Forscher - Keine große Änderung durch Baerbock-Verzicht auf Kanzlerkandidatur

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Berlin (Reuters) - Der Verzicht von Außenministerin Annalena Baerbock auf eine erneute Kanzlerkandidatur bei der Bundestagswahl 2025 wird den Grünen nach Ansicht des Meinungsforschungsinstituts Forsa keinen Auftrieb bringen.

"56 Prozent der Befragten hatten ohnehin gesagt, dass die Grünen angesichts ihrer Umfrageschwäche keinen Kanzlerkandidaten aufstellen sollten", sagte der Forsa-Geschäftsführer Peter Matuschek der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Zudem hätten Baerbock und Vize-Kanzler Robert Habeck in den Umfragen relativ ähnlich abgeschnitten. Die Umfragewerte seien seit Monaten relativ gleich.

Der entscheidende Unterschied sei, dass beide Politiker 2021 relativ neu gewesen seien, die Wähler sich nun aber in knapp drei Jahren Ampel-Regierung eine feste Meinung gebildet hätten. Auch bei der von Forsa abgefragten "Kanzler-Präferenz" habe es in den vergangenen Monaten nur wenige Bewegung bei den Grünen-Kandidaten gegeben, so Matuschek. Wirtschaftsminister Habeck habe bis zur umstrittenen Gasumlage und dem Heizungsgesetz hohe Werte erzielt, sei dann aber in der Wählergunst abgestürzt. Der einstige Aufbruch-Effekt sei mittlerweile weg. Die Zahlen zeigten, dass es schwierig wäre, ihn wiederzubeleben.

Baerbock hatte überraschend am Mittwochabend in einem CNN-Interview erklärt, dass sie keine erneute Kanzlerkandidatur anstrebt. Bei den Grünen wird nun Habeck als wahrscheinlichster Kandidat angesehen. SPD und CDU wollten sich am Donnerstag auf Anfrage nicht dazu äußern, ob sie sich durch den Verzicht von Baerbock bessere oder schlechtere Chancen für ihre Kanzlerkandidaten ausrechnen. Die SPD will wieder mit Kanzler Olaf Scholz antreten. Die Union will im September über einen Kandidaten entscheiden, CDU-Chef Friedrich Merz werden die größten Chancen eingeräumt.

Infratest-Wahlforscher Roberto Heinrich sagte Reuters, es sei noch schwer abzuschätzen, welche Rolle Kandidaten bei der Bundestagswahl 2025 überhaupt spielen würden. Dies liege daran, dass die genaue Konstellation noch nicht geklärt sei. "Zum anderen fällt ein Urteil schwer, da die Popularität der aktuellen Spitzen von SPD, Union und Grünen sichtbar begrenzt ist. Olaf Scholz bleibt hinter seinen Werten von 2021, Merz hinter denen von Armin Laschet zur Bundestagswahl zurück. Auch Robert Habeck reicht an seine Zustimmungswerte aus dem Bundestagswahlkampf 2021 nicht heran." Kein Kandidat überzeuge derzeit eine Mehrheit. Das könnte dazu führen, dass eher programmatisch-inhaltliche Streitpunkte das Wahljahr prägten.

(Bericht von Andreas Rinke und Christian Krämer, redigiert von Reinhard Becker. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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