Bitcoin: Countdown bis zum Halving – Mögliche Preis-Szenarien und alles was man zu diesem Ereignis wissen muss

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Bitcoin: Countdown bis zum Halving – Mögliche Preis-Szenarien und alles was man zu diesem Ereignis wissen muss

Nach dem Corona-Crash und dem Fall bis auf 3.800 Dollar war der Schock auch bei den Bitcoin-Anlegern groß, denn mit diesem Fall von über 60 Prozent hat die Kryptowährung den schnellsten und härtesten Nierenhieb aller Assets im März während des Crashs abbekommen. Die Erholung lief jedoch genauso beeindruckend. Vom Tief Mitte März ging es bis Ende April mit einem Plus von 130 Prozent wieder bis an die Grenze von 9000 Dollar.

Dort ist der Bitcoin seit diesem Monat in einem Korridor zwischen 8.600 und 9100 Dollar gependelt, doch heute konnte die Kryptowährung weiter klettern und notierte zwischenzeitlich bei über 9.300 Dollar.

Das dritte Halving

Ein Grund für den Preisauftrieb dürfte ein entscheidendes Ereignis innerhalb des Ökosystems der Kryptowährung sein: Die Halbierung der neu erzeugten Bitcoin-Einheiten. Es ist bereits die dritte Halbierung innerhalb des Lebenszyklus von Bitcoin seit seinem Beginn im Jahr 2009. Das erste Halving fand am 26. November 2012 statt, das zweite am 11. Juli 2016. Das dritte wird nächste Woche, am 12. Mai 2020 stattfinden und die neuerzeugte Menge an Bitcoins wird von derzeit 12,5 auf dann nur noch 6,25 halbiert.

Was ist das Halving?

Bitcoin funktioniert über ein dezentrales Datenspeichersystem, der sogenannten Blockchain. Innerhalb dieser werden Informationen in Daten-Blöcken gespeichert, die kryptografisch verschlüsselt und miteinander verknüpft sind. Deswegen der Name Blockchain („Block-Kette“).

Innerhalb der Bitcoin-Blockchain wird in diesen Blöcken festgehalten, welcher Teilnehmer wie viele Bitcoins besitzt, und zudem werden alle Transaktionen aufgenommen, gespeichert und aktualisiert. Es ist im Grunde nichts anderes als ein digitales Kassenbuch, welches ständig aktualisiert wird. Sogenannte „Miner“ halten dieses System am laufen, indem sie diese Blöcke „errechnen“, die Transaktionen eintragen und abspeichern. Als Belohung dafür erhalten sie die fälligen Transaktionsgebühren. Dazu aber noch mehr: Sie erhalten zusätzlich für jeden Block, den sie errechnen, eine gewisse Menge an Bitcoins. Am Anfang waren dies 50, ab 2012 dann 25, ab 2016 dann 12,5 – und ab nächster Woche eben nur noch 6,25 Bitcoins.

Es dauert jeweils vier Jahre, bis eine Halbierung stattfindet, da in dem Blockchain-Protokoll festgelegt ist, dass das Event alle 210.000 Blöcke ausgelöst wird. Die Erstellung eines Blocks dauert in der Regel 10 Minuten (es gibt Abweichungen, siehe dazu die verlinkten weiterführenden Artikel). Bei diesen Werten kommt man auf eine Halbierung alle vier Jahre.

Sehr detailliert erklärt, wie eine Blockchain funktioniert, wie Bitcoin funktioniert und warum das Halving einen preissteigernden Effekt haben könnte, finden Sie in diesen Artikeln hier:

Wie eine Blockchain funktioniert

Wie Bitcoin funktioniert

Die Stock-to-Flow-Ratio für Bitcoin und Gold

Was bedeutet das Halving für Bitcoin?

Durch die erneute Halbierung wird der deflationäre Charakter der Kryptowährung weiter gestärkt. Durch die regelmäßige Halbierung ist festgelegt, dass sich die Menge neu erzeugter Bitcoins bei etwa 21 Millionen einpendeln wird, da bis zu dieser Menge so viele Halbierungen stattgefunden haben, dass nur noch der Bruchteil einer Kommastelle an neuen Coins erzeugt wird. Dieser Moment wird voraussichtlich irgendwann im Jahr 2140 erreicht.

Neben seiner systemischen Unabhängigkeit, einfachen Transferierbarkeit und ausfallsicheren Verwendung wird Bitcoin daher auch aufgrund seiner wertspeichernden Eigenschaften als Investment getätigt. Im Gegensatz zu inflationären Fiat-Währungen wie Euro oder Dollar wird Bitcoin mit der Zeit zunehmend „seltener“, da die Neuversorgung immer geringer wird.

Was bedeutet das Halving für das Krypto-Ökosystem?

Für die Mining-Industrie, also diejenigen, die die Blockchain am laufen halten und die Transaktionen verarbeiten, bedeutet das Halving auf kurze Sicht vor allem eines: Der Umsatz wird bei gleichbleibendem Aufwand halbiert. Die Stromkosten und Rechenleistung bemessen sich nämlich keinesfalls an der Menge der erzeugten Bitcoins – die wird wie bereits beschrieben von dem Protokoll festgelegt – sondern daran, wie viele Miner an dem System angeschlossen sind. Je mehr „Rechenpower“ im Netzwerk steckt, desto mehr Rechenleistung wird für den kryptografischen Vorgang benötigt, der einen neuen Transaktionsblock erzeugt. Alle zwei Wochen scannt das Protokoll automatisch die im Blockchain-Netzwerk enthaltene Rechenleistung und passt entsprechend die Schwierigkeit dieses Vorgangs an. Daher haben neben den Anlegern vor allem auch die Mining-Unternehmen ein großes Interesse daran, dass der Preis nach der Halbierung steigt. Nach den letzten beiden Halvings hat dies keine langfristigen Probleme für den Sektor bedeutet, da der Preis extrem nach oben gegangen ist. Sollten dennoch einige Mining-Unternehmen vom Netz gehen, wird die Schwierigkeit verringert und somit auch die benötigte Strom- und Rechenleistung. Das macht das Mining-Geschäft billiger in der Ausführung und somit irgendwann wieder lukrativ.

Was bedeutet das Halving für den Bitcoin-Preis?

Man soll in die Vergangenheit blicken, wenn man für die Zukunft lernen will. So oder so ähnlich heißt es in einem alten Sprichwort. Im Falle der Bitcoin-Historie heißt das, dass der Preis nach den letzten beiden Halvings jeweils stark gestiegen ist – jedoch hat die Preissteigerung jeweils in einem langen Zeitraum und nicht direkt danach eingesetzt, der jeweilige Preis-Peak wurde erst zwei Jahre nach den beiden Halvings erreicht.

Der Kurs wird in diesem Chart logarithmisch dargestellt, um die Preisbewegung besser nachvollziehen zu können.

Auffallend ist, dass die Preisbewegung recht synchron abgelaufen ist, beide Male hatte der Preis etwa zwei Jahre nach der Halbierung einen Höchststand erreicht und war vorher, erst langsam, dann stark angestiegen. Eine Erklärung für dieses Muster liefert das (bereits oben verlinkte) Stock-to-Flow-Modell, welches den Preis anhand der Solidität von Bitcoin darstellt, die mit jeder Halbierung des „Flows“, also dem Nachschub an neuen Bitcoins, erhöht wird.

Sollte sich die Geschichte also genau spiegeln, würde die Bewegung des Preises in den letzten zwei Jahren nach dem Peak bei 20.000 Dollar in etwa auch der Bewegung nach dem ersten Peak bei 1000 Dollar entsprechen, wie hier im nicht logarithmischen Chart zu sehen ist:

Entsprechend würde das auch bedeuten, dass der Preis danach erneut eine ähnlich parabolische Preisentwicklung durchmachen würde, mit einem Peak etwa im Jahr 2022.

Was spricht für eine solche Wiederholung?

Das Argument bleibt das gleiche wie vor den beiden bisherigen Halbierungen: Bitcoin erhöht durch die Verknappung seine Solidität, wird deflationärer und damit ein noch besserer Wertspeicher. Seine weiteren positiven Eigenschaften durch Dezentralität, einfacher Transferierbarkeit und ausfallsicherer Verwendung bleiben vorhanden und werden mit weiterem Wachstum des Ökosystems ebenfalls noch ausgebaut.

Was spricht dagegen?

Die Narrative: Vor den ersten beiden Halbierungen war die fundamentale Ausgangslage dieselbe, nur war sie bis dahin noch überhaupt nicht präsent in den Köpfen der meisten Anleger. Spätestens 2019 wurde die Stock-to-Flow-Theorie und das Halving jedoch sehr präsent in den Medien behandelt und mittlerweile besteht die Möglichkeit, dass das Event zu einem guten Teil eingepreist sein könnte – da jeder damit rechnet und entsprechend keiner mehr kauft.

Wahrscheinlichkeit – moderat

Manipulation: Schon immer gab es Thesen, dass der Bitcoin-Preis manipuliert wird. Sei es durch den Stablecoin Tether, durch nicht regulierte Börsen,  durch „Crypto-Whales“ die erhebliche Mengen an Coins besitzen und damit Preismanipulation betreiben, oder auch durch gefakte Volumina auf den diversen Krypto-Handelsplattformen. Teilweise dürften all diese Punkte durchaus stimmen, da der ganze Krypto-Sektor immer noch jung und entsprechend unreguliert ist. Zudem haben wie gesagt die Mining-Unternehmen ein besonderes Interesse daran, dass der Preis möglichst schnell nach dem Halving steigt, um weiterhin lukrativ im Geschäft zu bleiben. Daher kann man diesen Punkt nicht komplett ausschließen, vor allem weil der Markt zentralisierter ist, als man vielleicht denkt. Gut 80 Prozent der Mining-Power sitzt in China. Zwar sind das größtenteils lose zusammengeschlossene Mining-Pools, dennoch dürfte eine gewisse Zusammenarbeit nicht ausgeschlossen sein. Und da die Miner direkt an der Quelle sitzen, könnten sie neu erzeugte Coins vom Markt zurückhalten, um für Kaufdruck zu sorgen. Die Exchanges wiederum haben ein Interesse an der (erfolgreichen) Narrative des Halvings, da dies weitere Kunden anlocken dürfte und entsprechend die Umsätze im Tradinggeschäft erhöht.

Wahrscheinlichkeit – bis zu einem gewissen Grad durchaus möglich

Ein „externes“ Event: So schlüssig die Stock-to-Flow-Theorie auch sein mag – sie gilt nur „innerhalb“ des Bitcoin-Ökosystems, beziehungsweise nur solange, wie Bitcoin auch als Wertspeicher und Anlageinstrument überhaupt attraktiv bleibt. Es gibt mehrere Events, die den Preis drücken könnten. Eins davon wäre beispielsweise ein Verbot in einem Land, das wichtig für das Ökosystem ist und ein hohes Handelsvolumen vorweist, sowie einen hohen Stellenwert im internationalen Bereich bei der Aufstellung von Richtlinien hat. Sollten zum Beispiel die USA oder Südkorea den Handel mit Bitcoin verbieten, wäre das ein herber Schlag (jedoch nicht das Ende) für den gesamten Krypto-Sektor und der Preis dürfte stark darunter leiden.

Wahrscheinlichkeit – sehr unwahrscheinlich

Lesen Sie auch: Was passiert, wenn Bitcoin verboten wird – Ein Szenario

Auch das Coronavirus als externes Event könnte weiteren Einfluss auf den Preis nehmen. Im März haben wir gesehen, wie Bitcoin bis auf 3.800 Dollar abgestürzt ist. Am Markt herrschte Panik. Liquidität – und damit Dollar – war gefragt und alles auch nur halbwegs spekulative wurde abgestoßen, so auch Bitcoin. Falls die Pandemie für einen weiteren Crash sorgt, könnte das auch Bitcoin erneut in die Tiefe reißen, wenn auch eher kurzzeitig.

Wahrscheinlichkeit – moderat

Fazit – kurzfristig ungewiss, auf lange Sicht bullisch

Somit kann man abschließend sagen, dass das Halving auf kurze Sicht schwer einschätzbar ist, aufgrund der oben genannten Aspekte. Auf lange Sicht dürfte die Chance jedoch hoch sein, dass es einen weiteren positiven Effekt auf den Preis haben wird, da die Solidität, bzw. „Knappheit“ von Bitcoin verstärkt wird. Sollte zudem die technische Entwicklung in Form von besserer Skalierbarkeit und Nutzerfreundlichkeit, sowie die allgemeine Akzeptanz der Kryptowährung ebenfalls weiter steigen – und danach sieht es aus – dürfte auch der Preis weiter steigen, da noch mehr Leute Bitcoin verwenden wollen. Egal ob als Wertspeicher oder sogar als Währung.

onvista-Investment-Idee: Bitcoin – Ja oder Nein?

Von Alexander Mayer

Titelfoto: Iaremenko Sergii / Shutterstock.com

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