verloren.

In Euro gerechnet ging es im gleichen Zeitraum nur um 4,7 Prozent nach unten, was dem Wechselkurs geschuldet ist. Der Dollar erholte sich zuletzt ein wenig von seinen herben Verlusten 2025, weshalb der Goldpreis in Dollar stärker absinkt als der Euro-Preis.

Gleichwohl schützt Gold damit derzeit nicht vor den Turbulenzen an der Börse, obwohl das Metall als Krisenwährung gilt. „Das ist kein sicherer Hafen mehr, das ist eine spekulative Anlage“, merkte Investmentstratege Patrick Armstrong bei Bloomberg an. Dem Profi zufolge erfülle Gold seine Schutzfunktion nicht mehr aufgrund der vorangegangenen Rally und der zuletzt erhöhten Volatilität.

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Wie Immobilienaktien auch leidet Gold zudem unter der Aussicht auf steigende Zinsen. In diesem Szenario würde das zinslose Gold relativ zu anderen Anlageklassen wie Anleihen an Attraktivität verlieren.

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