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3 Fragen an Bernecker: Sollte man bei Ölwerten zugreifen? – Lohnt sich die Commerzbank? – Wie sieht es mit Apple aus?

onvista · Uhr
Quelle: Bernecker

Öl-Werte haben derzeit einen Lauf. Sollte man hier zugreifen?

Die Ölwerte haben einen guten Lauf gehabt, doch wie es weitergeht, ist vorerst offen. Ähnlich wie im Falle Gas sortieren sich die Angebots- und Nachfrageseiten am Weltmarkt neu. Dazu gibt es keine zuverlässigen Schätzungen.

Bei einem Niveau um 70/80 Dollar je Barrel erreicht der Ölpreis den bekannten Mindestwert, der für alle OPEC-Länder zur Finanzierung ihrer Haushalte nötig ist. Größter Mengenanbieter außerhalb der OPEC ist Russland. Diese Gemengelage lässt eine zuverlässige Einschätzung nicht zu.

Die Ölwerte erreichten durchweg neue Rekordkurse, aber in einem sehr vorsichtigen Tempo. Das gilt im Schnitt für alle Westkonzerne. Ein weiteres Investment lässt sich nur vertreten, wenn entweder der Ölpreis sich deutlich erholt oder aber die politischen Verhältnisse entkrampft werden. Beides ist offen. Mithin sind Öltitel kein zwingendes Investment.

Commerzbank peilt einen Milliardengewinn an und plant auch wieder, Dividenden auszuschütten. Sollten Anleger diese Chance nutzen?

Die Commerzbank wird ein echter Turnaround, kein Comeback. Die Nr. 2 im deutschen Banking hat mit knapp 10 Mrd. Euro Marktwert die unteren Kriterien einer Bankbewertung erfolgreich absolviert. Eine ganz schnelle Erholung ergibt sich daraus nicht.

Einziger Lichtblick: Erstmals seit vielen Jahren sind zwei renommierte Banker an den Schaltstellen etabliert, die einen sorgfältigen neuen Aufbau der Commerzbank rechtfertigen. Das Potenzial für den Kurs orientiert sich nicht am Gewinn je Aktie, sondern an den strategischen Perspektiven für eine große Bank im größten Industrieland Europas. Kursziele bis 15 Euro sind deshalb die Orientierung, weil der Bund mit seinem Anteil diesen Kurs als Ausgangswert für eine Kombination mit der Nr. 1 in Frankreich, BNP Paribas, im Auge hat. Dahinter steht eine sehr komplizierte Bewertungstechnik, die es in Deutschland in dieser Form für eine Bankenehe noch nie gab. Geduld ist gefragt.

Apple leidet unter den Ereignissen in China. Sollte man den Rücksetzer sofort ausnutzen oder noch etwas warten?

Apple und Microsoft sind die wichtigsten Tech-Stützen für den Leitindex Dow. Die bisherigen Korrekturen liefen in der Größenordnung 20 und damit deutlich stabiler als bei allen anderen Tech-Adressen. Über die Qualität beider Konzerne muss nicht diskutiert werden. Beide sind ein strategisches Investment darauf, wie sich die amerikanische Wirtschaft insgesamt entwickelt und der Tech-Sektor nach seiner massiven Korrektur das Comeback einleitet. Maßstab dafür ist der Nasdaq-Index. Also:

Die Korrektur von Apple von rd. 175 bis rd. 125 Dollar wurde bis jetzt bestätigt. Auf drei, vier Dollar kommt es nicht an. Mit der gebremsten Zinspolitik der Fed reduziert sich das bekannte Risiko für alle Techs. Also müsste die Basis von rd. 130 – 140 Dollar ausreichen, Investments zu rechtfertigen. Aber eine Rally wie in den vergangenen zwei Jahren steht vorerst noch nicht an. Dafür fehlt der Rückenwind der umfangreichen Liquiditätshilfen der Fed.

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