UniCredit greift nach Banco BPM - Verschnaufpause für die Commerzbank

Mailand (Reuters) - Die italienische Großbank UniCredit verschafft mit ihrem überraschenden Vorstoß zur Übernahme des heimischen Rivalen Banco BPM der Commerzbank eine Verschnaufpause.
Die UniCredit werde niemals zwei Banken zur gleichen Zeit integrieren, sagte UniCredit-Chef Andrea Orcel am Montag nach Veröffentlichung der Offerte. Italiens zweitgrößtes Institut will den kleineren Wettbewerber durch einen etwa zehn Milliarden Euro schweren Aktientausch schlucken. Die Commerzbank-Pläne sind damit aber nicht ad acta gelegt. Das Angebot sei unabhängig von den Investitionen in die Frankfurter Commerzbank, sagte Orcel. Es gebe hier auch keine mögliche Überforderung des Managements. "Zu dem Zeitpunkt, zu dem wir das zweite Angebot abgeschlossen hätten, hätten wir die erste Bank integriert", sagte er zu Analysten.
Die Commerzbank-Aktie ging nach Bekanntwerden der Banco-BPM-Offerte auf Talfahrt. Mit einem Kursminus von zeitweise rund sieben Prozent war sie Schlusslicht im Dax. Mit Blick auf die UniCredit-Offerte für Banco BPM sagte ein Händler: "Es scheint, als hätten sie derzeit Wichtigeres zu tun, als sich mit den deutschen Gesetzgebern herumzuschlagen." Die Aktie des italienischen Bankhauses BPM gewann dagegen an der Mailänder Börse zeitweise 3,2 Prozent. UniCredit-Aktien büßten etwa vier Prozent ein.
UniCredit hatte sich über Finanzderivate nach eigenen Angaben bereits Zugriff auf bis zu 21 Prozent der Anteile an der Commerzbank gesichert. Sie hat zudem bei den bei der Europäischen Zentralbank angesiedelten Aufsichtsbehörden beantragt, die Commerzbank-Beteiligung auf bis zu 29,9 Prozent ausbauen zu dürfen. Börsianer spekulieren darauf, dass UniCredit die Commerzbank letztendlich ganz übernehmen will. Das Frankfurter Institut will aber unabhängig bleiben. Die Commerzbank ist an der Börse etwa 18 Milliarden Euro wert, die Banco BPM kommt auf einen Börsenwert von rund zehn Milliarden Euro. Bei der Großbank UniCredit sind es rund 63 Milliarden Euro.
ORCEL - UNICREDIT KANN BEI DER COMMERZBANK WARTEN
Orcel zufolge hat die UniCredit bei der Commerzbank keine Eile. Die Commerzbank-Beteiligung sei vorerst ein Investment. "Wir können darauf eine Weile sitzen bleiben." Mit der Banco BPM will die UniCredit ihre Wettbewerbsposition als Nummer zwei auf dem Heimatmarkt stärken. Der Vorstoß erfolgte Orcel zufolge auch deshalb, weil das Fusions- und Übernahmegeschehen im italienischen Bankensektor zuletzt zugenommen habe. Banco BPM hatte diesen Monat eine Beteiligung am Rivalen Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) erworben und auch ein Übernahmeangebot für den Fondsmanager Anima Holding unterbreitet. "Wir können diesem Schritt nicht fernbleiben", sagte Orcel. An MPS habe UniCcredit weiterhin kein Interesse.
UniCredit kündigte an, 0,175 eigene Stammaktien für jede BPM-Aktie zu bieten. Das Umtauschverhältnis entspricht einem Angebotswert von 6,67 Euro pro Aktie, was etwa dem Schlusskurs der BPM-Aktie am Freitag entspricht. UniCredit geht davon aus, dass die Übernahme im Juni 2025 abgeschlossen sein könnte. Sie muss von den zuständigen Behörden noch genehmigt werden. Banco BPM war schon länger auf dem Radar von Orcel, der die Unicredit seit 2021 leitet. Banco BPM hat seine geschäftlichen Wurzeln in der reichen Region Lombardei, wo UniCredit weniger stark aufgestellt ist. "Ich glaube nicht, dass die Wahl dieses Partners hier eine große Überraschung ist", sagte Orcel. "Auch bei der Commerzbank hätte es das nicht sein sollen, noch weniger bei der BPM", fügte er hinzu.
FINANZMINISTER ERWARTET STOPP DES UNICREDIT-VORSTOSSES
Von der Bundesregierung wird das Vorgehen der Italiener bei der Commerzbank weiterhin kritisch gesehen. "Wir haben da eine sehr kritische Grundhaltung und der Vorstandsvorsitzende der Unicredit hat gesagt, dass er sich über die Kritik der Bundesregierung nicht hinwegsetzen will,", sagte der neue Bundesfinanzminister Jörg Kukies am Sonntagabend in der ARD. "Von daher gehe ich davon aus, dass er das dann auch nicht machen wird", sagte der SPD-Politiker. Orcel hatte am Freitag auf einer Finanzkonferenz in London gesagt, während des Vakuums vor der für Ende Februar geplanten Bundestagswahl wolle sein Haus nicht aktiv werden.
Unterdessen äußerte sich Italiens Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini sich am Montag skeptisch zu der Offerte für Banco BPM. Er hoffe, das sei kein Versuch, Pläne der Regierung zu torpedieren, eine dritte große Bankengruppe in Italien aufzubauen. "Ich mag keine Banken-Konzentrierung", sagte Salvini. Er äußerte sich zudem überrascht zu dem Vorstoß. "Ich hatte zuletzt gehört, UniCredit wolle in Deutschland wachsen", merkte er an.
(Bericht von Valentine Za, Cristina Carlevaro,Frank Siebelt, Zuzanna Szymanska, Andreas Rinke; Redigiert von Olaf Brenner; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)