Schwacher Yen beflügelt Japans Exportgeschäft

Tokio (Reuters) - Angetrieben von der Schwäche des Yen haben Japans Exporteure weiter einen Lauf.
Die Ausfuhren stiegen im Juli im Vergleich zum Vorjahr wertmäßig um 10,3 Prozent, wie am Mittwoch veröffentlichte Daten des Finanzministeriums zeigen. Damit legten sie den achten Monat in Folge zu. Allerdings hatten die von Reuters befragten Experten ein etwas größeres Plus von 11,4 Prozent erwartet, nach einem Zuwachs von 5,4 Prozent im Juni. Das Geschäft wurde maßgeblich durch einen schwächeren Yen belebt. Das Liefervolumen sank im Juli im Vergleich zum Vorjahreszeitraum allerdings um 5,2 Prozent. Es war bereits der sechste Rückgang in Folge. Dieser Trend nährt Zweifel an den Aussichten für die japanische Konjunktur, die erst im Frühjahr in die Wachstumsspur zurückgekehrt ist.
Der Rückgang der Liefermengen deute darauf hin, dass der schwächere Yen eine zugrunde liegende Schwäche der weltweiten Nachfrage überdecke, sagte Takeshi Minami, Chefökonom am Norinchukin Research Institute: "Auch die Aussichten für die globale Nachfrage bleiben düster, da die Immobilienprobleme weiterhin die chinesische Wirtschaft belasten und sich der US-Arbeitsmarkt abkühlt." Und wenn der Yen weiter steige, würden auch Japans Exporte wertmäßig zurückgehen.
Die schwächer als erwartet ausgefallenen Exportdaten drückten die Börsen in Asien ins Minus. Der breiter gefasste Topix verlor genauso viel auf 2664 Zähler. Auch die Börse in Shanghai und der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen bröckelten leicht ab.
NOTENBANK VOR SCHWIERIGER AUFGABE
Japans Wirtschaft war im Frühjahr wieder gewachsen. Ein kräftiger Anstieg des privaten Konsums sorgte als Haupttreiber dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von April bis Juni auf das Jahr hochgerechnet um 3,1 Prozent zulegte. Noch im ersten Quartal war die Wirtschaft um 2,3 Prozent geschrumpft. Japans Notenbank (BoJ) erhielt laut Experten durch die Zahlen neue Argumente für eine weitere Straffung der Zinsen. Allerdings werde die Notenbank vorsichtig bleiben, da die letzte Zinserhöhung einen starken Anstieg des Yen ausgelöst habe, gaben die Fachleute zu bedenken.
Die Bank von Japan (BoJ) steht somit vor einer schwierigen Aufgabe. Schreitet Notenbank-Chef Kazuo Ueda auf dem eingeleiteten Straffungspfad zu forsch voran, könnte dies das Wirtschaftswachstum rasch wieder bremsen. Zudem muss die Notenbank den Yen-Kurs im Auge behalten, der auch wegen der erwarteten Zinssenkungen in den USA einigen Auftrieb erhalten hat. Denn ein zu starker Yen belastet die japanische Exportwirtschaft.
Am Mittwoch ist der Kurs des Yen leicht gestiegen. Der Dollar ist im Gegenzug auf Werte knapp über 145 Yen gefallen, nachdem er am Dienstag noch bei Notierungen um die 147 Yen gehandelt worden war. Ryota Abe, Volkswirt bei der Sumitomo Mitsui Banking Corp, geht davon aus, dass sich das Währungspaar in diesem Jahr weiter um die als psychologisch wichtig geltende Marke von 145 Yen herum bewegen wird.
Die BoJ hatte im März den historischen Ausstieg aus ihrem jahrelangen Stützungsprogramm für die Wirtschaft gewagt und erstmals seit 17 Jahren die Zinsen erhöht. Die Währungshüter legten dann Ende Juli nach und erhöhten den Leitzins von 0,0 bis 0,1 Prozent auf 0,25 Prozent. Die Zentralbank begründete die Zinsanhebung mit der Prognose, dass die Löhne auf noch breiterer Front steigen dürften. Das wiederum werde Unternehmen dazu veranlassen, höhere Personalkosten über Preissteigerungen bei Dienstleistungen an ihre Kunden weiterzugeben. Japan litt jahrelang unter einer Deflation - also einem Preisverfall. Den versuchten die Währungshüter mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik zu bekämpfen. Sie gehen davon aus, dass die Inflationsrate bis 2026 bei etwa zwei Prozent liegen dürfte.
(Bericht von Makiko Yamazaki, geschrieben von Reinhard Becker, Frank Siebelt, Zuzanna Szymańska, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)