Bitcoin in 2021 noch über 300.000 US Dollar? Warum das nicht total absurd ist

Bernd Schmid

Letzte Woche habe ich in meiner Kolumne darüber geschrieben, was ich für 2021 erwarte und wie Anleger aus meiner Sicht damit umgehen sollten. Ein Thema habe ich dabei nicht erwähnt: Bitcoin.

Bitcoin in 2021 noch über 300.000 US Dollar? Warum das nicht total absurd ist

Bitcoin beendete das Jahr 2020 auf einem Kurs von rund 29.000 US-Dollar. Das war ein Plus von rund 300 % in nur einem Jahr. In dem erst zwei Wochen jungen Jahr 2021 stieg der Bitcoin zwischenzeitlich bereits um mehr als 40 % auf fast 42.000 US-Dollar, nur um dann um 30 % auf wieder rund 29.000 US-Dollar abzugeben und dann wieder um über 20 % auf aktuell rund 35.000 US-Dollar zu steigen.

Willkommen im Alltag der Kryptowelt, wer das noch nicht so oft mitgemacht hat. Es ist im Prinzip wie am Aktienmarkt, nur auf einer komprimierten Zeitschiene. Die wichtige Frage, die sich jetzt einige stellen, die noch nicht so lange bei Bitcoin dabei sind: Ist die Luft bei Bitcoin jetzt schon raus?

Ich denke, ich schulde meinen Lesern eine Einschätzung darauf, da ich (hoffentlich) mit schuldig bin, dass der eine oder andere in den letzten sechs bis zwölf Monaten mit auf den Bitcoin-Zug aufgesprungen ist.

Meine Antwort darauf ist eindeutig: Nein. Weder kurz- noch langfristig.

Warum ich weiter in Bitcoin investiere

Gut, was die langfristige Einschätzung anbelangt, kann die ehrliche Antwort nur lauten: Es kann wirklich alles passieren. Es muss nicht sein, dass sich Bitcoin durchsetzen wird. Die erste aller Kryptowährungen kann durchaus noch verschwinden. Im Moment deutet jedoch nichts darauf hin. Daher würde ich aus langfristiger Sicht nichts an meiner „Kaufen“-Einstellung zu Bitcoin ändern.

Mittelfristig sehe ich das etwas differenzierter. Wer sich die Bitcoin-Kurshistorie anschaut, der sieht relativ deutliche Zyklen. In der folgenden Grafik habe ich einmal den Bitcoin-Kurs seit Ende 2012 im Verhältnis zu seinem jeweils vorherigen Höchstkurs gezeigt (Englisch: den Drawdown) - also um wie viel Prozent der Bitcoin-Kurs unter dem jeweils historischen Höchstkurs lag.

Man sieht zwei sehr ähnliche Bäuche, die sich jeweils über einen Zeitraum von rund vier Jahren ausbildeten (von Hoch zu Hoch) und für einen Absturz zum vorherigen Hoch um rund 80 % sorgten.

Diese Vierjahreszyklen bei Bitcoin sind kein Zufall. Das ist nämlich in etwa die Zeit, die zwischen zwei sogenannten „Halvings“ im Bitcoin-Algorithmus liegt. Ohne zu technisch zu werden: Ein Halving bedeutet, dass die Bitcoin-Miner von einem Moment auf den anderen nur noch halb so viele Bitcoins als Belohnung für ihre Mining-Dienstleistung erhalten.

Das letzte Halving fand im Mai 2020 statt, als die Belohnung für das Finden eines Blocks in der Bitcoin-Blockchain von 12,5 Bitcoin auf 6,25 Bitcoin halbiert wurde.

Dieser Halving-Rhythmus hat historisch gesehen den Bitcoin-Zyklus bisher bestimmt. Vor dem Halving gab es immer ein Kurstief und nach dem Halving ist Bitcoin dann auf neue Hochs gestürmt - im wahrsten Sinne des Wortes.

Die folgende Grafik zeigt, wie sich Bitcoin jeweils seit den letzten beiden Halvings in den darauf folgenden 1.500 Tagen (rund vier Jahren) entwickelte:

Hier sieht man, wie der Bitcoin-Kurs nach den Halvings in 2012 und 2016 förmlich explodierte. Nach 2012 um mehr als 50x und nach 2016 um mehr als 30x.

Und wie sieht es seit dem Halving im Mai vergangenen Jahres aus? Das sieht man hier:

Quelle: nomics.com und eigene Berechnungen


Also so verrückt die Entwicklung von Bitcoin seit Mitte letzten Jahres klingt, so normal ist sie im historischen Vergleich. Wir liegen mit nicht ganz 5x aktuell praktisch exakt dort, wo man zum vergleichbaren Zeitpunkt nach den letzten beiden Halvings im Durchschnitt gelandet wäre.

Ich halte es nicht für abwegig, wenn wir in diesem Zyklus weiterhin zwischen den letzten beiden Zyklen bleiben. Sollte das der Fall bleiben (dahinter steht ein sehr großes OB), dann könnte der Bitcoin-Kurs sich in den kommenden Monaten an der blauen Linie in der folgenden Grafik orientieren:

Diese blaue Linie zeigt, wie sich Bitcoin seit dem letzten Halving entwickeln würde, wenn wir exakt das geometrische Mittel der Entwicklungen nach den letzten beiden Halvings zugrunde legen. Das würde einen Kurs von 300.000 US-Dollar bis November bedeuten, bevor wir dann bis Ende 2022 wieder auf 100.000 zurückfallen würden und uns auf das nächste Halving im Jahr 2024 freuen könnten.

Eine fundamentalere Perspektive

Wer uns Fools schon länger kennt, der weiß, dass wir nichts von reiner Charttechnik basierend auf historischen Kursen halten. Es geht bei uns in erster Linie um die fundamentalen Aussichten.

Aber auch diese sehe ich bei Bitcoin gegeben. Die fundamentale Sichtweise ist geprägt von zwei Faktoren:

dem Narrativ, dass sich Bitcoin zu einer echten Alternative zu Gold entwickelt,dem Fakt, dass immer mehr Unternehmen und institutionelle Investoren Interesse an Bitcoin gewinnen und ebenfalls auf den Zug aufspringen.

Ersteres hängt von Letzterem ab. Ändert sich Letzteres, könnte sich auch das Narrativ „Bitcoin ist ein digitales Gold“ schnell in Luft auflösen. Solange es jedoch nicht danach aussieht, sehe ich persönlich wenig Grund zur Sorge diesbezüglich.

Aus diesem Narrativ (Bitcoin = digitales Gold) lässt sich auch ein fundamentaler „Wert“ für Bitcoin ableiten. Die beste Arbeit in diese Richtung hat aus meiner Sicht ein holländischer institutioneller Anleger unter dem Pseudonym PlanB gemacht.

Er hat herausgefunden, dass der Wert eines seltenen Gutes (wie eben Gold oder Bitcoin) statistisch sehr eng zusammenhängt mit dem sogenannten „Stock-to-Flow-Verhältnis“. Dieses Verhältnis sagt im Prinzip aus, wie viel wir wir im Moment von einem Gut auf der Erde bereits verfügbar haben, im Verhältnis dazu, wie viel wir davon jedes Jahr zusätzlich fördern können.

Wer sich für etwas mehr Details dazu interessiert: In diesem Artikel habe ich versucht, dieses von PlanB beschriebene Phänomen näher zu beschreiben. Für diesen Artikel reicht es aus, zwei Dinge zu diesem Modell zu wissen:

-je höher das Stock to Flow, desto höher der Wert,

-das Stock to Flow von Bitcoin verdoppelt sich nach jedem Halving,

-der Bitcoin-Kurs ist historisch bisher recht genau diesem Modell gefolgt, inklusive der Entwicklung seit dem letzten Halving.

Dieses Modell sieht das nächste Bitcoin-Hoch ebenfalls gut im sechsstelligen Bereich. Also: Eine Verdreifachung bis Ver-X-fachung vom aktuellen Kurs würde ich keinesfalls als Überraschung einstufen.

Aber.

Keine Garantien beim Investieren!

So plausibel das alles klingt, es gibt beim Investieren keine Garantien!

Es spricht aus meiner Sicht sehr vieles dafür, dass es wie erwartet kommen kann. Aber die Zukunft ist und bleibt unvorhersehbar. Ich würde auf keinen Fall alles darauf setzen, dass die Zukunft so kommt, wie man sie erwartet.

Allerdings würde ich den Schluss wagen, zu behaupten, dass es noch lange nicht zu spät ist, wenigstens einen kleinen Teil des eigenen Portfolios in Bitcoin und Krypto im Allgemeinen zu investieren. Noch sind die allerwenigsten Hedge-Fonds, Unternehmen und anderen institutionellen Anleger dabei. Man kann all diesen also weiterhin noch zuvorkommen.

Langfristig gesehen sowieso. Ich sehe für den Kryptomarkt im Allgemeinen eine sehr große Zukunft. Vielleicht nicht nur für Bitcoin. In der Tat gibt es mittlerweile sehr viele noch viel spannendere Projekte - und die wenigsten davon wollen Bitcoin ablösen, sondern machen sich daran, ganz andere Probleme zu lösen.

Das ist aber Stoff für einen anderen Artikel, den ich in den kommenden Wochen noch schreiben möchte.

Foto: Travis Wolfe / Shutterstock.com

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Expertenprofil
Bernd Schmid Bernd Schmid

Herr Schmid ist Chefanalyst von The Motley Fool Deutschland und leitet den Newsletter Stock Advisor Deutschland mit dem Ziel, langfristig orientierten Anlegern zu helfen überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften und bessere Anleger zu werden.

Bevor er im Jahr 2014 beim Deutschlandstart Teil des Teams von The Motley Fool wurde, begann er damit, als selbständiger Berater mittelständische Unternehmen rund um das Thema Finanzen, mit dem Fokus auf die Bilanzanalyse und Bilanzplanung, zu beraten. Vorher war Herr Schmid anderthalb Jahre als Manager für den innovativen Zahlungsdienstleister SumUp und für zweieinhalb Jahre bei der Detecon als Technologie- und Strategieberater für Telekommunikationsunternehmen weltweit tätig.

Herr Schmid ist CFA Charterholder, besitzt einen Master of Business Administration und einen Master of Science im Bereich Elektrotechnik von der Technischen Universität Hamburg-Harburg und ein Diplom (FH) von der Hochschule Ravensburg Weingarten. Während seiner akademischen Zeit forschte Herr Schmid in den Bereichen Robotik und Nanophotonik.

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