Studie - Verbraucher misstrauen KI in Nachrichtenredaktionen

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Dallas (Reuters) - Der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in den Medien schürt einer Studie zufolge die Furcht vieler Verbraucher vor Desinformation.

Vor allem bei sensiblen Themen wie Politik misstrauten sie dieser Technologie, ergab der am Montag veröffentlichte "Digital News Report" des Reuters Institute for the Study of Journalism. Für ihn wurden fast 100.000 Personen in 47 Ländern befragt.

In den USA gaben 52 Prozent der Befragten an, sie fühlten sich mit mehrheitlich von KI erstellten Nachrichten unwohl. In Großbritannien lag die Quote sogar bei 63 Prozent. Weltweit stieg die Zahl derjenigen, die sich um Falschnachrichten im Internet Sorgen machten, um drei Prozentpunkte auf 59 Prozent. In Südafrika und den USA erreichten die Werte 81 beziehungsweise 72 Prozent. In Südafrika wurde Anfang des Monats das Parlament neu gewählt, während die USA im November über den künftigen Präsidenten entscheiden.

"Es war überraschend, das Ausmaß des Misstrauens zu sehen", sagte Nic Newman, leitender Forscher am Reuters Institute und Hauptautor der Studie. "Die Menschen haben Angst davor, was mit der Zuverlässigkeit und dem Vertrauen in die Inhalte passieren könnte." Ein Beispiel hierfür ist die Affäre um "NewsBreak". Die in den USA beliebte kostenlose Nachrichten-App mit Verbindungen nach China hatte einen von einer KI frei erfundenen Artikel über eine Schießerei in einer US-Kleinstadt veröffentlicht und erst vier Tage später wieder zurückgezogen.

Dennoch sei weiterhin nur eine Minderheit der Nutzer bereit, für digitale Nachrichteninhalte zu bezahlen, ergab die Studie des Reuters Institute weiter. Wie in den vorangegangenen Jahren hätten lediglich 17 Prozent der Befragten ein Abonnement, von denen allerdings weniger als die Hälfte den vollen Preis zahlen. Die übrigen profitierten von Rabatt-Aktionen. Gleichzeitig wachse der Einfluss von Nachrichten-Influencern. Die Mehrheit von 5600 TikTok-Nutzern, die die Kurzvideo-App nach eigenen Angaben auch für Nachrichtenkonsum nutzen, folgten dort Online-Persönlichkeiten. Nur rund ein Drittel verfolge die Kanäle etablierter Medien oder Journalisten.

Die Ergebnisse zeigten, dass Nachrichtenredaktionen eine direkte Beziehung zu ihrem Publikum aufbauen und gleichzeitig "die Plattformen strategisch nutzen müssen, um mit Menschen in Kontakt zu treten, die schwieriger zu erreichen sind", sagte Experte Newman weiter. Hierzu gehöre unter anderem das junge Publikum. "Wir sehen, dass Influencer eine größere Rolle auf den Plattformen spielen." Zu den am häufigsten genannten Vertretern dieser Gruppe zählten Tucker Carlson, ein früherer Moderator des US-Senders Fox News, und Joe Rogan, der Anbieter eines beliebten Podcasts auf dem Streaming-Portal Spotify.

Das Reuters Institute for the Study of Journalism wird von der Thomson Reuters Foundation, dem philanthropischen Arm des Informationsanbieters Thomson Reuters, finanziert.

(Bericht von Sheila Dang; geschrieben von Hakan Ersen, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)