Verhärtete Fronten vor Showdown auf ProSiebenSat.1-Hauptversammlung

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(Neu: PPF-Vertreter, weitere Details)

München (Reuters) - Vor der mit Spannung erwarteten Abstimmung über die Zukunft des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1 gehen das Management und der Hauptaktionär MFE auf Konfrontation.

Auf der Hauptversammlung am Dienstag bekräftigte eine Vertreterin der von der italienischen Familie Berlusconi kontrollierten MFE-Holding die von Vorstand und Aufsichtsrat abgelehnte Forderung, dass ProSiebenSat.1 eine Abspaltung aller nicht zum Kerngeschäft zählenden Randaktivitäten vorbereiten solle. "Die Strategie der letzten fünf Jahre hat in erheblichem Maße Wert vernichtet und die Strategie der letzten zwölf Monate hat bisher keine nennenswerten Werte geschaffen", beklagte die von MFE beauftragte Rechtsanwältin.

Eine Abstimmung über den Antrag wird im Lauf der Versammlung mit Spannung erwartet. Um ihn durchzusetzen, benötigt MFE nach Unternehmensangaben eine Mehrheit von 75 Prozent der Versammlungsteilnehmer. Zu Beginn des virtuellen Aktionärstreffens waren 48,75 Prozent des Grundkapitals vertreten, wie Aufsichtsratschef Andreas Wiele sagte. Die Präsenz werde sich allerdings im Versammlungsverlauf ändern, erklärte eine Konzernsprecherin am Rande der Versammlung. MFE hielt zuletzt einen Aktienanteil von knapp 30 Prozent. Die Stimmen von MFE alleine würden also bei der genannten Präsenz nicht ausreichen.

Unklar ist aber, wie sich der zweite Großaktionär PPF der tschechischen Milliardärin Renata Kellnerova verhält. Ein PPF-Vertreter äußerte sich in einem Redebeitrag am Mittag nicht dazu. PPF repräsentiere mehr als zehn Prozent des Grundkapitals, sagte er. Eine ProSiebenSat.1-Sprecherin bezifferte am Rande der Versammlung den PPF-Anteil auf 11,60 Prozent. Zusammen hätten MFE und PPF bei der genannten Präsenz also mehr als 75 Prozent.

AUFSICHTSRAT AUF DER SEITE DES VORSTANDS

Vorstandschef Habets widersprach dem Ansinnen von MFE erneut: Viel besser als eine separate Börsennotierung von E-Commerce- und Dating-Geschäften sei ein Verkauf einzelner Beteiligungen. Damit könne die Verschuldung reduziert werden. Aufsichtsratschef Andreas Wiele schlug sich zu Beginn der Versammlung erneut auf die Seite des Vorstands. Dieser setze die vom Aufsichtsrat beschlossene Strategie erfolgreich um.

MFE könnte sich nach eigenen Angaben zwar auch mit einem Verkauf von Unternehmensteilen anstelle einer Aufspaltung abfinden. "Es geht bei diesem Vorschlag explizit um die Analyse und Vorbereitung und nicht um die Durchführung einer Abspaltung", sagte die MFE-Anwältin. Eine endgültige Entscheidung solle später getroffen werden. "Es geht darum, zusätzliche Optionen zu schaffen." Nach Ansicht der Italiener geht das Management beim Konzernumbau aber zu zögerlich vor.

Konflikte gibt es auch bei der Besetzung des Aufsichtsrats. Während ProSiebenSat.1 drei Kandidaten für seinen Aufsichtsrat empfiehlt, schlägt MFE zwei eigene, "unabhängige Kandidaten" vor. Auch PPF will einen unabhängigen Vertreter in das Kontrollgremium schicken.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) forderte beide Seiten auf, ihren Konflikt nicht öffentlich auszutragen. Der Streit werfe kein gutes Licht auf das Unternehmen, sagte DSW-Vertreter Nikolaus Lutje. Er mahnte, das Unternehmen nicht unter Zeitdruck zu setzen: "Ein Verkauf unter Druck wird nicht das beste Ergebnis bringen."

(Bericht von Jörn Poltz, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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