MTU: Woche der Wahrheit – Wie kommt der Triebwerksbauer weiter durch die Krise

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MTU: Woche der Wahrheit – Wie kommt der Triebwerksbauer weiter durch die Krise

Seit Jahresanfang ist die Aktie von MTU der zweitschwächste Wert im deutschen Leitindex. Donnerstag dieser Woche (29. Oktober) veröffentlicht der Dax-Konzern seine Zahlen für das dritte Quartal. Zuletzt konnte die Aktie davon profitieren, dass Airbus plant ab Sommer nächsten Jahres die Produktion wieder hochzufahren.

Licht am Ende des Tunnel

Die Corona-Krise hat die Luftfahrt so schwer getroffen wie nur wenige andere Branchen. Infolge der Pandemie und staatlich verhängter Reisebeschränkungen brach vielen Fluggesellschaften zeitweise fast das gesamte Geschäft weg. Viele entgingen nur dank milliardenschwerer Staatshilfen der Pleite. Wegen der wieder steigenden Infektionszahlen können sie neue Flugzeuge vorerst kaum gebrauchen – und damit auch keine neuen Triebwerke von MTU und anderen Herstellern. Ganz abgesehen von der Frage, ob sie in ihrer Notlage das nötige Geld hätten, um sie zu bezahlen.

Knock-Outs zur MTU Aero Engines Aktie

Kurserwartung
MTU Aero Engines-Aktie wird steigen
MTU Aero Engines-Aktie wird fallen
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Im zweiten Quartal zehrten die Folgen der Pandemie bei dem Münchner Dax-Konzern bereits deutlich an Umsatz und Gewinn. Vor allem das lukrative Geschäft mit Ersatzteilen darbte, weil Fluggesellschaften in der Krise viele Flugzeuge am Boden lassen und ältere Jets oft ganz ausmustern.

Weil MTU wegen der Pandemie auch noch einen wochenlangen Betriebsstopp verhängte, sackten Erlöse zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent auf 776 Millionen Euro ab. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) brach um rund drei Viertel auf gut 42 Millionen Euro ein. Unter dem Strich blieb ein Quartalsgewinn von gut 13 Millionen Euro, ein Rückgang um 87 Prozent.

MTU-Chef Reiner Winkler sah den Konzern im Sommer zwar „gut positioniert, die anstehenden Herausforderungen zu meistern“. Zudem erwartet er auch im laufenden Jahr schwarze Zahlen.

Doch die Produktionskürzungen bei Boeing  und Airbus zwingen auch MTU zu Einschnitten. Nachdem die Flugzeugbauer bereits den Abbau Tausender Jobs angekündigt hatten, hat auch MTU beschlossen, 10 bis 15 Prozent der zuletzt 10 661 Arbeitsplätze abzubauen. Das betrifft auch die deutschen Standorte.

Nach Einschätzung von Branchenvertretern dürfte es Jahre dauern, bis der Flugverkehr wieder das Niveau aus der Zeit vor der Pandemie erreicht. Airbus-Chef Guillaume Faury hält es sogar für möglich, dass sich die Erholung bis zum Jahr 2025 hinzieht.

Allerdings dürfte Airbus mit Überlegungen für ein Wiederhochfahren der Produktion für einen kleinen Lichtblick bei MTU gesorgt haben. Der Flugzeugbauer forderte seine Zulieferer vor wenigen Tagen auf, sich dafür zu rüsten, dass Airbus die Produktion seiner Mittelstreckenjets der A320-Familie von derzeit 40 Maschinen wieder auf bis zu 47 Exemplare pro Monat hochfährt. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Airbus hat seine Verkehrsflugzeug-Produktion wegen des Einbruchs im Flugverkehr und der Notlage vieler Fluggesellschaften um rund 40 Prozent heruntergefahren. Dies sollte vorerst für etwa zwei Jahre gelten. Von den Mittelstreckenjets der A320-Reihe baut der Hersteller statt rund 60 vorläufig nur noch 40 Exemplare pro Monat. MTU ist bei dem Antrieb für die A320 und ihre Neuauflage A320neo besonders dick mit Airbus im Geschäft.

Prognose natürlich gekürzt?

Wie viele andere Unternehmen hatte auch MTU die Geschäftsziele für 2020 aufgrund der Pandemie im Frühjahr vorerst gestrichen. Ende Juli wagte sich der Vorstand jedoch mit neuen Prognosen aus der Deckung.

Jetzt peilt MTU für 2020 einen Umsatz von 4,0 bis 4,4 Milliarden Euro an. Das wären 4 bis 13 Prozent weniger als die 4,6 Milliarden aus dem Vorjahr. Von den Erlösen sollen 9 bis 10 Prozent als operativer Gewinn (bereinigtes Ebit) beim Unternehmen hängen bleiben – nach über 16 Prozent im Vorjahr.

Geht man von der Mitte der beiden Zielspannen aus, entspricht dies für 2020 einem operativen Gewinn von knapp 400 Millionen Euro. 2019 hatte MTU einen operativen Gewinn von 757 Millionen Euro erzielt.

Messlatte liegt nicht zu hoch

Vom Unternehmen selbst bis 15. Oktober befragte Branchenexperten rechnen für das laufende Jahr im Schnitt mit einem Umsatz von 4,07 Milliarden Euro. Damit liegen sie fast am unteren Ende der vom Vorstand genannten Zielspanne. Für das bereinigte Ebit gehen sie im Schnitt von 394 Millionen Euro aus. Das wäre etwa so viel, wie MTU selbst auf Basis der Margenprognose im Mittel erwartet. Für den bereinigten Überschuss haben sie 289 Millionen Euro im Auge, rund 46 Prozent weniger als im Vorjahr.

Auch im dritten Quartal dürfte sich der Triebswerksbauer klar in den schwarzen Zahlen gehalten haben. Analysten erwarten im Schnitt einen Umsatz von 931 Millionen Euro und damit rund ein Fünftel weniger als ein Jahr zuvor. Beim bereinigten Ebit rechnen sie mit einem Einbruch um 62 Prozent auf 74 Millionen Euro. Der bereinigte Überschuss dürfte mit etwa 48 Millionen Euro rund 63 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurückbleiben.

Papier kein Liebling der Anleger

Die Corona-Krise hat Aktien aus dem Luftfahrtsektor schwer erwischt. Bei MTU kam hinzu, dass der Aktienkurs im vergangenen Jahr und noch bis Anfang 2020 von einem Rekordhoch zum nächsten geklettert war. Ende Januar wurde die Aktie mit 289,30 Euro so teuer gehandelt wie nie zuvor. Doch im Corona-Crash an den Finanzmärkten ging es bis März bis auf 97,76 Euro abwärts. Seitdem hat sich die Aktie wieder ein Stück weit erholt. Mit rund 155 Euro ist ihr Kurs aber weit von früheren Höhen entfernt.

Seit dem Jahreswechsel stand zuletzt ein Kursverlust von mehr als einem Drittel zu Buche. Im Vergleich zum Rekordhoch belief sich das Minus sogar auf rund 46 Prozent. Wer hingegen schon vor drei Jahren bei MTU eingestiegen ist, dürfte sich zwar ärgern, dass er vor dem Corona-Crash nicht einfach Kasse gemacht hat. Allerdings hat er seinen Einsatz seit damals immer noch um rund 6 Prozent gesteigert und außerdem Dividenden kassiert. Wer die Aktie seit fünf Jahren im Depot hat, kann sich sogar immer noch über einen Kursgewinn von fast 100 Prozent freuen.

Redaktion onvista / dpa-AFX

Foto: Sergey Kohl/Shutterstock.com

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