Anleger reagieren gefasst auf schockierende US-Arbeitsmarktdaten

Reuters

(Reuters) - Trotz eines Rekord-Jobabbaus in den USA geht es an den Börsen aufwärts.

Anleger reagieren gefasst auf schockierende US-Arbeitsmarktdaten

"Schaut man sich die Reaktion auf die 3,3 Millionen gestellten Arbeitslosenanträge in den USA an, könnte man meinen, selbst das schlechteste wirtschaftliche Szenario sei schon in den Kursen enthalten", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Der Dax arbeitete sich nach den US-Daten ins Plus vor und schloss 1,3 Prozent höher bei 10.000,96 Punkten. Der EuroStoxx50 gewann 1,1 Prozent auf 2829,80 Zähler. An der Wall Street legte der US-Standardwerteindex Dow Jones sogar 5,1 Prozent zu.

In der vergangenen Woche verzehnfachte sich die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe auf knapp 3,3 Millionen. "Das bisherige Rekordhoch von 695.000 aus dem Jahr 1982 ist damit förmlich pulverisiert worden", sagte Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner. "Diese Zahlen sind der erste 'harte' Beleg für das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens, den das Coronavirus der US-Wirtschaft zufügt."

Die vorgelegten Zahlen lagen zwar rund drei Mal so hoch wie offiziell erwartet. Einige Börsianer hatten allerdings bis zu zehn Millionen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe befürchtet. Angesichts dieser dramatischen Zahlen spekulierten Anleger auf weitere Rettungspakete der US-Regierung und der Notenbank Fed. Der US-Senat hatte nach zähem Ringen am Mittwoch ein zwei Billionen Dollar schweres Programm abgesegnet. Fed-Chef Jerome Powell signalisierte Bereitschaft zu weiteren Hilfen.

Vor diesem Hintergrund baute der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, seine Verluste aus und gab 1,5 Prozent nach und steuerte auf den größten Tagesverlust seit fast vier Jahren zu. Im Gegenzug verteuerte sich der Euro um 1,3 Prozent auf 1,1020 Dollar.


EZB KIPPT SELBST GESETZTE GRENZEN BEI ANLEIHEKÄUFEN

In Europa gab die Europäische Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie ihre selbst gesteckten Kaufobergrenzen für Staatsanleihen auf. "Das erlaubt es der EZB, diejenigen Volkswirtschaften zu unterstützen, die von der Krise härter getroffen wurden wie zum Beispiel Italien", sagte Anlagestratege Daniel Lenz von der DZ Bank. Außerdem könne sie die Risikoaufschläge für Papiere wirtschaftlich schwächerer Länder unter Kontrolle halten.

Die EZB-Ankündigung ermunterte Anleger zum Kauf von Bonds aus Italien, Spanien, Portugal und Griechenland. Dies drückte die Renditen und auch die Risikoaufschläge (Spreads) zu vergleichbaren Bundesanleihen.

ÖLPREIS ERNEUT UNTER DRUCK

Für den Ölpreis ging es dagegen weiter abwärts. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um zwei Prozent auf 26,84 Dollar je Barrel (159 Liter). Wegen des weitgehenden Stillstands der Weltwirtschaft rechnen die Experten der Bank Goldman Sachs mit einem Rückgang der Nachfrage um 10,5 Millionen Barrel pro Tag im März und um 18,7 Millionen Barrel im April. Im vergangenen Jahr habe der tägliche Bedarf bei rund 100 Millionen Barrel gelegen. Gleichzeitig werde der Markt wegen des Preiskriegs zwischen den wichtigen Förderländern Saudi-Arabien und Russland mit Rohöl geflutet, sagte Stephen Innes, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses Axicorp.

Am Aktienmarkt setzten die Touristik- und Luftfahrtwerte ihren Erholungskurs fort. Der europäische Branchenindex gewann 5,9 Prozent, nachdem er in den vergangenen Wochen wegen der weit verbreiteten Reisebeschränkungen zeitweise um mehr als die Hälfte eingebrochen war. Sein US-Pendant legte doppelt so stark zu und steuerte mit einem Plus von bislang insgesamt etwa 50 Prozent auf den größten Wochengewinn seiner Geschichte zu. Zuvor hatte der US-Senat ein 58 Milliarden Dollar schweres Rettungspaket für die Branche abgesegnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kurs zu Ölpreis Brent Rohstoff

  • 22,72 USD
  • +3,88%
31.03.2020, 19:59, Deutsche Bank Indikation
Weitere Reuters-News
alle Artikel anzeigen

Zugehörige Derivate auf Ölpreis Brent ... (51)

Derivate-Wissen

Mit Kapitalschutz in Rohstoffe investieren?

Mit Garantiezertifikaten können Sie mit geringem Risiko in Rohstoffe investieren.

Erfahren Sie mehr zu Garantie-Zertifikaten