Baukrise trifft auch Geschäft mit Fertighäusern - aber weniger stark

Berlin (Reuters) - Die schwache Baukonjunktur trifft den Fertighausbau weit weniger stark als den konventionellen Neubau.
Im vergangenen Jahr wurden rund 19.900 Wohngebäude im Fertigteilbau errichtet und damit 2,5 Prozent weniger als 2022, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Zum Vergleich: Der Neubau in konventioneller Bauweise sank mit 7,5 Prozent auf 76.900 wesentlich stärker. Insgesamt war damit rund jedes fünfte (20,6 Prozent) fertiggestellte Wohngebäude ein vorgefertigtes Haus aus der Fabrik, 2022 lag der Anteil bei 19,7 Prozent.
"Das ist eine Mischung aus gestiegenen Baukosten und Zinsen plus Inflation und Förderchaos der Bundesregierung" erklärte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF), Achim Hannott, den Rückgang. "Diese Gemengelage verunsichert viele Leute." Insgesamt gehe es der Branche aber immer noch relativ gut. "Unser Auftragspolster trägt uns noch", sagte Hannott. "Das hilft uns in diesen schwierigen Zeiten."
PREISE STEIGEN
Häuser aus Fertigteilen gelten angesichts gestiegener Baukosten und Wohnungsmangel als günstigere und zeitsparende Alternative. Allerdings zogen auch in diesem Bereich die Preise im vergangenen Jahr kräftig an. Der Bau für Einfamilien-Fertighäuser verteuerte sich mit durchschnittlich 8,1 Prozent fast so stark wie der von Wohngebäuden in konventioneller Bauart mit 8,5 Prozent. Im Zehnjahresvergleich stiegen die Preise für Einfamilien-Fertighäuser um 72,7 Prozent.
Zurückzuführen ist der Rückgang bei den Fertigstellungen im vergangenen Jahr vor allem auf den schwächelnden Neubau von Einfamilien-Fertighäusern. Hier gab es ein Minus von 4,1 Prozent auf 16.500, den niedrigsten Wert seit 2018. Dagegen wurden 6,0 Prozent mehr Zweifamilien-Fertighäuser übergeben, insgesamt waren es hier 2300. Bei in Fertigteilbauweise hergestellten Wohngebäuden mit mindestens drei Wohnungen wurde ein noch kräftigerer Zuwachs von zwölf Prozent auf 790 gemeldet.
"Bauherren im Wohnungsbau aus Fertigteilen waren im Jahr 2023 mehrheitlich private Haushalte", erklärten die Statistiker. Auf sie entfiel ein Anteil von 90,3 Prozent. Danach folgten mit 8,9 Prozent Unternehmen und mit 0,8 Prozent öffentliche Träger, einschließlich Organisationen ohne Erwerbszweck.
(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Christian Götz.; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)