Israel, Angola, Australien - EU sucht alternative Energiequellen

Reuters · Uhr

- von Andreas Rinke

Berlin/Kairo (Reuters) - Deutschland und die EU verstärken die Suche nach Alternativen zu russischen Energieimporten.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unterzeichnete in Kairo eine Absichtserklärung zur Lieferung israelischen Gases über Ägypten in die EU. In Berlin vereinbarten der angolanische Energiekonzern Sonangol mit den deutschen Firmen Gauff Engineering und Conjuncta den Bau einer Fabrik zur Produktion von grünem Wasserstoff. Angolas Ölminister Diamantino Pedro de Azevedo bremste im Reuters TV-Interview zugleich aber die Hoffnung, dass sein Land schnell für den Ausfall russischen Öls einspringen könnte.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte die EU zunächst den Ausstieg aus russischer Kohle, dann auch aus russischen Öl beschlossen. Fieberhaft wird zudem nach alternativen Gaslieferanten gesucht. Deshalb wird weltweit sowohl mit Öl-, Gas, aber eben auch künftigen Wasserstoff-Lieferanten gesprochen. Grüner Wasserstoff soll die fossilen Energieträger ablösen.

Im Gasbereich setzt die EU darauf, dass Israel zumindest einen Teil des russischen Gases ersetzen könnte. Israel will seine Gasproduktion aus dem Mittelmeer in den nächsten Jahren auf etwa 40 Milliarden Kubikmeter pro Jahr verdoppeln, da es seine Projekte ausbaut und neue Felder erschließt. Das Gas soll nach Ägypten geliefert und dort über Flüssiggasterminals nach Europa verschifft werden. Zum Vergleich: Die EU, die verstärkt LNG-Gas einkaufen will, importierte im vergangenen Jahr rund 155 Milliarden Kubikmeter Gas aus Russland. Dies entsprach etwas 40 Prozent des Gesamtverbrauch der EU. Vor allem italienische Firmen haben sich seit dem russischen Einmarsch Gaslieferungen aus afrikanischen Ländern gesichert. Auch die USA und Katar wollen mehr liefern.

Beim Öl bremste Angolas Ölminister. Sein Land sei zwar bereit, auch Europa mehr zu liefern. "Aber das braucht einige Zeit", sagte de Azevedo auf die Frage, ob Angola als zweitgrößter Ölproduzent in Afrika seine Kapazitäten rasch ausweiten könne. "Die Ölproduktion ist nicht so elastisch." Europäische Firmen sollten mehr in die Gas- und Ölexploration in seinem Land investieren. Ähnliche Forderungen hatte Senegal aufgestellt.

AUFBAU VON WASSERSTOFF-LIEFERKETTEN

Die EU und die Bundesregierung bemühen sich auch um den Import und die Produktion von Wasserstoff als klimaneutralen Ersatz für fossile Brennstoffe. Von der Leyen betonte, dass mit Ägypten eine Wasserstoff-Partnerschaft im November ins Leben gerufen werden solle, wenn Ägypten Gastgeber der COP27-Klimakonferenz ist.

Er setze darauf, dass aus seinem Land ab 2024 grüner Ammoniak exportiert werden könne, sagte der angolanische Minister de Azevedo. Grüner Ammoniak ist ein flüssiger Energieträger, mit dem man grünen Wasserstoff über weite Strecken transportieren kann. Nach Angaben von Stefan Liebing, Geschäftsführer von Conjuncta und Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, sollen zunächst jährlich 280.000 Tonnen grüner Ammoniak für den Export produziert werden.

Auch der Import von großen Mengen Wasserstoff aus Australien ist nach einer Studie des BDI und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) machbar. Demnach ist der Import von nachhaltig produziertem australischem Wasserstoff in großen Mengen trotz der großen Distanz technisch und ökonomisch möglich. Für den Aufbau der Wasserstoff-Lieferketten müsse die EU ihre Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich vereinfachen, forderten BDI und acatech.

Das vom ehemaligen Uniper-Chef Andreas Schierenbeck mitbegründete Energieunternehmen HH2E will mit der Schweizer MET Group im Mecklenburg-Vorpommern ein Wasserstoff-Projekt aufbauen. Die Partner teilten am Mittwoch mit, sie wollten in Lubmin eine Produktionsanlage für grünen Wasserstoff errichten, die in einer ersten Stufe eine Kapazität von 6000 Tonnen im Jahr und in einer zweiten von mehr als 60.000 Tonnen umfasse.

(Weitere Reporter Sarah El Safty, Ari Rabinovitch, Tom Käckenhoff; redigiert von Hans Busemann. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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