Commerzbank muss nach Gewinnsprung Folgen der Zinswende wegstecken

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Düsseldorf (Reuters) - Bei der Commerzbank könnte die erwartete Zinswende 2024 erste Spuren in der Bilanz hinterlassen.

Das Konzernergebnis werde im laufenden Jahr zwar über dem von 2023 liegen, doch werde der wichtige Zinsüberschuss wohl wegen möglicher Zinssenkungen auf rund 7,9 Milliarden Euro schrumpfen - nach rund 8,37 Milliarden Euro im vergangenen Jahr, teilte die Commerzbank am Donnerstag mit. Das Frankfurter Geldhaus muss als Konsequenz nun mehr Provisionen einsammeln. "Der Ausbau des zinsunabhängigen Geschäfts hat für uns jetzt absolute Priorität", unterstrich Vorstandschef Manfred Knof. Die Commerzbank wolle zeigen, dass es auch in einem weniger günstigen Zinsumfeld wachsen könne. Die Anleger gehen davon aus, dass dies gelingen wird: Commerzbank-Aktien legten um rund fünf Prozent auf 11,01 Euro zu.

Im vergangenen Jahr hatte das Institut einen Gewinnsprung verbucht und schrieb damit den höchsten Gewinn seit 15 Jahren. Die Anteilseigner rund um den Bund sollen nun eine höhere Dividende von 35 Cent je Aktie (2022: 20 Cent) erhalten und von Aktienrückkäufen profitieren. "Das Geschäftsjahr 2023 ist für die Commerzbank hervorragend gelaufen", bilanzierte Knof. Angeschoben durch die rasant angehobenen Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) schoss der Konzerngewinn 2023 um mehr als 50 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro in die Höhe. Von der Commerzbank befragte Analysten hatten einen Gewinn nach Minderheiten für das Gesamtjahr von rund 2,19 Milliarden Euro erwartet. Die Erträge kletterten dank eines soliden Kundengeschäfts und der gestiegenen Zinsen um rund elf Prozent auf 10,46 Milliarden Euro. Dabei verbuchte die Bank erneut hohe Sonderbelastungen durch die Vorsorge für Rechtsrisiken bei Schweizer-Franken-Krediten der Tochter mBank in Polen. Der Zinsüberschuss stieg um rund ein Drittel auf 8,368 Milliarden Euro.

Wie auch andere Banken in Europa profitiert die Commerzbank gegenwärtig von den deutlich gestiegenen Zinsen im Euroraum. Die EZB hat seit Sommer 2022 die Schlüsselsätze immer wieder erhöht, um die Inflation zu bekämpfen. Doch nun erwartet der Markt Senkungen.

COMMERZBANK WILL UNABHÄNGIGER VOM ZINSERGEBNIS WERDEN

Nun wolle die Commerzbank "die Ertragsbasis verbreitern und damit auch unabhängiger vom Zinsergebnis werden", kündigte Knof an. "Im Vertrieb sind wir in beiden Kundensegmenten sehr stark in das neue Jahr gestartet." Das sorge für zusätzlichen Rückenwind. Doch werde die anhaltende Konjunkturschwäche im laufenden Geschäftsjahr eine Herausforderung bleiben. Zudem basiere der Ausblick 2024 "auf der Annahme einer milden Rezession in Deutschland" - und hänge von der Entwicklung der Belastungen bei den Schweizer-Franken-Krediten der polnischen Tochter mBank ab. Davon abgesehen soll die MBank aber wachsen, betonte Finanzchefin Bettina Orlopp.

Knof will den Gewinn auch in den kommenden Jahren steigern. Bis 2027 soll das Nettoergebnis auf rund 3,4 Milliarden Euro klettern. Knof, seit 2021 Chef der Commerzbank, hatte dem Geldhaus eine tiefgreifende Transformation verordnet. Stellen wurden abgebaut und das Filialnetz zusammengestrichen. Damit arbeitet die Bank deutlich profitabler.

(Bericht von Matthias Inverardi und Tom Sims, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bittean unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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