Kutzers Zwischenruf: Jahresprognosen 2023 sind „gedämpft-konstruktiv“

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Jetzt ist es soweit: Mit dem näher rückenden Jahreswechsel steigt die Bereitschaft der Börsenprofis zu konkreten Prognosen. Eine der ersten breit angelegten Befragungen liefert die DVFA, der in Frankfurt/Main ansässige Berufsverband der Investment Professionals. Er wendet sich monatlich an die 1.400 Mitglieder und erforscht Themen, die aktuell in der Finanzbranche diskutiert werden. Zum Jahresende geht es um eine Vorschau auf die zentralen Kapitalmarktindikatoren 2023.

Das Ergebnis der Umfrage wird Ihnen vermutlich nicht viel weiterhelfen, geschätzte Anleger, das der Verband so zusammenfasst: „Insgesamt ein gedämpft-konstruktiver Ausblick in einem von Geo-Ökonomie, Geldpolitik und Rezession geprägten Kapitalmarktumfeld.“ Aha, gedämpft-konstruktiv. Ich würde es für Börsenlaien auf Hessisch wie folgt übersetzen: „Das nächsde Jahr kann e bissi bässer wärn.“

Beim Vergleich der voraussichtlichen Favoriten unter den traditionellen Vermögensklassen sind Aktien mit 47 % deutlich vorn. Es folgen Rohstoffe mit 20 %, Liquidität und Renten fast gleichauf mit 13 und 14 %. Abgeschlagen ist die Anlageklasse Immobilien, denn nur 7 % trauen ihr zu, relativ am besten abzuschneiden. Und das sind die wichtigsten Vorhersagen der Profis im Einzelnen: Höhere Zinsen erwartet: 10-jährige Bundesanleihen Ende 2023 über 2,5 %, ist die Erwartung von 53 % der Umfrageteilnehmer. „Überschaubare Erwartungen“ zu deutschen Aktien: 35 % sehen den Dax zwischen 13.000 und 14.000 Punkten. Dass der Dax das nächste Jahr unter 13.000 schließen wird, halten 41 % für realistisch.

Für die Währungen wird eine breite Seitwärtsbewegung erwartet – die überwältigende Mehrheit der Experten glaubt an ein Verhältnis Dollar/Euro bei plus/minus 10 % um die Parität. Fast die Hälfte der Teilnehmer (48 %) rechnen mit einem Goldpreis per Ende 2023 zwischen 1.500 und 1.750 Dollar und 36 % mit einer Spanne von 1.750 bis 2.000 Dollar.

Nicht untypisch sind aktuelle Analysen, die durch Gegenüberstellung der zahlreichen Chancen und Risiken für den Anleger die anhaltende Unsicherheit in den Mittelpunkt stellen. Nach einem „Annus horribilis“ ist es mehr oder weniger klar, wohin die Anleger glauben, dass die Welt sich bewegt. Aber sie übersehen sicherlich etwas, glaubt Christopher Smart, globaler Chefstratege und Leiter des Barings Investment Institute. Denn die Lage signalisiert auch, wie wenig zuverlässige politische Hebel in den Händen der Regierungen verbleiben, um das Wachstum anzukurbeln oder die Inflation in absehbarer Zeit abzukühlen.

Die Weltwirtschaft ist krank und die einzige verfügbare Medizin wird die Dinge eher verschlimmern. Für Anleger ist die aktuelle Situation ein Giftcocktail, sagt Smart: Führt die Geldentwertung auf der einen Seite dazu, dass Geldreserven immer weniger wert sind, so wirken sich die Zinsanhebungen auf der anderen Seite negativ auf die Konjunktur und die Börsenstimmung aus.

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