Bitkom: Deutschland hinkt bei Aufbau von Rechenzentren hinterher

Frankfurt (Reuters) - Deutschland verliert dem Digitalverband Bitkom zufolge beim Aufbau wichtiger technologischer Infrastruktur den Anschluss. "Rechenzentren sind das Rückgrat der Digitalisierung", sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder bei der Vorstellung einer Branchenstudie am Donnerstag. "In den USA werden jedes Jahr zwei- bis dreimal so viele Kapazitäten neu zugebaut, wie in Deutschland überhaupt installiert sind."
Hierzulande investierten Betreiber jährlich etwa 13 Milliarden Euro in Gebäude für Rechenzentren und deren technische Ausstattung, ergab die im Auftrag des Bitkom vom Borderstep Institut erhobene Studie "Rechenzentren in Deutschland: Aktuelle Marktentwicklungen 2024". Dennoch sei die Rechenleistung, die am Strombedarf gemessen wird, im Vergleich zur Wirtschaftskraft unterdurchschnittlich. Deutschland komme auf 610 Kilowatt pro Milliarde Euro des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Weltweiter Spitzenreiter sei Irland mit einem Wert von 2310 Kilowatt. In dem Land haben zahlreiche US-Technologiekonzerne ihre Europazentralen. Auf den Rängen folgten China und die USA mit 2100 und 1700 Kilowatt.
Der Bedarf an Rechenkapazität wird durch den Siegeszug der Künstlichen Intelligenz (KI) noch verstärkt. Deshalb forderte Rohleder einen "Aktionsplan Rechenzentren". "Es braucht die richtigen regulatorischen Voraussetzungen, niedrigere Stromkosten, eine aktive Standortpolitik und optimierte Planungs- und Genehmigungsprozesse." Ohne leistungsfähige Rechenzentren gebe es weder eine erfolgreiche Digitalisierung von Wirtschaft und Verwaltung noch eine konkurrenzfähige deutsche KI-Branche.
(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)