Ist das der Anfang vom Ende von Facebook, Google, Amazon & Co?

Bernd Schmid

Am Wochenende ist mir etwas passiert, das ich nicht erwartet hätte. Google hat mich enttäuscht.

Ist das der Anfang vom Ende von Facebook, Google, Amazon & Co?

Ich hatte von der Great Barrington Declaration gehört und wollte diese lesen. Ohne viel nachzudenken habe ich nach „Great Barrington Declaration“ gegoogelt, in der Erwartung, dass mich Google wie gewohnt direkt auf die entsprechende Website führt.

Das Ergebnis?

Alle möglichen Artikel dazu von allen möglichen bekannten und weniger bekannten Seiten. Aber keines der ersten 20 oder 30 Suchergebnisse führte mich direkt auf die Seite.

Anstatt mir diese und noch mehr Suchergebnisse auf Google anzuschauen, bin ich zur Konkurrenz gegangen. Weder Bing noch DuckDuckGo haben enttäuscht. Beide zeigten die entsprechende Website ganz oben in ihren Suchergebnissen an - genau, wie man es eigentlich erwarten würde.

Verliert die Google-Suchmaschine gerade ihre Vormachtstellung in Sachen „beste Suchergebnisse“?

Glaubt man einem Google-Mitarbeiter, der diese Supportanfrage beantwortete, könnte man zu diesem Schluss kommen. Er erklärt, dass es dauern kann, bis eine bestimmte Website oben in den Suchergebnissen auftaucht.

Das ist grundsätzlich nachvollziehbar. Trotzdem erscheint es mir eher ein schlechtes Zeichen, dass die Website, nach der man ganz konkret sucht, von anderen Suchmaschinen zu demselben Zeitpunkt ohne Probleme gefunden wurde. Vor allem wenn man weiß, dass bereits mindestens Hunderttausende, eher bereits Millionen, auf der entsprechenden Website waren (zu dem Zeitpunkt gab es bereits mehr als 200.000 bestätigte Unterschriften) - sie also durchaus schon sehr bekannt und stark frequentiert war.

Zensur durch die mächtigen Internet-Konzerne wird stärker

Eigentlich halte ich den Google-Algorithmus für viel zu sehr perfektioniert, dass er eine solche Website nicht auflistet - besonders, wenn man exakt die entsprechenden Suchwörter eingibt. Auch die Entwickler bei Google halte ich für viel zu smart. Und die ihnen zur Verfügung stehenden Tools, inklusive den fast endlosen Datensätzen und der künstlichen Intelligenz, diese zu analysieren, für viel zu gut, als dass Google sich die Blöße geben würde und sich bei selbst so einfachen Suchanfragen von im Vergleich mittellosen Wettbewerbern ausstechen lässt.

War es Zensur? Bewusst oder von einer KI gesteuert?

Für mich eigentlich schwer vorstellbar. Das Ganze hat trotzdem Geschmäckle. Vor allem, da das wie Google ebenfalls zum Mutterkonzern Alphabet gehörenden YouTube ganz offen zensiert. In den YouTube Richtlinien heißt es:

YouTube erlaubt keine Inhalte […], die den medizinischen Informationen der lokalen Gesundheitsbehörden oder der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über COVID-19 widersprechen.

Diese Regeln werden meiner Erfahrung nach dazu sehr breit interpretiert und sehr streng durchgesetzt. Es kam in der letzten Zeit durchaus vor, dass die Löschung von Beiträgen sogar vom Gesetzgeber als widerrechtlich eingestuft wurde.

Die Zensur wird bei YouTube für mein Empfinden viel zu ernst.

Aber nicht nur dort. Auch die anderen mächtigen Tech-Konzerne können das.

Facebook zum Beispiel hat unter anderem laut Deutschlandfunk erst gerade angekündigt, keine Werbeanzeigen mehr aufzunehmen, die sich gegen Impfungen aussprechen.

Apple zensiert laut ExpressZeitung automatisch Telegram-Beiträge. (Pluspunkt an Alphabet, mir fiel das bei meinem Android noch nicht auf.)


Und Amazon befand zum Beispiel das vom Reporter der New York Times Alex Berenson geschriebene Buch zur Effektivität von Lockdowns als nicht den Verkaufsrichtlinien von Amazon entsprechend - und wollte es deswegen nicht verkaufen. Erst als Elon Musk sich per Twitter darüber echauffierte, änderte Amazon seine Meinung.

Warum sich die Unternehmen damit in ihr eigenes Knie schießen

Man kann durchaus argumentieren, dass diese Art der Eingrenzung des Meinungssprektrums das gute Recht dieser Unternehmen ist. Immerhin sind es ihre Plattformen, auf denen das veröffentlicht wird. Möglicherweise haben sie Angst vor Reputationsverlust, sollten solche Informationen dort auffindbar sein.

Ich denke jedoch, dass dieser Schuss langfristig nach hinten losgehen wird. Das Amazon-Beispiel zur angedachten Zensur des Buchs von Alex Berenson macht das sehr schön deutlich.

Vermutlich wollte Amazon dieses Buch nicht verkaufen, da Berenson zu dem Schluss kommt, dass die Risiken eines Lockdowns deutlich höher sind als der Nutzen. Vermutlich, da die WHO diese Meinung vertrat. Dass Berenson seine Meinung in seinem Buch mit den damals vorliegenden Erkenntnissen und Daten begründet, spielte dabei offensichtlich keine Rolle. Selbst die WHO hat ihre Meinung zu diesem Thema geändert und jüngst selbst vor weiteren Lockdowns gewarnt.

Ob jetzt die ganzen YouTube-Videos entsperrt werden, in denen dies schon vor Wochen und Monaten argumentiert wurde?

Aber selbst dann denke ich, dass diese Art von Zensur sehr schädlich für diese Plattformen sein wird. Denn sie verhindert, dass Nutzer sich eine eigene Meinung unter Berücksichtigung des gesamten wissenschaftlichen Spektrums zu den entsprechenden Themen bilden können.

Ich zum Beispiel werde in Zukunft für meine Recherchen zunächst die DuckDuckGo-Suchmaschine verwenden. Meinen Facebook-Account habe ich bereits vor einigen Wochen gelöscht. Und die auf YouTube gesperrten Videos habe ich mir auf alternativen Plattformen angesehen, die alleine deswegen zu florieren beginnen scheinen.

Ich denke nicht, dass Facebook & Co deswegen jetzt unmittelbar vom Untergang bedroht sind. Insbesondere nicht, wenn sie ihre Zensur-Strategie noch einmal überdenken. Sollte dies nicht der Fall sein, sehe ich jedoch durchaus das Risiko einer schleichenden Nutzer-Abkehr aufgrund von Unzufriedenheit und Frustration.

Vor allem beginnen teilweise echte Alternativen zu diesen Plattformen aus dem Boden zu sprießen, die 100%ige Transparenz und Zensurfreiheit versprechen. Ich denke da an soziale Netzwerke wie Voice.com oder die Streamingplattform dlive.tv, die jeweils auf der Blockchaintechnologie basieren. Oder die bereits erwähnte Suchmaschine DuckDuckGo, das Chatprogramm Telegram, das von der Oberfläche stark an WhatsApp erinnert. Oder mein aktuelles Lieblingsunternehmen Overstock.com als Alternative zu Amazon.

Noch erscheinen die Platzhirsche zu mächtig, als dass sie zu Fall gebracht werden können. Allerdings scheinen diese den Nutzen ihrer Angebote für den Nutzer langsam aus den Augen zu verlieren. Und die Konkurrenz schläft nicht.

Offenlegung: Bernd Schmid besitzt Aktien von Facebook und Overstock.com. John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einer Tochtergesellschaft von Amazon, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. Suzanne Frey, eine Führungskraft bei Alphabet, ist Mitglied des Verwaltungsrats von The Motley Fool. Randi Zuckerberg, eine ehemalige Direktorin für Marktentwicklung und Sprecherin von Facebook und Schwester des CEO, Mark Zuckerberg, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt Aktien von und empfiehlt Alphabet (A-Aktien), Amazon, Apple und Facebook und empfiehlt die folgenden Optionen: Long Januar 2022 $1920 Calls auf Amazon und Short Januar 2022 $1940 Calls auf Amazon.

Foto: Koshiro K / Shutterstock.com

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Expertenprofil
Bernd Schmid Bernd Schmid

Herr Schmid ist Chefanalyst von The Motley Fool Deutschland und leitet den Newsletter Stock Advisor Deutschland mit dem Ziel, langfristig orientierten Anlegern zu helfen überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften und bessere Anleger zu werden.

Bevor er im Jahr 2014 beim Deutschlandstart Teil des Teams von The Motley Fool wurde, begann er damit, als selbständiger Berater mittelständische Unternehmen rund um das Thema Finanzen, mit dem Fokus auf die Bilanzanalyse und Bilanzplanung, zu beraten. Vorher war Herr Schmid anderthalb Jahre als Manager für den innovativen Zahlungsdienstleister SumUp und für zweieinhalb Jahre bei der Detecon als Technologie- und Strategieberater für Telekommunikationsunternehmen weltweit tätig.

Herr Schmid ist CFA Charterholder, besitzt einen Master of Business Administration und einen Master of Science im Bereich Elektrotechnik von der Technischen Universität Hamburg-Harburg und ein Diplom (FH) von der Hochschule Ravensburg Weingarten. Während seiner akademischen Zeit forschte Herr Schmid in den Bereichen Robotik und Nanophotonik.

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