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So sieht die Zeitenwende an den Börsen aus

onvista · Uhr
Quelle: Rawpixel.com/Shutterstock.com

Wir leben in historischen Zeiten. Dabei reißen die Krisenmeldungen nicht ab. Gerade erst haben wir – zumindest in Europa – die massiven Corona-Folgen hinter uns gelassen, da sorgt der Krieg in der Ukraine und, damit einhergehend, der massive Anstieg der Inflation für Verunsicherung bei den Investoren. In den vergangenen Tagen haben wir erkennen können: Es geht immer weiter mit den Herausforderungen. Welche Auswirkungen die Ausbreitung der Affenpocken noch haben wird, muss sich noch zeigen. Und Tornados in Ostwestfalen zeigen einmal mehr die schiere Kraft der Natur. Von ruhigen Zeiten sind wir weit entfernt.

Auch an den Finanzmärkten ist schon seit mehr als 2 Jahren eine Zeitenwende erkennbar. Das verdeutlicht die folgende Grafik. Hier sind fundamentale Trends aufgeführt, die in den vergangenen drei Dekaden für Rückenwind an den Finanzmärkten gesorgt haben – und ihre Veränderung seit Ende 2020. Lang andauernde Perioden mit gleichförmiger Entwicklung haben oft eine klare Folge: Sorglosigkeit. Genau das haben wir an den Finanzmärkten erlebt. Trotz vieler Krisenherde kannten die Börsen - von kleinen Rücksetzern wie im 4. Quartal 2018 abgesehen – nur den Weg nach oben.

Wir hatten u.a. lange Jahre mit einem positiven Umfeld für Technologie-Werte und positive Effekte der wachsenden Globalisierung. Seit 2020 erleben wir nun bei diesen Punkten zunehmenden Gegenwind: Technologie wird zunehmend auch als Bedrohung wahrgenommen und Nationalismus breitet sich zunehmend aus.

Zeitenwende für die Finanzmärkte

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Heiko Böhmer.png · Quelle: onvista

Die Euphorie in vielen Bereichen ist spätestens mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie zum Erliegen gekommen. Die Zeitenwende greift um sich. Viele langjährige Gewissheiten kommen auf den Prüfstand und werden oft mehr oder weniger über Nacht umgeworfen.

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Umdenken bei der Energieversorgung notwendig

Stichwort Energie: Hier hatte vor allem Deutschland den klaren Fokus auf Russland. Billiges Gas sollte verlässlich Energie nach Deutschland bringen und so den Wohlstand sichern und ausbauen. Jetzt wissen wir alle: Das war ein strategischer Fehler. Die Komponente Energiesicherheit war eben jahrelang in Deutschland nicht im Fokus der Politik. Stattdessen galt Nachhaltigkeit bei der Energieerzeugung als oberste Energieversorger-Pflicht. Ein Beispiel, wie sich alte Gewissheiten verändern. Heute versucht man den Spagat, beide Ziele in Einklang zu bringen.

Aktuell arbeite ich mich durch das wirklich lesenswerte Buch „The changing world order (Weltordnung im Wandel)“ von Investoren-Legende Ray Dalio. Er versucht hier den ganz großen Wurf. Mit Hilfe von Zyklen will er die großen Entwicklungslinien der Welt erklären und überspannt dabei eine Epoche von annähernd 500 Jahren. Besonders aufschlussreich finde ich seine Erklärungsansätze dafür, wie sich einzelne Länder entwickeln und wie es zum Absturz von Imperien kommt. Dabei erklärt Dalio den Niedergang von Imperien auch sehr stark mit einer immer stärkeren Verschuldung und dem daraus oft resultieren Bedeutungsverlust von Leitwährungen. In früheren Zeiten waren davon Länder wie Großbritannien mit dem britischen Pfund betroffen. Heute sieht er große Gefahren für die USA mit dem noch dominierenden US-Dollar.

Sie sehen hier eine Sache ganz deutlich: Wer nur auf die Gegenwart und Zukunft an den Börsen schaut, dem entgeht durch den Blick in den Rückspiegel – also auf die Historie – doch sehr viel. In meinen Jahren als Student der Geschichte und Politik habe ich schon erfahren, wie wichtig aber genau dieser Blick ist.

Jetzt kommt die Zeit der Stockpicker

Daher werde ich Ihnen bald nicht nur weitere Erkenntnisse von Ray Dalio näherbringen. Mir geht es auch darum, diese Zeitenwende wirklich greifbar zu machen – denn ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir keine einfachen Jahre an den Börsen vor uns haben. Auf breiter Front steigende Aktienmärkte, bei denen Investoren mit einfachen Indexinvestments überdurchschnittliche Renditen erzielen konnten, die sind wohl erst einmal vorbei.

Dennoch bleibe ich mittel- bis langfristig weiter optimistisch für die weitere Entwicklung der Finanzmärkte. Doch erleben wir jetzt eine Zeit für Stockpicker – so wie wir es sind. Daher werde ich an dieser Stelle auch immer wieder auf aussichtsreiche Einzelaktien zu sprechen kommen. Ich bin sicher: Mit der richtigen Selektion locken auch in den kommenden Jahren stabile Renditen, um so der negativen Realverzinsung zu entkommen.

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