Reisegeschäft zieht mit wachsendem Impftempo an

Reuters

(Stellt im dritten Satz klar, die Buchungszahlen beziehen sich auf Eurowings, nicht Lufthansa)

Frankfurt (Reuters) - Der Abbau von Reisebeschränkungen und die steigenden Impfzahlen lassen bei den hart von der Pandemie getroffenen Airlines das Geschäft wieder anziehen.

"Wir haben heute eindeutig Gewissheit, es ist das Ende des Tunnels", sagte der Chef des Ferienfliegers Eurowings, Jens Bischof, am Montag. Bei der Lufthansa-Tochter hätten sich die Buchungszahlen in den vergangenen zwei Wochen mehr als verdoppelt. An Spitzentagen verkaufe Eurowings mehr als 50.000 Tickets im Vergleich zu 80.000, die es vor der Corona-Krise 2019 an guten Tagen waren. Auch Europas größter Billigflieger Ryanair und der Reiseveranstalter Alltours registrierten einen steilen Nachfrageanstieg. Denn wichtige Reiseländer wie Griechenland lockerten die Einreiseregeln für Corona-Geimpfte, -Genesene oder -Getestete. Die Bundesregierung hatte vergangene Woche die Quarantänepflicht bei Risikoländern aufgehoben, was auch dem Eurowings-Konkurrenten Condor einer Sprecherin zufolge umgehend mehr Kundschaft brachte.

Die Luftfahrt erhofft nach einer langen Durststrecke von mehr als einem Jahr den Neustart. Denn wegen der Reisebeschränkungen in der Pandemie blieben, abgesehen von einigen Wochen im Sommer letzten Jahres, Passagiere aus. Eurowings habe derzeit 45 Flugzeuge in Betrieb, sagte Bischof. Das Ziel sei weiterhin, im Sommer 80 Maschinen abheben zu lassen, spätestens bis August oder Anfang September. "Mallorca wird, das ist absehbar, das Topziel des Jahres", sagte Bischof.

Als größter deutscher Ferienflieger will sich Eurowings gegen die Billigkonkurrenten Ryanair und Easyjet behaupten. Auf einen Preiskampf will sich die Lufthansa-Tochter dabei nicht einlassen, sondern mit Serviceangebote und Flexibilität beim Umbuchen punkten. "Nicht mehr der Billigste gewinnt", betonte Bischof. Auf längere Sicht soll die Flotte auf mehr als 100 Flugzeuge wachsen, von mehr Abflugorten als bisher in Europa. Lufthansa und Eurowings wollen in diesem Sommer mehr als 100 Urlaubsziele anfliegen, so viele wie nie zuvor.

ENDLICH SONNE, STRAND UND BAR

Ryanair holt dank der Reiseerleichterungen für die Briten, die in einem Dutzend Ländern ohne Quarantänepflicht nach der Rückkehr Urlaub machen können, noch viel mehr Buchungen herein. Ryanair-Chef Michael O'Leary sprach von einer "dramatischen" Erholung mit zuletzt 1,5 Millionen Ticketverkäufen in der Woche. Im laufenden Geschäftsjahr peilen die Iren 80 Millionen Fluggäste an, gut die Hälfte des Vorkrisenniveaus. In dem Ende März abgeschlossenen Vorjahr erlitt Ryanair den ersten Verlust in seiner 35-jährigen Firmengeschichte.

Portugal gehört zu den Ländern, in das viele Sonnenhungrige aus Großbritannien mit gut 20 Flügen am Montag strömten. "Das ist fantastisch, ein unglaubliches Gefühl", schwärmte Matthew Bolden, ein britischer Tourist bei der Ankunft in Lissabon. "Die Sonne, die Leute, die Strände, die Bars. Ich kann es nicht erwarten." Clubs und Bars, die nur innen Alkohol ausschenken, bleiben noch geschlossen. Restaurants und Geschäfte dürfen nach vier Monaten Lockdown in Portugal aber wieder öffnen.

Die Reisebranche in Großbritannien drängt die Regierung, weitere beliebte Reiseländer wie Spanien, Griechenland und die Vereinigten Staaten von der Liste der Risikoländer mit Test- und Quarantänepflicht zu nehmen. Dafür setzten sich die Chefs von British Airways (BA) und des Flughafens London Heathrow ein. Steigende Flugzahlen im Sommer seien notwendig, damit Airlines und Reiseveranstalter überleben könnten, erklärte BA-Chef Sean Doyle. Die Regierung in London bremst noch wegen der steigenden Zahl von Infektionen mit der indischen Covid-Variante.

Zu Griechenlands Öffnung reisten am Wochenende deshalb vor allem Deutsche an. Das Land zog das Impfen der Bevölkerung auf wichtigen Urlaubsinseln vor, um sichere Ferien zu garantieren. TUI fuhr das Griechenland-Programm weiter hoch, das erste Kreuzfahrtschiff legte zu einwöchigen Touren in der Ägäis ab. Auch auf die Balearen, Portugal oder die Kanarischen Inseln, die seit dem Wochenende kein Risikogebiet mehr sind, bringt der weltweit größte Reisekonzern wieder Urlauber-Scharen.

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