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Aktienrückkäufe sprechen nach wie vor für US-Aktien

Stefan Riße

Aus dem Bewertungsblickwinkel müsste man sich eigentlich auf europäische Aktien nur so stürzen. Gegenüber US-Titeln sind diese so niedrig bewertet wie seit mehr als 20 Jahren nicht. Diese dementsprechend auch in den vergangenen Jahren schon bestehende Unterbewertung wurde von vielen Value-Anlegern deshalb auch genutzt, sie haben in europäische Dividendentitel umgeschichtet. Ausgezahlt hat es sich für sie bis heute nicht. In einem global investierenden Portfolio war ohne US-Aktien wenig auszurichten.

Die Musik spielt nicht in Europa

Fundamental liegen schon einige Gründe auf der Hand für das bessere Abschneiden von US-Aktien. Die Musik spielt in den USA und in China. Im Kampf um die wirtschaftliche Vormachtstellung in der Welt steht Europa schon als Verlierer fest. Es fehlt die Einigkeit in der Politik, dem etwas entgegenzusetzen. Im Gegenteil. Das vereinte Europa driftet auseinander und beschäftigt sich mit sich selbst, während die USA zum Niedrigsteuerland avancieren und Kapital und kluge Köpfe anziehen. Der im Silicon Valley zu beobachtende Gründergeist findet in Europa trotz aller gutgemeinten Initiativen kein Gegengewicht. China stampft mit seiner schier unendlichen Heerschar an Arbeitskräften und seinem zentral gesteuerten Staatskapitalismus auf der anderen Seite ein hoch modernes Industrieland aus dem Boden.

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Vieles ist eingepreist

Es war auch die Eurokrise und deren mögliches Wiederausbrechen, die zu einem Bewertungsabschlag geführt hat. Nun dürfte all dies aber eingepreist sein. Zumal es viele multinational operierende Unternehmen in Europa gibt, die in den vergangen Jahren glänzende Geschäfte vor allem mit China gemacht haben und noch immer machen. Viele davon haben bekanntermaßen ihren Sitz in Deutschland. Ist die Zeit nun also reif, um im großen Stil in europäische Aktien umzuschichten? Wahrscheinlich noch immer nicht.

Aktien steigen, weil sie jemand kauft!

Aktien steigen nicht automatisch, weil die Gewinne des zugrundeliegenden Unternehmens steigen oder dieses glänzende Zukunftsaussichten hat. Die Kursbildung entsteht am Ende allein durch Angebot und Nachfrage. Und hier weist der US-Aktienmarkt einen unglaublich großen Vorteil auf: Die Aktienrückkäufe. Die Unternehmen selbst waren die mit Abstand wichtigste Käufergruppe in den vergangen Jahren. Nach von Goldman Sachs ermittelten Zahlen kauften im Jahr 2018 die Unternehmen selbst netto - also nach Abzug von Kapitalerhöhungen – Aktien im Wert von 509 Milliarden US-Dollar vom Markt weg. Klassische Investmentfonds, Pensionskassen und Ausländer verkauften hingegen Anteile im Wert von 481 Milliarden. Nennenswert auf der Käuferseite standen nur noch die privaten Haushalte, die für 191 Milliarden wohl vor allem Aktien-ETFs kauften, denen 210 Milliarden netto in 2018 zuflossen. Und dieser Trend ist schon seit Jahren zu beobachten. Für 2019 wurden nun erneut Aktienrückkäufe auf Rekordniveau angekündigt von brutto gut 900 Milliarden US-Dollar. Treiber ist hier nach wie vor die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump, die dazu führt, das im Ausland steuergünstig geparkte Gelder zurück geholt und in Aktienrückkäufe investiert werden. Manche Unternehmen verschulden sich auch, um eigene Aktien zurück zu kaufen - eine ungute Entwicklung, da die Schulden in einer Rezession zu einer schweren Bürde werden können, doch zunächst befeuert auch dies die Nachfrage nach US-Aktien.

China hat ähnliche Probleme wie Europa

Dass es vor allem an den in Europa quasi fehlenden Aktienrückkäufen und nicht an fundamentalen Gründen liegt, dass europäische Aktien so massiv unterbewertet sind, dafür spricht auch die Entwicklung in China. Dort lief es wirtschaftlich die vergangenen Jahre bombig und auch viele Unternehmensgewinne legten ordentlich zu. Und doch war mit chinesischen Aktien wenig Rendite in den vergangen Jahren zu machen. Die Rallye seit Jahresbeginn ist nur eine Linderung der jahrelangen Verluste. Hierfür gibt es hausgemachte Gründe wie die lange Zeit restriktive Geldpolitik der chinesischen Notenbank, aber eben auch fehlende Rückkäufe und dagegen stehend eine große Anzahl von Neuemissionen. Während sich in den USA die Anzahl der Aktien verringert hat, weil die Unternehmen die zurück gekauften Aktien meistens „einstampfen“, um den Gewinn pro Aktie zu steigern, hat sich das Angebot an Aktien in China massiv erhöht.

Weil Unternehmen das Geld eigentlich in organisches Wachstum investieren sollten, wurden zuletzt Verbote von Aktienrückkäufen in den USA diskutiert. Würde es hierzu kommen, wäre dies ein enormes Alarmsignal für den US-Aktienmarkt. Noch sind wir hiervon aber weit entfernt. Absehbar werden US-Aktien damit weiter diesen simplen Nachfragevorteil haben und es könnte beim Bewertungsabschlag europäischer Aktien bleiben oder dieser sogar noch weiter wachsen. US-Aktien gehören daher weiter in ein breit gestreutes Aktienportfolio, auch wenn es aus dem Bewertungsblickwinkel nicht so scheinen mag.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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