An Börsen grassiert Pandemie-Angst - "Nerven liegen blank"

Reuters

Frankfurt (Reuters) - Die Furcht vor einem Konjunktureinbruch durch die Ausweitung der Coronavirus-Epidemie zu einer internationalen Pandemie treibt Anleger um.

"Schon der Ausfall eines Arbeitstages wegen Werksschließungen oder ähnlichem könnte das Wachstum in vielen Ländern um 1,5 Prozentpunkte herunterziehen", warnte Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.

Der Dax fiel am Mittwoch zeitweise um mehr als drei Prozent auf ein Vier-Monats-Tief von 12.368,05 Punkten. Dank Kursgewinnen der Wall Street machte er seine Verluste aber weitgehend wett und schloss 0,1 Prozent im Minus bei 12.774,88 Zählern. Mit einem Minus von insgesamt rund sechs Prozent steuerte er aber auf den größten Wochenverlust seit vier Jahren zu. "Die Nerven bei einigen Akteuren liegen blank", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Im Schlepptau der freundlichen Wall Street löste sich auch der EuroStoxx50 von seinen Tagestiefs und arbeitete sich bis zum Abend knapp ins Plus auf 3576,97 Punkte vor. Der US-Standardwerteindex Dow Jones gewann 1,4 Prozent.

ÖL UND KUPFER BILLIGER - "SICHERE HÄFEN" BLEIBEN GEFRAGT

An den Rohstoffmärkten blieben die Konjunkturpessimisten aber in der Überzahl. Der Preis für das wichtigste Industriemetall Kupfer fiel auf 5673 Dollar je Tonne. Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 0,4 Prozent auf 54,72 Dollar je Barrel (159 Liter).

Im Gegenzug nahmen einige Anleger Kurs auf "sicheren Häfen". Die "Antikrisen-Währung" Gold verteuerte sich auf 1636,88 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Die Nachfrage nach den ebenfalls als sicher geltenden Bundesanleihen drückte die zehnjährigen Titel zeitweise auf ein Vier-Monats-Tief von minus 0,531 Prozent. Ihre US-Pendants rentierten mit plus 1,312 Prozent so niedrig wie noch nie.


UNTERNEHMEN SPÜREN BEREITS FOLGEN DER CORONAVIRUS-KRISE

"Die wirtschaftlichen Folgen der Epidemie sickern so langsam in Form von Gewinnwarnungen oder Streichungen von Jahreszielen durch", sagte CMC-Experte Stanzl. So rechnet der weltgrößte Spirituosen-Hersteller Diageo mit Gewinneinbußen von umgerechnet bis zu 239 Millionen Euro. Die Aktien des "Johnnie Walker"-Anbieters fielen daraufhin in London um ein Prozent. In ihrem Sog büßten die Papiere der französischen Rivalen Remy Cointreau und Pernod Ricard bis zu 2,5 Prozent ein.

In den USA drückte die Warnung vor einem Umsatzrückgang 2020 die Aktien von Fossil auf ein 21-Jahres-Tief. Die Titel des Uhrmachers brachen um mehr als 20 Prozent auf 4,21 Dollar ein. Der chinesische Twitter-Rivale Weibo rechnet ebenfalls mit deutlichen Einbußen. Seine in den USA notierten Aktien büßten 1,6 Prozent ein. Auch Danone kappte seine Ziele wegen des Coronavirus. Die Aktien des Lebensmittelkonzerns legten dennoch in Paris 1,1 Prozent zu.

Aus den Depots flogen erneut Anteilsscheine der Fluggesellschaften, die im Zuge der Epidemie unter Reisebeschränkungen und auf Eis gelegten Urlaubsplänen leiden. Der europäische Branchenindex fiel zeitweise um 4,4 Prozent auf ein Viereinhalb-Monats-Tief von 234,26 Punkten. Mit einem Minus von insgesamt mehr als zehn Prozent droht ihm der größte Wochenverlust seit den Kursturbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008.

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