Kolumne von Stefan Riße 23.06.2024

Hexensabbat als Wendepunkt? Viele Indikatoren mahnen zur Vorsicht

Stefan Riße · Uhr
Quelle: Bangkok Click Studio/Shutterstock.com

Der S&P 500 hat in diesem Jahr 31-mal auf einem neuen Allzeithoch geschlossen. Der letzte Tag, an dem der Index mehr als zwei Prozent verlor, liegt 333 Tage zurück. 2024 ist bisher das beste aller Wahljahre in den USA. Kann es im zweiten Halbjahr so weitergehen?

Grundsätzlich ist es statistisch gesehen tatsächlich so, dass Jahre mit einem guten ersten Halbjahr auch im zweiten Halbjahr überdurchschnittliche Erträge brachten. Aber natürlich gab es Ausnahmen. Die berühmteste ist das Jahr 1987, als am 19. Oktober der Dow Jones 22,3 Prozent an einem Tag verlor.

Großer Verfallstag war schon oft ein Wendepunkt

Am Freitag hatten wir wieder den großen Verfallstag an den Börsen. Viele Optionen und Terminkontrakte sind an diesem Tag ausgelaufen. Der Einfluss war in der vergangenen Woche auch spürbar. Zunächst brachen die Kurse am Montag aus, um dann am Donnerstag deutlich einzubrechen.

Nun liegt der Verfallstag hinter uns und die Börsen können ihren Weg ohne diesen Einflussfaktor fortsetzen. Nicht selten waren die großen Verfallstage Wendepunkte nach oben oder unten.

Im März 2000 auf dem Höhepunkt des Internetbooms war der Verfall der Wendepunkt nach unten.

Im März 2003 markierte der Verfall dann das Ende der dreijährigen Abwärtsbewegung.

Nach der Finanzkrise war es der große Verfallstag ebenfalls im März 2009, der den Tiefpunkt markierte.

Auch im März 2020 war der Absturz der Aktienkurse aufgrund der Coronakrise nach dem Verfallstag vorüber. Dass es jeweils den März traf, dürfte Zufall sein. Natürlich kann sich die Richtung auch im Juni um den Verfallstag herum ändern.

Viele Indikatoren mahnen zur Vorsicht

Es ist kaum zu vermuten, dass die Kurse in diesem Jahr so rasant weiter steigen wie im ersten Halbjahr. Ich bleibe dabei: In diesem Zinserhöhungszyklus müsste der Markt eigentlich noch einmal deutlich korrigieren. Momentan bläst ihm zunehmend der Wind ins Gesicht.

Das Auflösen der Reverse-Repo-Fazilität der US-Notenbank, die den Banken Liquidität zur Verfügung stellte, dürfte im zweiten Quartal beendet worden sein. Auch mangelt es mittlerweile extrem an Marktbreite.

Die Märkte werden nur von einigen wenigen Aktien getragen. Die Rede ist immer wieder von den „Magnificent Seven". Doch auch hier zeigt ein näherer Blick, dass ohne Nvidia die verbleibenden sechs Aktien sogar schlechter gelaufen sind als der S&P 500. Nvidia ist wohl für etwa ein Drittel des Anstiegs der Aktienmärkte weltweit verantwortlich. Historisch betrachtet war es immer gefährlich, wenn sich die Aufwärtsbewegung auf immer weniger Aktien konzentriert.

Und als Letztes muss auch die Dow-Theorie skeptisch stimmen. Transportaktien sind bereits seit längerem auf Talfahrt im Vergleich zum Gesamtindex. Da diese auf eine konjunkturelle Schwäche sehr früh reagieren, sind sie in der Regel ein Vorbote für eine Schwäche auch des gesamten Aktienmarktes. Etwas Vorsicht kann also nicht schaden.

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