onvista-Investment-Idee: Bitcoin – Gehört die Kryptowährung ins Portfolio oder nicht?

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Bitcoin ist ein Reizwort für viele, sei es positiv oder negativ – Spekulationsblase, Schneeballsystem, „Rattengift zum Quadrat“ (Warren Buffett), aber auch digitales Gold, disruptive Technologie, Gegenentwurf zum derzeitigen Finanzsystem - All das ist Bitcoin schon genannt worden.

onvista-Investment-Idee: Bitcoin – Gehört die Kryptowährung ins Portfolio oder nicht?

Bitcoin hat bereits eine turbulente Vergangenheit hinter sich

Aus rein finanzieller Sicht lockt Bitcoin als Investment mit extremen Renditen, die Performance seit der frühesten Messung auf Handelsplätzen beträgt laut dem open source Krypto-Datenanbieter coinmarketcap.com sage und schreibe 5180 Prozent (Stand Januar 2020). Im Jahr 2019, ausgehend vom Start des letzten Aufwärtstrends bei einem Preis von 3200 Dollar, lag die Performance bis zum letzten Peak im Juli 2019 (etwa 13.700 Dollar) wiederum bei 328 Prozent. Auf der anderen Seite stehen aber natürlich auch Verluste von bis zu 90 Prozent zu Buche, beispielsweise nach dem letzten beispiellosen Bullrun Ende 2017, innerhalb dessen der BTC-Preis (BTC ist das gängige Ticker-Symbol für Bitcoin) bis an die Grenze von 20.000 Dollar klettern konnte, nur um dann im Laufe des Jahres 2018 wieder über 80 Prozent an Wert einzubüßen. Ein hoch volatiles Asset also. Dennoch, blickt man auf die historische Statistik des Bitcoin, so musste man die Kryptowährung in der Vergangenheit durchschnittlich 1335 Tage lang halten, um 100 Prozent Gewinn zu erzielen, das entspricht etwa 3,65 Jahren. Für 75 Prozent Profit haben bisher durchschnittlich 317 Tage gereicht, was der bisher stattgefundenen, durchschnittlichen Länge eines Bärenmarktes im Krypto-Sektor entspricht.

Aus einer mehr ideologischen Sicht (die bei vielen Anhängern innerhalb der Welt der Kryptowährungen durchaus zu erkennen ist) bietet der Bitcoin einen Gegenentwurf zum bisherigen Finanzsystem, in dem man noch auf zentrale Instanzen wie Banken und andere Finanzdienstleister angewiesen ist, um Währungstransaktionen zu tätigen. Nicht zufällig liegt der Ursprung des Bitcoin-Konzeptpapiers (oder auch Whitepaper genannt) in der Zeit der letzten großen Finanzkrise 2008. Auf der anderen Seite ähnelt der Krypto-Markt in seiner jetzigen Form eher dem Wilden Westen, es gab und gibt unzählige dubiose, teilweise gänzlich unregulierte und intransparente Projekte, die über sogenannte Initial Coin Offerings (ICOs) Summen in Millionenhöhe von Investoren eingesammelt haben. In vielen Fällen sind die Urheber dann entweder direkt über alle Berge verschwunden, da die Absicht ausschließlich krimineller Natur war, oder konnten schlicht und einfach kein echtes Problem mit ihren Konzepten lösen. Ein Großteil dieser Projekte ist in einem frühen Stadium gescheitert, teilweise ohne eine Zeile Programmier-Code zu schreiben. Die Gelder der Investoren wurden dabei ohne vorzeigbares Ergebnis verschlungen.

10 Jahre nach der Geburtsstunde des Bitcoin und der dahinterliegenden Blockchain-Technologie ist die Adaption dennoch weit vorangeschritten und Bitcoin, sowie einige andere Krypto-Projekte, können an vielen Stellen bereits als Zahlungsmittel genutzt werden, oder bieten andere tatsächliche Anwendungsmöglichkeiten an. Zudem sind die Blockchain-Technologie und Bitcoin mittlerweile auf dem Schirm der Behörden aufgetaucht und die Bemühungen, einen umfassenden rechtlichen Rahmen für die Nutzung zu schaffen, schreiten langsam aber sicher voran. Seit diesem Jahr ist es beispielsweise Banken in Deutschland erlaubt, Kryptowährungen und andere „Krypto-Werte“  direkt an Kunden anzubieten.

Doch am Ende ist die Frage, die Investoren wirklich interessiert: Gehört Bitcoin nun ins Portfolio oder nicht? Um diese Frage zu beantworten, ist es ratsam zunächst ein grobes Verständnis zu entwickeln, wie Bitcoin funktioniert und vor allem was es mit dem dahinter liegenden Fundament, der Blockchain-Technologie, auf sich hat.

Was ist eine Blockchain?

Kurz zusammengefasst: Eine Blockchain ist eine digitale Datenbank, auf der Informationen dezentral abgespeichert werden können. Diese Informationen können im Grunde alles darstellen, im Fall von Bitcoin sind es Informationen darüber, welcher Teilnehmer der Blockchain wie viele Bitcoins sein Eigen nennt. Der Zweck einer Blockchain: Zentrale Akteure, wie zum Beispiel Banken, Versicherungen, Plattformen jeglicher Art (Soziale Netzwerke, Musik- und Filmplattformen, etc.), oder Lizenz- und Besitzrechtverwalter mit Hilfe einer dezentralen Struktur überflüssig zu machen und Interaktionen direkt zwischen den Teilnehmern zu ermöglichen (Peer to Peer).

In diesem Artikel hier finden Sie eine detaillierte Erklärung, wie eine Blockchain funktioniert

Und was ist Bitcoin genau?

Ein Bitcoin ist im Grunde nicht mehr als eine Eintragung in der Blockchain. Bei einer Bitcoin-Transaktion wird nicht wirklich etwas versendet, sondern nur die Eintragung innerhalb der Blockchain aktualisiert, dass beispielsweise Besitzer A nun weniger Bitcoin-Einheiten hat und Besitzer B dafür mehr. Die dezentrale und kryptographisch verschlüsselte Blockchain garantiert dabei, dass die Eintragungen nicht gefälscht werden, oder Bitcoin doppelt versendet werden können (Die Lösung des sogenannnten „Double Spending“ Problems). Der Zweck von Bitcoin: Banken überflüssig machen und ein sicheres digitales Geldsystem schaffen, das unabhängig von irgendwelchen Grenzen oder einer zentralen Verwaltung und direkt von Person zu Person funktioniert. Daraus geht im Endeffekt auch eine Herausforderung des staatlichen Geldmonopols durch diese neue Art von Währung hervor.

In diesem Artikel hier finden Sie eine detaillierte Erklärung, was es mit Bitcoin auf sich hat

Gibt es Faktoren, an denen man eine Preis-Bewertung für Bitcoin im Ansatz festmachen könnte?

Bitcoin hat keinerlei Fundamentalwert, da es im Grunde nur eine digitale Eintragung auf einer Blockchain ist. Der Preis bestimmt sich allein aus Angebot und Nachfrage. Der (potenzielle) intrinsische Wert ergibt sich aus den technologischen Vorteilen der Dezentralität gegenüber herkömmlichen zentralen Strukturen des Finanzsystems. Auch die Tatsache, dass die Bitcoin-Blockchain seit nun 10 Jahren in Betrieb ist und in dieser Zeit nie ausgefallen ist, spricht für eine grundsätzlich sehr verlässliche digitale Infrastruktur - das erzeugt einen gewissen vertrauensbasierten Wert.

Stock to Flow Ratio und das „Bitcoin-Halving“

Die sogenannte „Stock to Flow Ratio“ ist ein Modell, welches bisher vor allem bei Gold als ein Preis-Indikator herangezogen wird. Es handelt sich dabei um das Verhältnis zwischen dem Bestand eines Rohstoffes und der jährlichen Produktionsmenge, also dem „Nachschub“ des Rohstoffes. Bei Rohstoffen, die einen hohen industriellen Nutzen haben, ist dieser Wert in der Regel gering und Überproduktion oder Engpässe haben massive Auswirkungen auf den Preis (Ein Beispiel dafür wäre Palladium, das unter anderem für Abgaskatalysatoren in der Autoindustrie verwendet wird). Bei Edelmetallen wie Gold, die eher die Funktion eines Wertspeichers haben, ist die Stock to Flow Ratio jedoch sehr hoch. Gold wird nicht verbraucht, sondern gehortet, der Bestand ist also über die Jahrhunderte beständig gewachsen. Die jährliche Produktion ist im Vergleich zum Bestand sehr gering, das erzeugt eine Knappheit bei der Versorgung, auch weil die Förderung von Gold mit einer Menge Aufwand verbunden ist. Dadurch erhält Gold einen hohen monetären Wert.

Ausgehend von den 2018 erhobenen Zahlen des World Gold Councils – einer geförderten Gold-Menge von 3346,9 Tonnen und einem Gesamtbestand von 193.472,4 Tonnen – hat Gold eine Stock to Flow Ratio von 58 Jahren. Diese Zahl erhält man, wenn man den Bestand (Stock) durch die Produktion (Flow) dividiert.

Bei Bitcoin ist die Stock to Flow Ratio ebenfalls ein interessanter Wert. Zum einen, weil Bitcoin eine ähnliche Funktion wie Gold als Wertspeicher zugesprochen wird. Zum anderen, da sich der Preis seit 2010, dem Jahr, in dem zum ersten Mal Bitcoin gehandelt wurde, recht konstant an dem Modell orientiert hat. Das Besondere dabei liegt in der Art und Weise, wie die Erzeugung von Bitcoin geregelt ist. Sie ist durch das zugrundeliegende Blockchain-Protokoll festgelegt und die Menge halbiert sich alle 4 Jahre.

Stock to Flow Ratio BTC Price Model     –      Quelle: digitalik.net

Momentan werden pro neuem Transaktionsblock 12,5 neue Bitcoins erzeugt, das entspricht 657.000 neu erzeugten Bitcoins pro Jahr. Bei einer momentanen Gesamtmenge von 17,965 Millionen Bitcoin ergibt sich daraus eine Stock to Flow Ratio von 27,3 Jahren. Bei der nächsten Halbierung der Bitcoin-Erzeugung (ca. Mai 2020) wird sich dieser Wert, ausgehend von der momentanen Gesamtmenge, auf etwa 54 Jahre erhöhen und nähert sich damit dem Wert von Gold an. In der historischen Betrachtung der Bitcoin-Wertentwicklung ist zu erkennen, dass sich der Preis bisher recht stark an diesem Modell orientiert hat und sich zudem beide Bullruns zeitlich nach den zwei bisherigen Halbierungen eingeordnet haben.

Eine detaillierte Beschreibung des Stock-to-Flow-Ratio-Modells für Gold und Bitcoin finden Sie hier

Zu diesem Punkt anschließend eine Einschätzung: Wenn dieses Modell bisher sehr genau die Preis-, bzw. Wertentwicklung widerspiegelt und offensichtlich für die Zukunft noch höhere Preise für Bitcoin vorhersagt, warum ist dieses „Versprechen“ nicht bereits eingepreist? Zum einen: Dieses Modell lässt sich nur innerhalb der Bitcoin-Ökonomie anwenden, externe Faktoren, die den Preis beeinflussen, wie beispielsweise ein Handels-Verbot für Kryptowährungen, oder auch ein Ereignis, dass die Funktionalität der Blockchain an sich infrage stellt (beispielsweise ein fortgeschrittener Quantencomputer), kann das Modell nicht abbilden.

Ein weiterer Faktor sind die Produktionskosten für Bitcoin. Die „Miner“, die die Blockchain am laufen halten, verwenden Hardware und verbrauchen Strom für die Erzeugung, was einen ganz bestimmten Kostenaufwand erzeugt, sozusagen einen Mindestwert, den sie für ihre erzeugten Bitcoin-Einheiten, die sie auf den Markt bringen, verlangen müssen, um Profit zu erwirtschaften. Auf Angebotsseite kann dieser Preis jedoch dadurch in der Nähe dieses Levels gehalten werden, indem zum einen einige Käufer nicht bereit sind, einen Bitcoin für wesentlich mehr, als den „fairen“ Produktionskosten-Wert zu kaufen und zum anderen, dass andere Miner preislich näher an den fairen Wert rücken, als andere, um sie zu unterbieten und so den Vorzug zu bekommen (denn es ist anzunehmen, dass Mining-Firmen in der Regel nicht alle ihrer erzeugten Bitcoin-Einheiten horten können, auch in Erwartung steigender Preise, denn sie dürften auf die Einnahmequelle angewiesen sein, um ihre Kosten zu decken, den Betrieb aufrecht zu erhalten und eben auch um Gewinne zu erwirtschaften). Durch die oben beschriebene Halbierung der Bitcoin-Erzeugung halbiert sich das Angebot und die Produktionskosten verdoppeln sich - somit auch der auf Produktionsebene vorgestellte „faire“ Wert für Bitcoin. Und zusätzlich wird die „Knappheit“ durch einen höheren Stock to Flow Wert erhöht und kann den Preis theoretisch weiter ansteigen lassen.

Nun kommen wir zu den Chancen und Risiken von Bitcoin, um auszuwerten welche Seite überwiegt und ob damit ein Investment sinnvoll sein kann oder nicht:

Die Chancen von Bitcoin

Vertrauensloser Zahlungsverkehr: Bitcoin ist dezentral. Das heißt, man benötigt theoretisch keine Drittpartei wie eine Bank oder ähnlichen Finanzdienstleister, um das Geldsystem nutzen zu können. Das einzige, das man benötigt, um Bitcoin zu nutzen, ist ein internetfähiges Gerät wie beispielsweise ein Smartphone. Aufgrund seiner dezentralen Beschaffenheit ist Bitcoin nicht an Ländergrenzen gebunden und kann theoretisch als globales Zahlungsmittel (mit sehr geringen Transaktionskosten) verwendet werden.

Enteignungsresistent: Bitcoins sind zudem immer im direkten Besitz des Eigentümers (außer ein Drittanbieter verwahrt sie für den Kunden). Es ist so gut wie unmöglich, einen Bitcoin-Besitzer zu enteignen, da das gesamte System, auf dem Bitcoin beruht, dezentral ist und es mit einem unglaublichen Rechenaufwand verbunden wäre, mehr als die Hälfte des Systems zu kontrollieren und damit in der Lage zu sein, den Zustand der Blockchain, auf der die Besitzverhältnisse eingetragen sind, im eigenen Sinne zu verändern (Eine sogenannte 51 Prozent Attacke).

Wertspeicher (Digitales Gold): Diese Enteignungsresistenz, sowie die Unabhängigkeit von Zentralbanken und anderen staatlichen Apparaten macht ihn zum jetzigen Zeitpunkt, in der politische und wirtschaftliche Unruhen herrschen wie der Handelsstreit zwischen den USA und China, der Brexit, der Öl-Konflikt im Nahen Osten, oder auch die schwächelnden globalen Konjunkturdaten, zu einem alternativen Wertspeicher. Oft wird dabei eine Ähnlichkeit zu Gold abgeleitet. Die Vorteile liegen jedoch in der digitalen Beschaffenheit, die die Benutzung von Bitcoin wesentlich handlicher macht und es zudem ermöglicht, Bitcoin auch tatsächlich zum Bezahlen nutzen zu können - etwas, was Gold nicht wirklich von sich behaupten kann (mit Goldmünzen zahlen wohl die wenigsten).

Netzwerkexternalität: Dieser Faktor sagt aus, dass je mehr Nutzer in einem Netzwerk aktiv sind, desto größer wird der Nutzen für alle Nutzer dieses Netzwerks. Für Bitcoin heißt das folgendes: Je weiter die Adaption von Bitcoin in der Wirtschaft und im Alltag voranschreitet, desto schneller wächst die Akzeptanz und Bekanntheit. Dadurch, dass Bitcoin die bekannteste und am weitesten verbreitete Kryptowährung ist, gibt ihm das einen Vorteil gegenüber anderen Coins. Noch hinzu kommt, je mehr aktive Betreiber in die Bitcoin-Blockchain einsteigen, desto sicherer und dezentraler wird sie, da mehr Rechenleistung und mehr unabhängige Transaktions-Überprüfer hinzukommen.

Eintritts-Tor zu einer neuen Technologie: Bitcoin (und Blockchain) hat durch seinen neuartigen Ansatz der vollständigen Dezentralität ein gigantisches Potenzial, diverse Bereiche stark zu verändern, nicht nur das Finanzsystem. Die Blockchain fällt ohne Zweifel in die Kategorie disruptive Technologie, die das Gesicht dieser Welt maßgeblich verändern könnte (Ansätze dessen sind bereits erkennbar, beispielsweise durch bereits konzipierte, dezentrale Versionen von Social Media Plattformen, dezentralen Krypto-Marktplätzen, oder auch auf einer Blockchain verwalteten Besitzrechtansprüchen). Vom Ausmaß her kann man hier durchaus Parallelen zur Entwicklung des Internets ziehen und die Stoßkraft der Blockchain könnte vielleicht sogar noch darüber hinaus gehen. Einige Experten zählen die Blockchain sogar als nächste Stufe der Evolution des Internets.

Phase eins war ein „Informations-Internet“ - Es wurde möglich, Information mit einer vorher nie dagewesenen Geschwindigkeit, Einfachheit und Effizienz zu verbreiten. Phase zwei war das „Plattform-Internet“ - Dadurch wurden Dinge wie Amazon, Facebook, Youtube und diverse andere Online-Dienstleistungen möglich. Hier hat sich vor allem der wirtschaftliche Einfluss so richtig bemerkbar gemacht. Die großen FAANG-Unternehmen, Sinnbilder dieses Plattform-Internets, sind heute mit die größten wirtschaftlichen Player überhaupt. Phase drei wird aus Sicht vieler Experten das „tokenisierte Internet“ sein - Also potenziell sämtliche existierenden Vermögenswerte und Informationen generell werden in Form von digitalen Token abgebildet und deren Austausch auf ein neues Level gehoben = einfacher, automatisierter, schneller, grenzenloser. Blockchain kann das Fundament dieses tokenisierten Internets sein.

Das oben beschriebene trifft zwar mehr auf die Blockchain-Technologie an sich als auf Bitcoin zu, doch Bitcoin ist die älteste Kryptowährung und das erste Blockchain-Netzwerk überhaupt. Zudem ist es aufgrund seiner Größe das mit Anstand stabilste dieser Art. Mit einer Dominanz von über 68 Prozent der Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen (Stand Januar 2020) ist er dazu bis auf weiteres der unangefochtene Platzhirsch. Die Kursentwicklung des BTC wirkt sich massiv auf sämtliche anderen Krypto-Token aus. Wohin sich der Bitcoin bewegt, dahin gehen im Großen und Ganzen auch die anderen Coins und Token. Der Bitcoin hat zudem die mit Abstand größte Adaption in der realen Welt - Mit BTC kann man tatsächlich bei manchen Anbietern bezahlen. Bitcoin ist zudem immer noch das Tor hin zu den meisten anderen Projekten. Die meisten Tokens können nicht direkt mit normalem Geld erworben werden. Will also jemand in ein spezielles Krypto-Projekt investieren, dann geht in den meisten Fällen der Weg zunächst über Bitcoin. Deswegen ist BTC innerhalb des Krypto-Sektors, das zuverlässigste, am besten einschätzbare Investment, um an der Blockchain-Entwicklung an sich zu partizipieren.

Die Risiken von Bitcoin

Deflation: Die maximale Obergrenze von 21 Millionen BTC ist ein potenzieller Kritikpunkt, da sie deflationär wirkt. Das kann aus Sicht vieler Ökonomen für ein Geldsystem, das auf Liquidität angewiesen ist, ein negativer Faktor sein, da so das Wirtschaftswachstum und der Konsum potenziell gebremst werden können, so das Argument.

Eigenverantwortung: Ein ganz wesentlicher Punkt ist die eigene Kontrolle über die eigenen Bitcoin-Einheiten. Was ein absoluter Vorteil ist, kann sich genauso gut zu einem extremen Nachteil entwickeln, denn: Wenn man seinen privaten Schlüssel verlieren, vergessen, oder sonst wie unzugänglich machen sollte, dann sind die Bitcoins hinter dem Schlüssel unwiederbringlich verloren. Es gibt keine Möglichkeit, die Kontrolle über die Bitcoins ohne den privaten Schlüssel zu erhalten. (Mehr Informationen dazu im Bitcoin-Erklärstück)

Technische Endgültigkeit: Auch wenn man die falsche Adresse beim Empfangen oder Versenden von Bitcoins angibt, oder auch die falsche Menge, hat man dieses Problem. Es ist aufgrund der technischen Beschaffenheit einer Blockchain nicht möglich, solche Fehler wieder rückgängig zu machen - die versendeten BTC sind verloren, bzw. können nicht zurückgeholt werden, außer der Empfänger sendet sie freiwillig zurück.

Marktmanipulation: Vor allem bei dem umstrittenen Stablecoin Tether ist schon oft der Verdacht in den Raum geworfen worden (konnte bisher aber nie bestätigt werden), dass mit ihm der Bitcoin-Preis manipuliert wird. Tether ist ein Stablecoin, also eine Kryptowährung, die immer den Wert von genau einem US-Dollar haben soll. Das wird erreicht, indem jeder Tether-Coin 1:1 mit einem Dollar hintelegt ist (und somit theoretisch immer gegen diesen umtauschbar). Der Vorwurf: Tether gibt seine Coins an seine Kunden aus, noch bevor diese damit bezahlen, sodass diese dann den Markt (bzw. den Bitcoin-Preis) über pump and dump Strategien manipulieren, Gewinne einfahren und Tether erst dann den Betrag in Dollar bezahlen.

Ausführlichere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier

Enorme Marktkonzentration: Bitcoin war in seinen Anfängen nur in der Programmierer-Szene bekannt und hat dementsprechend dort seine erste Verbreitung gefunden. Bitcoin mag von seiner Struktur her zwar dezentral sein, die Verteilung ist aber alles andere als dezentral. Es gibt einige wenige Adressen, die jeweils eine enorme Menge an BTC auf sich vereinen.

richest Bitcoin adresses      –      Quelle: bitinfocharts.com

Dadurch wird den Besitzern dieser sogenannten „Wallets“ potenziell die Möglichkeit eröffnet, mit ihren enormen Mengen an BTC den Markt zu beeinflussen. Viele Marktbeobachter nehmen auch genau diesen Umstand immer wieder als Erklärung, wenn der Preis massiv in die eine oder andere Richtung ausschlägt. Der Vorteil an der Blockchain: Alle Transaktionen sind sichtbar, was eine Manipulation hinter den Kulissen relativ schwierig macht. Der Twitter-Account „Whale-Alert“ vermeldet jede größere Bewegung, wenn wieder ein „Bitcoin-Wal“ größere Mengen der Kryptowährung verschiebt.

Ein weiterer Punkt, der die Marktkonzentration noch weiter verschärft, ist die Dunkelziffer an verlorenen Bitcoins, die zwischen 1 und 3 Millionen Einheiten geschätzt wird. Sicher liegen auf einigen Müllhalden Festplatten mit Wallets samt Private Key, auf denen mehrere Bitcoins gespeichert - und für immer verloren - sind.

Regulierung: Wie zuvor beschrieben befassen sich die Regulierungsbehörden der wichtigsten Staaten mittlerweile ernsthaft mit Blockchain und Kryptowährungen. Das könnte einerseits für ein geregeltes Marktumfeld sorgen und die Adaption weiter vorantreiben. Es kann aber genauso gut negativ für den Bitcoin ausgehen und in einem Verbot enden. Im Kern könnte man sagen, dass Bitcoin mit seinem Ansatz das Geldmonopol der Staaten und somit auch einen fundamentalen Teil ihrer politischen Gestaltungshoheit angreift - und ob Staaten das wirklich wollen, ist fraglich. Anhand der Ereignisse rund um Facebooks Krypto-Projekt Libra sieht man den Gegenwind recht deutlich, der von Seiten der Staaten entgegenkommt.

Detailliertere Informationen zu diesen Themen finden Sie in folgenden Artikeln:

Was passiert, wenn der Handel mit Bitcoin verboten werden sollte?

Alles Wichtige zu Facebooks Kryptowährung Libra

Ist Libra gut oder schlecht für den Bitcoin?

Das Proof of Concept einer Central Bank Digital Currency (CBDC) der EZB

Energieverbrauch: Zum Schluss noch das Argument des Klimakillers. Es ist ohne Zweifel korrekt, dass das Bitcoin-Netzwerk aufgrund seiner rechenintensiven Struktur sehr viel Energie verschlingt. Doch das Gegenargument hier lautet, dass die Schuld auch in der Art und Weise der Stromerzeugung gesucht werden kann. Klimaneutral erzeugter Strom wird zudem in vielen Fällen bereits für das Betreiben von Mining-Farmen verwendet. Die Frage ist also eher, ob man bei diesem Problem nicht lieber am Ursprung (der Art und Weise der Stromerzeugung) ansetzen sollte, als einen Energiefresser (Bitcoin) von unzähligen weiteren zu kritisieren (die vielleicht sogar teilweise noch weniger Sinn haben).

++ Fazit – Hat Bitcoin einen Platz im Portfolio verdient? ++

Ein Investment in Bitcoin ist aufgrund der diversen oben beschriebenen Risiken ohne Zweifel in die Kategorie Risiko-Investment, beziehungsweise Spekulation einzuordnen, mit der Möglichkeit des Totalverlusts des eingesetzten Investments. Daher eignet er sich nicht als Anlage für die Altersvorsorge. Dennoch bietet der Bitcoin durch die oben beschriebenen Chancen auch gigantisches Potenzial. In meinen Augen überwiegt dieses Potenzial die Risiken, deswegen würde ich empfehlen, einen kleinen Teil des eigenen Kapitals in Bitcoin zu investieren, da die Kryptowährung momentan das beste Vehikel bietet, an der weiteren Entwicklung der Blockchain-Technologie als solches zu partizipieren.

Der Zeithorizont eines Investments in Bitcoin sollte langfristig angesetzt sein, ein wichtiger Eckpunkt ist das nächste Halving, welches im Sommer 2020 stattfinden wird. Angesichts der bisherigen Entwicklung des Preises, auch bezogen auf das zuvor beschriebene Stock-to-Flow-Modell, ist es möglich, dass sich der Preis im weiteren Verlauf nach diesem Ereignis zum positiven entwickeln wird. Das ist jedoch nur einer von mehreren Punkten, weitere Gründe für eine positive Preisentwicklung mit dem Ziel des letzten Allzeithochs und darüber hinaus könnten wie oben angesprochen die weitere Adaption, sowie die Funktion als Wertspeicher und Alternative zum jetzigen Finanzsystem sein, die die Nachfrage weiter ankurbeln dürften. Ein Zeithorizont von mindestens drei bis vier Jahren (oder sogar unbegrenzt, zwecks späterer monetärer Verwendung, oder als Wertspeicher-Funktion) ist daher sinnvoll.

Es soll aber trotzdem noch einmal auf die starke Volatilität dieser Asset-Klasse hingewiesen sein. Selbst wenn man das Stock to Flow Modell als Basis für die weitere Preis-Entwicklung in Betracht zieht, sind Preis-Veränderungen um mehrere tausend Dollar auch nach unten weiterhin möglich. Das ändert aber nichts an der langfristigen Chancen-Perspektive von Bitcoin. Die Preis-Zone zwischen 6000 und 7000 Dollar hat sich in den vergangenen zwei Jahren zudem als recht stabile Unterstützungszone herausgestellt.

Lesen Sie auch: Diversifikation und Risikomanagement – Wie man das eigene Portfolio effizient absichert

Von Alexander Mayer

Offenlegung: Alexander Mayer ist in die Kryptowährung Bitcoin investiert.

Foto: Yuri Shebalius / Shutterstock.com

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WICHTIG: Die hier wiedergegebenen Handlungsempfehlungen stellen keine Aufforderung zum Handeln mit den aufgeführten Finanzinstrumenten dar und begründen kein individuelles Beratungs- oder Auskunftverhältnis. Sie ersetzen nicht die selbständige, sorgfältige Prüfung und eingehende Analyse des Investments (Due Diligence), sowohl in Bezug auf seine Chancen als auch auf seine Risiken und ihre persönliche Tragbarkeit.

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Beim Investieren stehen den Chancen immer Risiken gegenüber. Die folgenden groben Risikoklassen geben Ihnen einen Eindruck davon, wie unsere Autoren die für die vorgestellte Investment-Idee notwendige Risikobereitschaft einschätzen.

  • Spekulativ - Für hohe Renditechancen bin ich bereit, sehr große Risiken einzugehen - bis hin zum Totalverlust.
  • Risikobereit - Um höhere Renditen zu erzielen bin ich bereit, mittlere Risiken einzugehen.
  • Konservativ - Um Renditen oberhalb der risikolosen Geldanlage zu verdienen, bin ich bereit geringe Risiken einzugehen.

WICHTIG: Diese Risiko-Einschätzungen beruhen auf dem subjektiven Urteil unserer Autoren zum Zeitpunkt der Analyse-Erstellung. Sie stellen keinerlei Garantie dafür dar, dass die vorgestellten Investments nicht weit höhere Verluste (oder gar den Totalverlust) mit sich bringen, als die zugeschriebene Risikoeinstufung anzeigt.

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