Softwarehaus Teamviewer vor Rückzug aus teurem ManU-Sponsoring

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München (Reuters) - Das schwäbische Softwarehaus TeamViewer steht vor dem Rückzug als Trikotsponsor des englischen Spitzen-Fußballklubs Manchester United und erfüllt damit eine dringliche Forderung von Investoren.

Man habe sich in monatelangen Gesprächen darauf geeinigt, dass ManU so schnell wie möglich einen neuen Sponsor für die prominente Werbefläche auf den Trikots finden solle, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend in Göppingen mit. "Damit geht die Erwartung einher, dass TeamViewer so schnell wie technisch möglich aus dieser Rolle aussteigt." Bis zum Ende der fünfjährigen Laufzeit werde das Unternehmen zwar Sponsor von Manchester United bleiben, aber im Jahr dafür nur noch einen einstelligen Millionen-Dollar-Betrag ausgeben.

Bisher kostet der im Frühjahr 2021 geschlossene Sponsoring-Vertrag TeamViewer Insidern zufolge zwischen 45 und 55 Millionen Euro im Jahr - das ist in etwa die Größenordnung des Jahresgewinns. Die Transaktion war am Kapitalmarkt von Anfang an auf Missfallen gestoßen und hatte zur Talfahrt der Teamviewer-Aktie beigetragen. Die "Red Devils" sollten den Schwaben eine weltweite Plattform bieten, um die Einsatzmöglichkeiten ihrer Technologie zu präsentieren. Schlagzeilen machte TeamViewer auch mit dem Sponsoring auf den Formel-1-Rennwagen von Mercedes-Benz.

Experten hatten den Sinn dieser Werbe-Aktivitäten bezweifelt, weil das Unternehmen seine Fernwartungs-Software vor allem an Firmenkunden verkauft. Marketingchefin Lisa Agona, die die beiden Deals ausgehandelt hatte, verließ TeamViewer gut ein halbes Jahr nach dem Einstieg bei ManU. "Mit dem angepassten Umfang der Partnerschaft wäre es TeamViewer weiterhin möglich, seine Markenbekanntheit mithilfe der herausragenden Reichweite von Manchester United auszubauen und dabei gleichzeitig einem veränderten makroökonomischen Umfeld Rechnung zu tragen", hieß es in der Mitteilung nun.

Zuletzt hatte auch der aktivistische Investor Petrus Advisers Druck auf TeamViewer gemacht und einen Ausstieg bei ManU und aus der Formel 1 gefordert. "TeamViewer ist nicht SAP, Oracle oder Mercedes", schrieb Petrus in einem offenen Brief. Die Engagements seien zu kostspielig und ließen keinen Nutzen für das Markenimage erkennen. TeamViewer hatte daraufhin erklärt, den Vertrag nicht zu verlängern und über Änderungen zu verhandeln.

(Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)

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