Arbeitszeit hat seit 2011 leicht abgenommen - "Weniger Überstunden"

Reuters · Uhr
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Berlin (Reuters) - Die Arbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten in Deutschland ist in den vergangenen Jahren gesunken.

Lag sie 2011 noch bei durchschnittlich 40,7 Stunden pro Woche, so waren es 2023 noch 39,8 Stunden, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Dagegen arbeiten Teilzeitbeschäftigte länger, und zwar im Schnitt 21,2 Wochenstunden. 2011 waren es 18,2 Stunden. "Wegen dieser gegenläufigen Entwicklung hat sich die von allen abhängig Beschäftigten im Schnitt geleistete Wochenarbeitszeit im selben Zeitraum wenig verändert", betonte das Bundesamt. Sie ging von 34,6 Stunden im Jahr 2011 auf 34,1 Stunden im vorigen Jahr zurück.

Den Hauptgrund für den Rückgang bei den Vollzeitbeschäftigten sieht das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in den seit der Corona-Pandemie abnehmenden Überstunden. "Arbeitskräfte sind knapper als früher. Der Druck, Überstunden zu leisten, um voranzukommen oder den Job zu sichern, hat abgenommen", sagte IAB-Forscher Enzo Weber der Nachrichtenagentur Reuters. In den Tarifverträgen habe es dagegen keine großen Veränderungen gegeben. Für die gestiegene Arbeitszeit im Teilzeitbereich sieht der Experte zwei Gründe. "Zum einen gibt es weniger Mini-Jobs. Grund ist der bessere Arbeitsmarkt", sagte Weber. "Zum anderen arbeiten Frauen in Teilzeit länger."

"ARBEITSPRODUKTIVITÄT WIRD AUCH WEITER SINKEN"

Nicht nur die Arbeitszeit von Teilzeitbeschäftigten ist gestiegen, sondern auch deren Anteil an allen Beschäftigten. Arbeiteten 2011 noch 27,2 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hierzulande in Teilzeit, waren es 2023 30,9 Prozent.

Experten zufolge könnten wegen des demografischen Wandels in den kommenden 15 Jahren etwa sieben Millionen Arbeitskräfte fehlen. Um die drohende Lücke zu schließen, empfiehlt IAB-Experte Weber, bei den Mini-Jobbern anzusetzen. "Da möchte fast jeder Zweite deutlich mehr arbeiten." Auch sollten Karrieren von Frauen stärker gefördert werden, deren berufliches Vorankommen mit Beginn der Familienphase oftmals abknicke. "Hier gehen nicht nur Arbeitsstunden verloren, sondern auch Qualität", sagte der Experte.

Die Arbeitsproduktivität - gemessen als preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigenstunde - stieg zwischen 2011 und 2023 um insgesamt 9,1 Prozent. Dabei sei die Stundenproduktivität von Jahr zu Jahr gestiegen. Eine Ausnahme bildete demnach nur das vergangene Jahr: Während das Arbeitsvolumen um 0,4 Prozent wuchs, sank das reale Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent. Infolgedessen sank die Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigenstunde um 0,6 Prozent zum Vorjahr. "Sie wird auch in diesem Jahr wieder sinken", erwartet IAB-Forscher Weber. Um daran künftig etwas zu ändern, müsse die Arbeit selbst verbessert werden - etwa durch Qualifizierung und berufliche Weiterentwicklung. "KI ist ein Mittel, um Jobs aufzuwerten", fügte Weber hinzu. Auch die ökologische Transformation biete neue Innovationen und Geschäftsfelder. "Da könnte ein technisch stark aufgestelltes Land wie Deutschland enorm viel reißen", so der Experte.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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