Volkswagen gibt umstrittene Präsenz in chinesischer Uiguren-Region auf

Reuters · Uhr
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Schanghai (Reuters) - Volkswagen zieht nach jahrelanger Kritik einen Schlussstrich unter seine umstrittene Präsenz in der chinesischen Uiguren-Region Xinjiang.

Das Werk und die Teststrecken in der Provinz seien verkauft worden, teilte der Wolfsburger Autobauer am Mittwoch mit. Käufer sei die Shanghai Motor Vehicle Inspection Certification (SMVIC), eine Tochtergesellschaft der staatlichen Shanghai Lingang Development Group. Damit verfügt VW über keine Präsenz mehr in der Provinz, in der China Menschenrechtsorganisationen zufolge die uigurische Minderheit unterdrückt. Investoren, die Politik und Menschenrechtsforscher Adrian Zenz begrüßten den Schritt. Zum Kaufpreis äußerte sich Volkswagen nicht. Ein Sprecher sagte, die etwa 170 Arbeitsplätze in dem Werk blieben erhalten.

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Der Schritt wurde möglich, weil die Wolfsburger ihre seit vier Jahrzehnten bestehende Zusammenarbeit mit dem chinesischen Hersteller SAIC vorzeitig bis 2040 verlängerten und in dem Zusammenhang auch über Standorte sprechen konnten. Im Rahmen des Joint Ventures planen die Partner, bis 2030 insgesamt 18 neue Modelle auf den Markt zu bringen, darunter acht Elektroautos sowie Hybridfahrzeuge. 15 der neuen Modelle sollen exklusiv für den chinesischen Markt entwickelt werden. Die zunehmende Bedeutung der Elektroautos hat auch Auswirkungen auf die Werke: Die bestehenden Produktionskapazitäten für Verbrenner sollen schrittweise reduziert und Anlagen auf Elektrofahrzeuge umgerüstet werden. In Einzelfällen sollen auch "wirtschaftliche Alternativlösungen" geprüft werden. Nach Angaben von Insidern steht das Werk in Nanjing auf dem Prüfstand.

Investoren reagierten positiv auf den Rückzug von VW aus Xinjiang. "Das ist ein längst überfälliger Schritt, der zeigt, dass Menschenrechte nicht verhandelbar sind", erklärte Janne Werning von der Fondsgesellschaft Union Investment. Nach Einschätzung von Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment, dürften die wirtschaftlichen Auswirkungen dieses Schritts zudem gering sein. Auch die niedersächsische Landesregierung - das Bundesland ist mit etwa 20 Prozent am VW-Konzern beteiligt - begrüßte die Entscheidung. "Dies ist ein großer Sieg für die Uiguren. Es war überfällig, dass Volkswagen den Ort einer großen Gräueltat verlassen hat", erklärte Menschenrechtsforscher Adrian Zenz, Senior Fellow der Erinnerungsstiftung für die Opfer des Kommunismus in Washington.

VW KANN NUR MIT SAIC ZUSAMMEN ÜBER XINJIANG ENTSCHEIDEN

Am Standort Urumqi wurden schon seit mehreren Jahren keine Autos mehr gebaut. Eine Tochter des Gemeinschaftsunternehmens von SAIC und VW hatte das Werk 2012 errichtet und dort zunächst das Einsteigermodell Santana produziert. In den vergangenen Jahren wurde die Anlage jedoch nur noch zur Inbetriebnahme von Autos genutzt, die in anderen Werken gebaut wurden. An dem Gemeinschaftsunternehmen halten SAIC und VW jeweils 50 Prozent. In den Verträgen wurde jedoch festgelegt, dass bei Entscheidungen SAIC das letzte Wort hat. Volkswagen konnte damit nicht alleine über die Zukunft der Anlage entscheiden. Laut Stifel-Analyst Daniel Schwarz war in der Vergangenheit immer wieder darauf verwiesen worden, dass politische Gründe einen Ausstieg aus Xinjiang erschwerten.

Offiziell führte VW wirtschaftliche Gründe dafür an, dass die Anlage jetzt verkauft wird. SMVIC ist ein staatliches Unternehmen, das in Xinjiang künftig Fahrzeuge prüfen und aufbereiten will. VW hatte sein Werk in Xinjiang im Februar auf den Prüfstand gestellt, nachdem erneut Vorwürfe zu Zwangsarbeit laut geworden waren. VW stand in den vergangenen Jahren wegen seiner Aktivitäten in der Uiguren-Region unter Druck. Menschenrechtsorganisationen haben dokumentiert, dass der chinesische Staat die uigurische Minderheit dort mit Zwangsarbeit und in Umerziehungslagern drangsaliert. Die chinesische Regierung weist diese Vorwürfe zurück. Auch Investoren hatten wiederholt kritisiert, dass Volkswagen in der Region weiterhin aktiv war. Medienberichten zufolge war es beim Bau der Teststrecken vor mehreren Jahren zu Zwangsarbeit gekommen.

(Bericht von Zhang Yan und Brenda Goh und Christina Amann, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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